Die große Samstagabend-Show
TSV Heinsheim schlägt zum Auftakt sensationell den deutschen Meister St. Ilgen

Gewichtheben - Oliver Ehemann wusste es ganz genau: Er hatte es geschafft. Lächelnd stand der Gewichtheber des TSV Heinsheim auf der Bühne und genoss den großen Triumph. Wie eine Trophäe hielt er die 182 Kilogramm schwere Hantel über seinem Kopf, während das Publikum im Saal tobte. „Oli, Oli“, riefen die 230 Schaulustigen in der Josef-Müller-Halle. Und: „Bravo, Bravo!“ Wenig später setzte Ehemann zu seinem bekannten Jubelsprung an. Er ballte die Hände zu Fäusten, und die Trainer Ferdinand Wittmann und Karlheinz Grauf rissen begeistert die Arme hoch.
Hochspannung
Was für ein Auftakt! Was für ein Wettkampf! Kaum hat die Saison in der Bundesliga Mitte begonnen, hat sie bereits ihre erste Sensation. Mit 636,8:629,6 bezwang der TSV Heinsheim den AC Germania St. Ilgen, der nicht irgendwer ist. Es ist der amtierende Meister. Eine ehrgeizige Eliteeinheit, die in der vergangenen Runde nur ein einziges Mal verloren und ein Spitzenresultat von 808,6 Punkten erzielt hatte.
„Es ist unbegreiflich. Ich kann es gar nicht glauben, dass wir gewonnen haben. Viel falsch können wir nicht gemacht haben“, sagte Oliver Ehemann nach der großen Samstagabend-Show. „Das ist Wahnsinn“, fand AbteilungsleiterinMartina Dosquet und erklärte: „Das ist ungefähr so, wie wenn im Fußball der SC Freiburg gegen den FC Bayern mit 4:0 gewinnt.“
Dass etwas drin sein würde, hatte der TSV nicht nur gehofft, sondern auch geahnt. Der AC St. Ilgen musste im ersten Wettkampf auf Europameister Jürgen Spieß (Urlaub) verzichten, außerdem fielen Petr Rudy und Maxim Romanko aus. Entsprechend angriffslustig präsentierten sich die Heinsheimer. Sie boten Paroli und ließen sich nicht abschütteln. Im Gegenteil: Von Anfang an lagen die Mannen in den blauen Kampfanzügen in Führung.
„Unser Ziel war es, den Gegner unter Druck zu setzen, so dass er auch etwas riskieren musste“, erklärte Ferdinand Wittmann. Die Taktik der Nadelstiche, sie ging auf. Im Reißen leisteten sich die Germanen sieben Fehlversuche, der TSV nur vier. Auch im Stoßen patzte der AC wiederholt. So herrschte bis zum Schluss Hochspannung. Vor den letzten beiden Versuchen war der Vorsprung des TSV von zwischenzeitlich 22,8 Punkten auf 0,2 Punkte geschmolzen - ehe St. Ilgens Michael Böhm zum zweiten Mal an 181 Kilogramm scheiterte. Manchmal ist eben auch Nervenstärke gefragt im Gewichtheben.
Fehlerlos
Bester Heber der Veranstaltung war Ilian Tzankov, der als einziger Heinsheimer „sechs Richtige“ in die Wertung brachte und 158 Punkte beisteuerte. Auch die anderen TSV-Athleten gingen an ihre Grenzen - sehr zur Freude der Trainer. „Unsere Zuschauer haben kein Kasperle-Theater verdient“, sagte Ferdinand Wittmann. „Kompliment deshalb an die ganze Mannschaft. Jeder einzelne hat alles gegeben und wollte unbedingt gewinnen.“
Einer war besonders heiß gewesen. Falk Künzel ging bei seinem Comeback in der ersten Mannschaft trotz einer schweren Grippe an den Start. Wie hoch sein Fieber war? „Was für ein Fieber? Ich hatte nur Lampenfieber“, antwortete 24-Jährige schlagfertig.
TSV Heinsheim - AC St. Ilgen 636,8:629,6
TSV Heinsheim: Kai Wittmann (Körpergewicht 64,8 Kilogramm) 90,0 Relativpunkte (Reißen 95 kg/Stoßen 113 kg), Ilian Tzankov (68,8 kg) 158,0 Punkte (130 kg/158 kg); Falk Künzel (77,7 kg) 96,0 Punkte (115 kg/135 kg); Robin Künzel (79,3 kg) 79,4 Punkte (112 kg/126 kg); Marcel Heinzelmann (84,8 kg) 105,4 Punkte (127 kg/148 kg); Oliver Ehemann (112,6 kg) 108,0 Punkte (135 kg/182 kg).
AC Germania St. Ilgen: Ivonne Rohde (Körpergewicht 57,8 kg) 82,0 Relativpunkte (Reißen 55 kg/Stoßen 72 kg); Sergej Dundukov (68,7 kg) 115,0 Punkte (110 kg/135 kg); Max Kappenstein (73,5 kg) 83,0 Punkte (100 kg/126 kg); Ringo Grossmann (76,7 kg) 121,0 Puntke (118 kg/154 kg); Michael Böhm (86,2 kg) 143,6 Punkte (142 kg/174 kg); Rayk Stechow (109,7 kg) 85,0 Punkte (133 kg/160 kg).
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