Heilbronner Falken: Mit voller Offensivkraft voraus

Eishockey  Heilbronner Falken haben sich zur neuen Saison vor allem im Angriff verstärkt. Die wichtigsten Fragen und Antworten vor dem Saisonstart.

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Karl Fabricius ist einer von mehreren hochkarätigen Neuzugängen der Falken: Der Schwede hat seine Qualitäten in der Vorbereitung bereits angedeutet.

Foto: Marc Schmerbeck

Die Zeit des Wartens ist vorbei: Mit dem Heimspiel an diesem Freitag (20 Uhr/SpradeTV) gegen Crimmitschau starten die Heilbronner Falken in die neue DEL-2-Saison. Vieles hat sich verändert. Ein Überblick:

 

Wie lief die Vorbereitung?

Drei Siege aus vier Spielen: Von den Ergebnissen her war das schon gut. Lediglich die Heimpremiere gegen Ravensburg ging in die Hose. Es hatte aber auch was Gutes: "Es war ein Hallo-wach-Effekt", sagt Co-Trainer Christoph Schubert. Im Rückspiel zwei Tage später in Ravensburg habe das Team dann Charakter gezeigt - und im Penaltyschießen gewonnen. Und bei der Generalprobe beim 7:2 gegen Kaufbeuren habe das Team 60 Minuten lang Gas gegeben. "Da haben die Jungs gezeigt, was in ihnen steckt."

 

Waren vier Testspiele vor dem Hintergrund, dass der Umbruch in dieser Saison größer ist, nicht zu wenig?

Nein, findet Schubert. "Wir konnten trotzdem an vielem arbeiten", sagt der Co-Trainer. Auch, weil sich das Team als sehr lernfähig erwiesen, Dinge im Training schnell umgesetzt, Fehler abgestellt habe. "Angesichts des Minikaders müssen wir froh sein, dass es nicht mehr Spiele waren." Denn die Förderlizenzspieler haben größtenteils komplett gefehlt, vor allem in der Defensive war das Personal knapp, nur vier Verteidiger waren die ganze Vorbereitung über da. Komplett eingespielt ist das Team daher vermutlich nicht.

 

Wie machen sich die Neuzugänge?

Sehr gut. Von Beginn an war zu sehen, dass alle echte Verstärkungen sind. Sie bringen unheimliche Qualität mit - vor allem die Offensive der Falken ist exzellent besetzt. Auch in der Defensive haben die Falken mit dem Königstransfer Christopher Fischer, der wie Jeremy Williams aus der DEL kam, an Qualität zugelegt. "Wir haben eine richtig gute Truppe", sagt Schubert.

 

Was ist die größte Stärke der neuen Falken?

Die "fire power", wie es Trainer Jason Morgan gerne sagt. Die Offensivkraft. "Wir haben vier brutale Reihen", ist auch Schubert vom Falken-Angriff angetan. "Wir müssen uns vor niemandem verstecken." Auch die Defensive, auf die vorrangig Schubert ein Auge hat, habe brutal gearbeitet. "Die Jungs haben viel aufgenommen und umgesetzt", sagt der Co-Trainer. Ein weiteres Plus: der Teamgeist. Die Mannschaft hat schnell zusammengefunden, ist eine Einheit. "Die Chemie stimmt und die Stimmung ist super", sagt Kapitän Fischer.

 

Wo lauern Schwachstellen?

Mit den sehr jungen Keepern Arno Tiefensee, Florian Mnich und Luca Ganz in die Saison zu gehen, halten Beobachter für gewagt - Schubert überhaupt nicht. "Diese Jungs sind alle hoch talentiert." Um Erfahrung zu sammeln und Sicherheit zu kriegen, müssten sie aber auch spielen. Viel spielen. Schubert hält den Weg mit jungen Keepern für richtig. "Wir ziehen das durch, was man in Heilbronn in der letzten Saison angefangen hat." Eine klare Nummer eins gibt es bisher noch nicht.

Sofern er aber nicht wieder in Mannheim gebraucht wird, dürfte Mnich die Nase vorne haben. "Wir können aber alle drei jederzeit reinschmeißen." Eine andere Gefahr birgt die enorme individuelle Klasse in der Offensive: Sollten die Spieler sich allein auf ihre Fähigkeiten verlassen und meinen, es läuft von alleine, kann das schnell nach hinten losgehen.

 

Für welchen Spielstil steht Trainer Jason Morgan?

Es gilt: Defense first. Auch in dieser Hinsicht war die misslungene Heimpremiere gegen Ravensburg durchaus heilsam. Darüber wurde viel gesprochen im Team. "Wir haben gesehen: So können wir nicht auftreten", sagt auch Kapitän Fischer. Seit dem, findet Schubert, machen alle den einen Extra-Schritt für die defensive Stabilität. Und der Co-Trainer ist sicher: "Die haben inhaliert, was wir Trainer umgesetzt haben wollen." Der Plan von Morgan sieht vor, in der Defensive gleich am Gegner zu sein, die Scheibe schnell zu erobern - und gleich nach vorne zu spielen. "Dann haben unsere Stürmer mehr Zeit", sagt er. Entscheidend wird am Ende die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive sein. Die zu finden, sei aber ein Prozess, sagt Schubert. "Das geht nicht in vier und auch nicht in acht Spielen. Es geht über die ganze Saison."

 

Welches Ziel peilen die Falken an?

Top vier. Halbfinale. Kapitän Christopher Fischer hat da kein Blatt vor den Mund genommen. Sofern die Falken ihre vielen PS aufs Eis bekommen, ist das möglich. Aber: Es gibt in der DEL 2 fast keine Kleinen mehr.

 

Wie steht es um die Kooperation?

Die Absicht war, die weiter zu intensivieren - das haben Falken und Adler umgesetzt. Bei der Suche nach dem neuen Trainer und neuen Spielern haben die Heilbronner auf das Mannheimer Netzwerk zurückgegriffen, was ein Vorteil ist. Weil die Förderlizenzspieler auf der Gehaltsliste der Adler stehen, haben die Falken zudem mehr Geld für ihre Top-reihen ausgeben können. Auf der anderen Seite sind die jungen Spieler schnell in Mannheim gefragt, wenn dort Spieler ausfallen - der Nachteil war in der Vorbereitung bereits zu sehen.

 

Höchste Konzentration auf das eigene Spiel  

Zum Auftakt gegen Crimmitschau erwarten die Heilbronner Falken ein hart umkämpftes Spiel. 60 Minuten höchste Konzentration seien gegen einen unangenehmen Gegner gefordert, sagt Co-Trainer Christoph Schubert. Zwar schaue man sich im Vorfeld immer an, was der Gegner Spezielles macht, aber die Konzentration liege auf dem eigenen Spiel. "Wir wissen was wir können. Aber wir wissen auch, dass wir nichts geschenkt bekommen", sagt er. Gut, dass neben Philipp Preto auch Simon Thiel und Luca Tosto wieder mit dabei sind. Am Sonntag, 18.30 Uhr, müssen die Falken nach Ravensburg. 

 


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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