Nach langer Ungewissheit: Dylan Wruck verlässt die Falken

Eishockey  Heilbronner Topscorer Dylan Wruck wechselt innerhalb der DEL 2 zu den Löwen Frankfurt. Der Vereinswechsel war der Wunsch des Spielers, der dort bessere Perspektiven für den Sprung in die DEL sieht.

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Dylan Wruck (roter Helm) war die zentrale Figur im Team der Heilbronner Falken. In 103 Spielen brachte es der 28-jährige Deutsch-Kanadier auf beeindruckende 172 Scorerpunkte. Künftig spielt er für die Löwen Frankfurt.

Foto: Archiv/Veigel

Jetzt geht er also doch noch. Der Heilbronner Topscorer Dylan Wruck verlässt die Falken in Richtung Ligakonkurrent Löwen Frankfurt. Wochenlang herrschte Schweigen im Bezug auf die Zukunft des wichtigsten Spieler des Teams, der zwar einen Vertrag für die nächste Saison besaß, allerdings mit einer Wechseloption in Richtung DEL. Die Frist für diese Option ist lange verstrichen. Die Hoffnungen in Heilbronn wuchsen, den Topmann der vergangenen beiden Spielzeiten zu halten.

Äußerst knapp gehaltene Pressemitteilung

Doch der Deutsch-Kanadier wollte weg. "Der Spieler ist auf uns zugekommen, mit dem Wunsch das Arbeitsverhältnis aufzulösen", bestätigte Falken-Geschäftsführer Stefan Rapp am Montag. DEL-Aufsteiger Bietigheim hatte offenbar Interesse, winkte aber schnell ab - zu teuer. DEL2-Krösus Frankfurt baggerte beharrlich. Und erhielt jetzt den Zuschlag. Wrucks Vertrag in Heilbronn wird aufgelöst. "In beiderseitigem Einvernehmen" wie es in der äußerst knappen Pressemitteilung des Clubs heißt. "Wir gehen im Guten auseinander", betonte Rapp.

In der Mitteilung heißt es jedoch weiter: "Wruck wird sich zukünftig den Löwen Frankfurt anschließen, um seine persönlichen Interessen weiter zu verfolgen". Daraus ist durchaus der Vorwurf eines Ego-Trips herauszuhören. Ein Führungsspieler lässt das Team im Stich. Einen Club, der ihm nach langer Verletzungsperiode und schwachen DEL-Spielzeiten wieder auf die Beine geholfen hat. Bei dem er in zwei Spielzeiten auf 103 Partien und 172 Scorerpunkte kam, in der Saison 2019/20 zum besten Spieler der Liga gekürt wurde. In dem er uneingeschränktes Aushängeschild und Top-Verdiener war. Rapp beschwichtigt: "Wrucks persönliches Ziel ist es, in der DEL zu spielen. Dafür sieht er in Frankfurt bessere Perspektiven, schließlich hat der Club sich ja für eine Lizenz beworben."

Offenbar gab es eine Ablöse für Wruck

Fraglos schmerzt der Abgang in sportlicher Hinsicht enorm. Doch einen wechselwilligen Spieler auf Teufel komm raus zu halten, wäre wohl keine Alternative gewesen. "Ein Vertrag muss von beiden Seiten mit 100 Prozent Energie und Enthusiasmus gelebt werden", betont Rapp. Durch die jetzt gefundene Lösung dürften die Falken zumindest eine erkleckliche Ablösesumme erhalten. Rapp erklärte darauf angesprochen lediglich, dass sich alle drei Parteien "geeinigt" hätten. Ob mit den Zusatzeinnahmen und durch das eingesparte Gehalt ein gleichwertiger Ersatz womöglich sogar mit deutschem Pass gefunden werden kann, erscheint dennoch fraglich. In jedem Fall wird nach einem Mittelstürmer für die erste Sturmreihe gefahndet. "Wir haben aber keinen Stress. Das kann auch erst im September oder Oktober erfolgen", sagt Rapp.

Kein böses Blut in Richtung der Löwen

Nach Pierre Preto und Kevin Maginot ist Wruck bereits der dritte Heilbronner Spieler der vergangenen Saison, der künftig im Jersey der Löwen aufs Eis gehen wird. Auch Maginot wurde trotz eines gültigen Vertrags abgeworben. Bereits 2019 hatten sich die Hessen mit Roope Ranta den damaligen Topscorer der Falken geangelt. Dennoch betont Rapp mit Blick auf die Löwen: "Frankfurt hat sich nicht unkollegial verhalten - im Gegenteil. Wir hatten sehr offene und konstruktive Gespräche mit den Verantwortlichen."

 


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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