Eishockey
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Heilbronner Falken: Monat voller Lust, Monat voller Frust

Die Heilbronner November-Falken sind ein Schatten der Oktober-Falken: Nur eines ihrer acht Spiele in diesem Monat haben die Falken gewonnen. Die Gründe dafür sind offensichtlich.

Stephan Sonntag
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Monat voller Lust, Monat voller Frust
Die Falken im Oktober: Ein jubelnder Karl Fabricius. Im November blieb der Schwede ohne eigenen Treffer. Foto: Veigel

Die Atmosphäre am Sonntagabend in der Heilbronner Eishalle war schon wieder gespenstisch. Beinahe so, wie während der Geisterspiele in der Vorsaison. Das lag aber nicht zuvorderst an der Minuskulisse, sondern am sportlichen Abwärtstrend seit Monatsbeginn. Sieben der acht DEL-2-Partien im November haben die Falken verloren.

Dass die Heilbronner trotzdem noch auf Rang fünf der Tabelle stehen und damit auf einem direkten Playoffplatz, liegt in erster Linie daran, dass sie die meisten Spiele absolviert haben. Vom Punkteschnitt her wäre das Team von Trainer Jason Morgan lediglich Neunter. Vom nicht goldenen, doch zumindest bronzefarbenen Oktober zum düsteren November - was läuft schief beim Eishockey-Zweitligisten?

Der Schnitt an erzielten Toren ist von 3,81 auf 2,4 deutlich gesunken

Verlorene Offensiv-Power: Satte 42 Treffer erzielten die Falken im Monat Oktober. Von der "fire power" - der Feuerkraft, wie sie Trainer Jason Morgan zu Saisonbeginn gerne nannte - ist im November fast nichts geblieben. Gerade 19 Treffer gelangen in den acht Partien des Monats. Der Schnitt sank von 3,81 auf 2,4. Selbst die torgeizigen Selber Wölfe erzielen im Schnitt 2,61 Treffer pro Spiel.

Schwache Special Teams: Es ist eine Binsenweisheit, dass die Über- und Unterzahlformationen im modernen Eishockey über Sieg oder Niederlage entscheiden. Insofern verwundert es, dass die Falken im November überhaupt Punkte geholt haben.

Eine wesentliche Ursache für die Torflaute ist im Überzahlspiel zu verorten. Das Powerplay war im Monat Oktober eine echte Waffe. Mit 27,5 Prozent Erfolgsquote waren die Falken Liga-Spitze. Jeder vierte Treffer fiel mit einem Mann mehr auf dem Eis.

Die Powerplay-Quote der Falken ist inzwischen unterirdisch

Monat voller Lust, Monat voller Frust
Die Falken im November: Judd Blackwater wird umgestoßen. Die Falken gewannen nur eines ihrer acht Spiele. Foto: Berger

Im gesamten November gelang nur noch ein mickriges Tor in Überzahl - bei 25 Gelegenheiten. Das entspricht einer unterirdischen Quote von vier (!) Prozent. Selbst das U17-Team des HEC hätte vermutlich diesen einen Treffer zu Stande gebracht.

Im Training wird beständig daran gearbeitet, eine erkennbare Verbesserung hat es nicht gegeben. Morgan betont immer wieder, dass es nicht an der Qualität fehlt, sondern an der richtigen Mentalität. Zu oft würden seine Spieler das Tor erzwingen wollen, zu früh abschließen, statt geduldig die Überzahl auszuspielen.

Es fehlt aber auch an Varianten. Die Gegner wissen genau, wer die Zielspieler in den Formationen sind und wann sie wo in Position gebracht werden sollen. Es mangelt an Überraschungsmomenten. Zudem unterlaufen zu viele einfache Fehler.

Auf der anderen Seite der Special-Teams-Medaille sieht es nicht viel besser aus. Im Oktober killten die Falken solide 83,3 Prozent der gegnerischen Überzahlgelegenheiten. In sieben der elf Spiele lag die Quote sogar bei 100 Prozent. Im November sank sie auf 65 Prozent. In der DEL 2 ist nur Kaufbeuren noch schlechter. Darüber hinaus sind die Falken eines von drei Teams in der Liga, denen noch kein Treffer in Unterzahl gelungen ist.

Heilbronn schießt oft aufs Tor - braucht aber 16,5 Schüsse für einen Treffer

Mangelnde Effektivität: Die Falken sind ein schussfreudiges Team. Mehr als 37 Mal pro Spiel fliegt der Puck Richtung gegnerisches Tor, nur Ravenburg ballert noch mehr. Die Zahl der Schüsse ist im November im Vergleich zum Vormonat sogar noch gesteigert worden.

Doch war die Effektivität schon im Oktober mit 9,65 Schüssen pro Treffer eher mittelmäßig, ist sie im November mit 16,5 Schüssen pro Tor desolat geworden. Inzwischen sind die Falken das offensiv ineffektivste Team der Liga. Nur mal zum Vergleich: Tabellenführer Bad Nauheim braucht gerade einmal acht Schüsse für ein Tor.

Die hochgelobte Offensive muss ihre Stärken wieder aufs Eis bringen

Fazit: Dem Spiel der Falken fehlt es an Struktur. Vieles wirkt statisch, erzwungen, es wird wild aufs Tor geschossen, statt klare Chancen herauszuspielen. Obwohl mit Kapitän Christopher Fischer die Defensiv-Führungskraft seit Ende Oktober verletzungsbedingt fehlt und die jungen Goalies viel gescholten werden, sind die November-Falken im Vergleich zum Vormonat nahezu stabil geblieben. Die hochgelobte Offensivabteilung ist es, die im Dezember ihre Stärke auf dem Papier wieder aufs Eis bringen muss.

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