Streaming-Buchungen sind die neue Währung in der DEL2

Eishockey  Die SpradeTV-Übertragungen werden in der Pandemie zur wichtigsten Einnahmequelle der Clubs im deutschen Eishockey-Unterhaus. Den Topwert zum Ligastart der DEL2 gab es in Crimmitschau. Bei den Heilbronner Falken hält man sich mit einer Bewertung zurück.

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"Holz fressen", fordert Trainer Michel Zeiter von seinen Mannen um Yannik Valenti, damit es nicht ein zweites Null-Punkte-Wochenende gibt. Foto: Archiv/Schmerbeck

Es gibt eine neue Währung in der DEL2. Da keine Fans in den Hallen zugelassen sind, gewinnt die Zahl der SpradeTV-Zuschauer immens an Bedeutung. Sie ist zur wichtigsten Einnahmequelle der Clubs am Heimspieltag geworden. Die Zahlen vom ersten Wochenende sorgten an manch einem Standort für helle Begeisterung, an anderen für fast schon verzweifelt wirkende Appelle.

"Danke für eure Unterstützung! Ganze 1963 Buchungen hat es zum 1. Spieltag gegen den EV Landshut auf SpradeTV gegeben", freuten sich die Eispiraten Crimmitschau via Facebook. Ganz andere Töne kamen aus Bietigheim nach dem Heimspiel gegen Dresden am Dienstag.

Die Fanbeauftragten des Clubs appellierten an die Anhängerschaft: "Unterstützt die Steelers durch Buchen der Heimspiele auf SpradeTV. Leider sprechen die seitherigen Buchungen bei den Heimspielen der Steelers ein anderes Bild, und sind sehr enttäuschend." Konkrete Zahlen wurden hier nicht genannt.

Zu früh für eine Bewertung

Die nennt auch Frederic Keck nicht. Der Assistent der Geschäftsführung ist bei den Heilbronner Falken für die SpradeTV-Übertragungen verantwortlich. "Das Heimspiel gegen Bad Tölz lag - wie erwartet - über dem Durchschnitt der vergangenen Saison. Wir sind aber nicht ansatzweise im Bereich der Zahlen von Crimmitschau." Für eine Bewertung sei es aber noch zu früh. "Wir müssen mal ein paar Spiele abwarten, um ein klareres Bild zu bekommen", sagt Keck. Verzweifelte Fan-Appelle seien vorerst jedenfalls nicht geplant.

In der Vergangenheit waren die SpradeTV-Übertragungen in erster Linie ein Angebot an die Gästefans. "Das Verhältnis war etwa 70 Prozent Auswärts- und 30 Prozent Heimzuschauer", sagt Marcel Linke, Geschäftsführer von SpradeTV im Gespräch mit der Stimme. "Dieser Verhältnis verschiebt sich aktuell natürlich." Eine Auswertung der Zahlen vom ersten Wochenende liegt aber noch nicht vor. "Wir werden das Ende des Monats mal auswerten", kündigt Linke an.

Ein Grundsatz gelte aber weiterhin: "Die Größe der Fangemeinde ist ausschlaggebend für die Zahl der Buchungen." Die sehr guten Zahlen der Eispiraten Crimmitschau kamen nicht zuletzt durch die vielen Buchungen aus dem niederbayrischen Eishockey-Traditionsstandort Landshut zustande.

Preiserhöhung zugunsten des Heimclubs

Die Fans wurden auch nicht von der 52-prozentigen Preiserhöhung von 6,50 Euro auf 9,90 Euro pro Livestream abgeschreckt. Schließlich sollen die 3,40 Euro extra komplett dem jeweiligen Heimverein zugute kommen. "Wir haben uns in Richtung der Vereine gestreckt, verzichten in dieser Saison auch auf unsere Grundgebühren, damit rund 80 Prozent des Geldes bei den Clubs landet", erklärt Linke. Bei 1000 Zuschauern wären das also knapp 8000 Euro brutto. Das ist natürlich nicht mit 1000 Zuschauern in der Halle vergleichbar, dafür entstehen aber auch kaum Kosten.

Technisch gesehen kann die Plattform noch sehr viel mehr Zuschauer bewältigen. "Wir bieten mittlerweile durch die Oberligapartien am Spieltag 19 Übertragungen parallel an. Ob da 500 zuschauen, oder eine Million, ist kein Thema", sagt Linke. Lediglich die Support-Anfragen hätten deutlich zugenommen, da sich vermehrt Nutzer auf die Plattform wagen, die zu Hause nicht über das nötige technische Equipment verfügten, also eine gute WLAN-Verbindung und ein halbwegs neuwertiges Empfangsgerät.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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