Und wieder hat Kassel gegen die Falken das letzte Wort

Eishockey  Starke Heilbronner Falken holen beim 3:4 nach Penaltyschießen gegen den Ligaprimus immerhin einen Punkt. Florian Mnich war eine starker Rückhalt.

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Jubel im Lager der Heilbronner Falken: Justin Kirsch (links) glich in Überzahl noch im ersten Drittel zum 2:2 aus, nachdem die Falken den Kassel Huskies die Führung noch selber aufgelegt hatten.

Foto: Mario Berger

Mit acht Siegen in Folge im Gepäck waren die Kassel Huskies nach Heilbronn gekommen. Und viel hatte am Ende nicht gefehlt und der so souveräne Tabellenführer wäre am Freitagabend beim Schlusslicht gestolpert. Erst im Penaltyschießen sicherten sich die Gäste mit 4:3 (2:2, 1:1, 0:0) in diesem auf dem Papier ungleichen Duell den neunten Sieg in Folge, hatten wie schon beim 4:3 in Kassel das letzte Wort. Das Team von Bill Stewart lieferte aber eine reife Leistung ab, hatte in Keeper Florian Mnich einen überragenden Rückhalt.

Überlegene Falken geraten zu Beginn trotzdem in Rückstand

Woran man als der Tabellenletzte unweigerlich feststellen kann, dass man gegen den souveränen Primus spielt? Ganz einfach: Wenn man besser ist und trotzdem 0:2 zurückliegt. So erging es Falken in der Anfangsphase: Auf dem Eis war kein Unterschied festzustellen. Eher waren die Gastgeber besser und lieferten eine engagierte Performance ab.

Stewart hatte noch vor dem Spiel gesagt: "Kassel spielt mit uns in einer Liga, also können wir sie auch schlagen." Den Glauben ihres Trainers verkörperten auch seine Spieler, gaben erstmal den Ton an. Kassel musste auf der Hut sein, die Falken hatten unter dem neuen Trainer ihre alte Geschwindigkeit wiedergefunden, die sie im Vorjahr so stark gemacht hat. "Wir spielen jetzt schneller", hatte Stewart nach dem verlorenen Derby zusammengefasst. Das war nett anzuschauen, zumal sich erste Chancen ergaben. Bryce Gervais (1.) und Luigi Calce (3.) machten zu Beginn Alarm. Und auch eine frühe Unterzahl brachte die Falken nicht aus dem Tritt.

Es lief nach Plan - wäre da nicht die eine Aktion in der 13. Minute gewesen. Ein katastrophaler Pass von Neuzugang Niklas Länger genau auf die Kelle von Ryon Moser ließ dieser sich nicht nehmen, er traf aus kurzer Distanz zum 1:0. Ein Dämpfer. Und der zweite folgte sogleich, nur 17 Sekunden später. Die Falken waren noch nicht wieder sortiert, der Ärger noch nicht verraucht, da schlug Kassel wieder zu. Lois Spitzner traf zum 2:0 für die Gäste (14.).

Zwei schnelle Überzahltreffer sorgen für den Ausgleich

Das hatte wenig mit dem Verlauf zu tun. Doch Doppelschlag können auch die Falken, selbst wenn sie dafür eine Überzahl benötigen. Mit zwei Mann mehr auf dem Eis gelang Kevin Maginot in der 19. Minute der so wichtige Anschluss. Kompromisslos. Nur zwölf Sekunden reichten den Falken für diesen Treffer. Und es kam noch besser: Weil Justin Kirsch gegen seinen Ex-Verein in einfacher Überzahl das 2:2 nachlegte. Es war der verdiente Lohn für die gute Arbeit in diesem Abschnitt.

Aber das Problemdrittel stand ja erst bevor: In den drei Spielen bisher unter Stewart lief es im zweiten Abschnitt immer gegen die Falken, zumindest nie für sie. Das deutete sich auch diesmal an: Kassel hatte offenbar erkannt, dass sie die Punkte hier nicht einfach so im Vorbeigehen mitnehmen können. Der Tabellenerste schaltete einen Gang hoch, drängte die Falken zurück.

Della Rovere bringt sein Team gegen seinen Ex-Club in Führung

Doch die Gastgeber wehrten sich gut, arbeiteten famos zurück und ließen selbst in Unterzahl wieder nichts zu. Wobei sich dabei Florian Mnich in den Vordergrund spielte, der junge Keeper war ein starker Rückhalt, fischte selbst die dicksten Chancen raus. Das machte Mut und wieder in Überzahl gingen nun die Heilbronner in Führung. Eine Co-Produktion von Geburtstagskind Bryce Gervais und Stefan Della Rovere, nutzte der am Donnerstag 31 Jahre alt gewordene Della Rovere zum 3:2. Acht Sekunden nach dem Bully.

Ein bisschen stellte das den Spielverlauf zu diesem Zeitpunkt auf den Kopf: Denn Kassel war besser - und blieb auch danach besser. Der Treffer zum 3:3 war daher verdient, den Denis Shevyrin kurz vor der Drittelpause erzielte. Trotzdem: Ihre Reifeprüfung hatten die Falken in diesem Abschnitt bestanden. Gegen Kassel. Das zählt doppelt.

Der sechste Penalty bringt die Entscheidung für Kassel

Meisterhaft war gar, wie die Heilbronner zwei Minuten lang eine doppelte Unterzahl überstanden, Kassel fiel nicht viel ein - selbst nach einer Auszeit nicht. Und viel fehlte nicht - da hätten die Falken zum 4:3 getroffen, als sie gerade erst wieder vollzählig waren. Das Spiel war völlig offen. Und spannend. Selbst nach Verlängerung stand kein Gewinner fest. Mit dem sechsten Penalty traf Lukas Laub zum 4:3-Endstand.

Tor: Mnich, Tiefensee. Abwehr: Götz - Philipp Preto, Mapes - Maginot, Dziambor - Maschmeyer, Länger. Angriff: Gervais - Wruck - Valenti. Della Rovere - Koch - Nicholls, Kirsch - Neal - Thiel, Ribarik - Reisz - Calce. Tore: 0:1 (13.) Moser, 0:2 (14.) Spitzner, 1:2 Maginot (19.) 2:2 (20.) Kirsch, 3:2 (31.) Della Rovere, 3:3 (38.) Shevyrin Strafminuten: 12/8. Schiedsrichter: Thorsten Lajoie, Markus Schütz. Zuschauer: 0.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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