Nachlässigkeiten könnten Falken die Playoffs kosten

Eishockey  Eigene Unzulänglichkeiten führten zur 3:6-Niederlage der Heilbronner Falken in Bad Nauheim. Am Montagabend empfängt das Team von Bill Stewart die Dresdner Eislöwen. Da geht es fast schon um alles.

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Trainer Bill Stewart (rechts mit Bryve Gervais) findet in Bad Nauheim auch kein Zaubermittel, um seinem Team zu einem Sieg zu verhelfen.

Foto: Archiv/Veigel

Nicht das erste Mal in dieser Saison haben die Falken nach starken Auftritten gegen Topteams bei einem vermeintlich schwächeren Gegner gepatzt. Gegen den zuvor sieben Mal in Serie sieglosen Tabellenletzten Bad Nauheim verloren die Heilbronner am Samstag trotz einer frühen 2:0-Führung noch verdient mit 3:6 (2:1, 1:3, 0:2).

Der Rückstand auf den letzten Playoffplatz ist dadurch wieder auf zehn Punkte angewachsen. Bei noch 15 ausstehenden Partien eine gewaltige Bürde. Dem Spiel gegen Tabellennachbar Dresden heute Abend (20 Uhr) kommt daher enorme Bedeutung zu.

Falken lassen gegen die Kellerkinder zu viele Punkte liegen

Die Eislöwen zählen wie Bad Nauheim zu den Teams aus dem unteren Tabellendrittel, gegen die die Falken noch gar keine Punkte eingefahren haben. Während die Bilanz gegen die Mannschaften aus dem Mittelfeld der DEL 2 playoffwürdig ist, lassen die Unterländer gegen die Kellerkinder bei identischer Bilanz letztlich zu viel liegen (siehe Grafik). Das ist einer der Gründe, warum sich die Heilbronner seit Saisonbeginn ebenfalls auf den unteren Rängen des Klassements befinden.

"Bad Nauheim war hungriger, hat die entscheidenden Zweikämpfe gewonnen und hatte auch den besseren Goalie", resümierte Trainer Bill Stewart die 22. Niederlage im 37. Saisonspiel.

Zum zweiten Mal unter seiner Ägide war das Team ganz ohne Punkt geblieben. Und zwar nicht wegen der einen oder anderen fragwürdigen Schiedsrichterentscheidung oder weil die Roten Teufel über das bessere Personal verfügten, sondern weil die Grundtugenden Laufbereitschaft, Kampfgeist und Disziplin der Falken nicht ausreichten.

Nachlässigkeiten könnten Falken die Playoffs kosten

Wie ein Spitzenteam angefangen und dann stark nachgelassen

Dabei ging es im Gegensatz zu den vorangegangenen Spielen perfekt los. Gnadenlos effektiv nutzten die Gäste ihre ersten beiden Chancen zu einer 2:0-Führung. Innerhalb von 21 Sekunden trafen Yannik Valenti und Davis Koch. So treten Spitzenteams auf. Doch die legen dann ein drittes Tor nach und brechen damit womöglich schon die Moral eines ohnehin zutiefst verunsicherten Gegners.

Nicht so die Falken - sie wurden nachlässig. Vor allem hinsichtlich der Zweikampfführung. Das schnelle 1:2 durch Ex-Falken Frédérik Cabana ließ die Roten Teufel sofort wieder auf die ersehnte Trendwende hoffen (10.).

Die Falken bekamen einfach keinen Gang mehr hochgeschaltet. Vor allem die namhaft besetzten Sturmreihen zwei und drei enttäuschten auf der ganzen Linie. Vor dem 2:2 waren es jedoch die offensivstarken Erste-Reihe-Stürmer Valenti und Dylan Wruck, die nicht in die entscheidenden Zweikämpfe gingen.

Vor dem 2:3 ließ sich Philipp Preto von Cason Hohmann an der Bande vernaschen statt seinen Körper reinzustellen. Beim 2:4 verlor Matt Neal den Zweikampf gegen James Arniel und Kevin Maginot träumte offenbar vor sich hin, während sich Christoph Körner alleingelassen im Slot die Ecke aussuchen durfte.

Brillantes Tor zum 3:4-Anschluss

Bill Stewart reagierte in bekannter Manier und nahm den an den Gegentoren schuldlosen Arno Tiefensee vom Eis. Die Nauheimer waren jetzt aber - starkgemacht von den Falken - wie im Rausch und drückten auf das 5:2. Dank eines brilliant gespielten Konters der ersten Sturmreihe blieben die Falken vor dem Schlussdrittel zumindest auf Tuchfühlung. Das 3:4 von Valenti war das wohl schönste Saisontor.

Was es nicht war: die Intitialzündung für die letzten 20 Minuten. Die beste Chance auf den Ausgleich resultierte aus einer Einzelaktion. Justin Kirsch traf in Unterzahl nur das Torgestänge. Vor dem entscheidenden 3:5 stürmten Stefan Della Rovere und Davis Koch nach einem Puckgewinn im eigenen Drittel trotz Unterzahl nach vorne, Arkadiusz Dziambor war zum langen Pass gezwungen. Den fing Kelsey Tessier ab, Körner verwertete den Abstauber.

Statt also die verbliebenen paar Sekunden der Strafe runterzuspielen und in den letzten knapp zwei Minuten nochmal alles nach vorne zu werfen, schenkten die Heilbronner Falken das Spiel - und die Punkte her. Nicht zum ersten Mal, aber vielleicht schon das eine Mal zu oft.

Tor: Tiefensee, Mnich; Abwehr: Götz - Philipp Preto, Maginot - Mapes, Maschmeyer - Dziambor, Länger; Angriff: Valenti - Wruck - Gervais, Della Rovere - Koch - Nicholls, Kirsch - Neal - Pierre Preto, Ribarik - Reisz - Thiel.

Tore: 0:1 (8.) Valenti, 0:2 (9.) Koch, 1:2 (10.) Cabana, 2:2 (24.) Körner, 3:2 (30.) Hohmann, 4:2 (36.) Körner, 4:3 (39.) Valenti, 5:3 (58.) Cabana, 6:3 (59.) Körner. Schiedsrichter: Fynn-Marek Falten, Seedo Janssen; Strafminuten: 6/14.

 

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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