Zehn Minuten fehlen den Falken zur Sensation

Eishockey  15 tapfere Falken führen in Kassel nach knapp 50 Minuten mit 4:0, müssen sich am Ende aber stehend k.o. im ersten Spiel der Playoff-Viertelfinalserie mit 4:6 geschlagen geben.

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50 Minuten lang ging Bill Stewarts meisterhafte Taktik auf, dann gingen seinen Spielern die Kräfte aus.

Foto: Andreas Veigel

Die Kräfte reichten für knapp 50 Minuten, aber ein Eishockeyspiel dauert eben rund zehn Minuten länger. In den letzten zehn Minuten gaben die Heilbronner Falken am Donnerstag im ersten Playoff-Viertelfinale bei den Kassel Huskies eine über 49 Minuten erarbeitete 4:0-Führung aus der Hand. Mit 6:4 (0:3, 0:1, 6:0) gewann der haushohe Favorit die erste Partie der Best-of-Five-Serie. Am Samstag (17 Uhr) geht es mit Spiel zwei in Heilbronn weiter.

"Gute Teams finden einen Weg, um Spiele zu gewinnen", gratulierte Stewart dem Gegner zum Sieg. "Wir waren 50 Minuten sehr gut, ich bin stolz auf die Jungs."

Ein coronabedingter Mini-Kader mit nur einem Goalie und 14 Feldspielern

15 gegen 22 lautete die Ausgangsposition. Nur einen Goalie, vier Verteidiger und zehn Stürmer hatten die Gäste im Gepäck. Die namhaften sieben coronabedingten Ausfälle hießen: Kevin Maginot, Stefan Della Rovere, Matt Neal, Davis Koch, Marcus Götz, Brock Maschmeyer und Niklas Länger. In Summe waren das knapp 200 Scorerpunkte. Hinzu kamen die etatmäßigen Goalies Florian Mnich und Matthias Nemec. Immerhin: Verteidiger Jan Pavlu gab nach seiner Knie-Operation ein unerwartetes Comeback.

Und die Falken legten mit dem schnellsten Tor der Saison einen Blitzstart aufs gefrorene Nass. Vom Bully weg zog Justin Kirsch davon und verlud Gerald Kuhn mit einem Rückhand-Schuss zum 1:0. Sieben Sekunden waren gespielt. Die Gastgeber mussten sich erst einmal schütteln, fanden nicht zu den gewohnten Abläufen.

Eishockey-Mastermind Bill Stewart hatte die richtige Taktik vorgegeben

Die Falken setzten notgedrungen auf eine ultradefensive Spielweise, ließen die Huskies anrennen und setzten auf Konter. Die Taktik von Eishockey-Mastermind Bill Stewart ging glänzend auf, weil sich die Heilbronner in den Zweikämpfen behaupteten, höchst diszipliniert die Positionen hielten, die Huskies immer Richtung Bande abdrängten, zahllose Schüsse blockten und extrem gefährliche Nadelstiche setzten. Das frühe Führungstor war für diese Herangehensweise natürlich die ideale Basis.

Kassel versuchte das dichte Verteidigungsnetz der Gäste zunächst spielerisch aufzudröseln. Das ging soweit, dass Clarke Breitkreuz in der zehnten Minute sogar noch quer spielte, obwohl das Heilbronner Tor bereits einschussbereit leer stand.

Fast im Gegenzug erinnerte sich der wiedergenesene Pavlu an seine Vergangenheit als Stürmer, zog im vollen Tempo Richtung Tor, bekam im richtigen Moment das Zuspiel von Kirsch und es stand 2:0 für die Gäste (11.).

Kurz vor Drittelende durften die Gäste dann mal ihre neu zusammengesetzten Powerplayreihen ausprobieren. Die Scheibe lief dabei erstaunlich gut. Simon Thiel fasste sich schließlich ein Herz, schaute Kuhn aus und traf mit einem Handgelenkschuss zum 3:0 (19.). Einen 0:3-Rückstand in heimischer Halle hatte es in der gesamten Hauptrunde für Kassel nicht gegeben.

Sensationelle 4:0-Führung der Gäste nach zwei Dritteln

Nach einer sicher heftigen Kabinenpredigt waren fürs Mitteldrittel wilde Schlittenhunde zu erwarten. Doch mitnichten. Nach einem Fehler des gebürtigen Heilbronners Marco Müller hatte Lukas Ribarik viel Raum, setzte den mitgelaufenen Dylan Wruck in Szene und der Heilbronner Topscorer ließ Kuhn zum vierten Mal alt aussehen. Heilbronn führte nach 25 Minuten mit 4:0. Noch einmal in Worten: Vier zu Null.

Die erkennbar müder werdenden Falken verlegten sich in der Folge zunehmend darauf, Kassel vom eigenen Tor fernzuhalten. Konter wurden immer seltener. Dennoch hatte die Vier-Tore-Führung auch nach 40 Minuten Bestand.

Ein Dreifachschlag der Huskies innerhalb von 60 Sekunden zieht den Falken den Stecker

Auch in den letzten 20 Minuten fiel den Gastgebern zunächst wenig ein, um den eigenen spielerischen Knoten zu lösen. Doch dann war Michael Knaub ein Mal zu inkonsequent, brachte die Scheibe nicht aus dem Drittel. Eric Valentin legte ein super Solo hin und schloss perfekt ab. Das 1:4 (49.) war der Wendepunkt. In weniger als 60 Sekunden stand es schon 3:4. Joel Keussen zwang die Scheibe in der 52. Minute zum Ausgleich ins Netz. Die Falken waren stehend k.o. und hatten der Power der Huskies nichts mehr entgegenzusetzen. Ryon Moser und Lois Spitzner machten den Sieg des Favoriten perfekt.

Tor: Tiefensee;

Abwehr: Pavlu - Dziambor, Mapes - Philipp Preto;

Angriff: Kirsch - Wruck - Valenti, Gervais - Thiel - Nicholls, Knaub - Reisz - Ribarik, Calce.

Tore: 0:1 (1.) Kirsch, 0:2 (11.) Pavlu, 0:3 (19.) Thiel, 0:4 (25.) Wruck, 1:4 (49.) Valentin, 2:4 (49.) Granz, 3:4 (50.) Müller, 4:4 (52.) Keussen, 5:4 (55.) Moser, 6:4 (58.) Spitzner

Schiedsrichter: Fynn-Marek Falten, Georg-Rainer Köttstorfer

Strafminuten: 12/10.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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