Michael Knaub wandelt auf schmalem Grat

Eishockey  Für sein leidenschaftliches Spiel ist der Falken-Stürmer einst ausgezeichnet worden. Seit seinem rüden Foul im Derby wird der 26-Jährige angefeindet. Öffentlich erklären darf sich Knaub nicht.

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Seinen 26. Geburtstag wird Michael Knaub so schnell nicht vergessen: Statt zum Helden wurde er im Derby zum Buhmann. Dabei wurde der Stürmer im Vorjahr noch zum Fan-Spieler des Jahres gekürt.

Foto: Andreas Veigel

Geburtstage sind in Zeiten von Kontaktbeschränkungen keine Feiertage: Gäste sind größtenteils tabu, die Schar der persönlichen Gratulanten überschaubar. Insofern hatte Michael Knaub noch Glück, er durfte seinen 26. Geburtstag am Dienstag mit seiner sportlichen Familie begehen: Auf dem Programm der Heilbronner Falken stand statt des üblichen Trainings sogar ein Spiel an, ein besonderes zudem: das Derby in Bietigheim.

Ein Feiertag für Clubs, Spieler und Fans. Virtuelle Gratulanten wünschten dem Stürmer das Beste und ganz uneigennützig noch den Siegtreffer für den Abend.

Die Voraussetzungen für einen gelungen Abend in netter Runde waren famos. Doch der Geburtstag des Michael Knaub nahm eine ungute Wendung. Seine Feier versaute sich der 26-Jährige höchst selbst: Nach einem groben Foul an Robin Just wurde er von der Partie ausgeschlossen, als es gerade lustig werden sollte.

Es war der Wendepunkt. Denn ihre fünfminütige Überzahl nutzten die Gastgeber, drehten das Derby in ihre Richtung. Die Party damit: gecrasht.

"Dumme Aktion" befand Trainer Bill Stewart

Bill Stewart nahm Knaub zwar in Schutz: Er habe das Richtige tun wollen, meinte der Trainer hinterher. Aber auch er kam zum Urteil, dass das "eine dumme Aktion" war. "Du musst mit Kopf spielen, deinen Körper und Stock kontrollieren." Stewart sagte, dass Knaub am Abend der Traurigste von allen gewesen sei.

Der Spieler selber durfte auch in den Tagen danach nichts sagen: Die Falken lehnten eine Interviewanfrage ab und wollten sich auch selber nicht äußern. Stewart hoffte am Dienstag aber noch, dass Knaub daraus lernt. Zeit zum Nachdenken hat er: Der Disziplinarausschuss der DEL 2 hielt es für angemessen, ihn für fünf Spiele zu sperren. "Michael Knaub hat zum wiederholten Male einen Gegenspieler rücksichtslos verletzt bzw. deren Gesundheit gefährdet", heißt es.

Einige Fans würden Knaub gerne vom Hof jagen

Ein Denkzettel, sicher. Aber auch schwierig für Knaub: Für seine emotionale Spielweise wurde er 2020 in seinem ersten Jahr in der Liga zum Fan-Spieler gewählt. Mehr als 7000 Stimmen entfielen auf den Stürmer der Falken, der auf der anderen Seite 151 Strafminuten kassierte. In 26 Spielen. Aktuell sind es 82 in 25 Spielen. Deutlich humanere Werte, aber für viele keine Besserung. Michael Knaub wurde in den letzten Tagen in Foren angefeindet, auch von den eigenen Fans. Viele würden ihn gerne vom Hof jagen. So wie es der Verein mit Tim Miller getan hat.

Das ist unwahrscheinlich. Am Sonntag erst lobte Manager Stefan Rapp Knaub für dessen Disziplin - dabei hatte er sich eine wüste Keilerei mit Brad Ross geliefert und vier Strafminuten kassiert. Eine gewisse Härte ist gern gesehen.

Ungewöhnlich groß für einen Eishockeyspieler

Stewart schätzt Knaub als einen, für den das Team zuerst kommt. Der Coach forciert ein schnelles, hartes Spiel. Wie gemacht für Knaub, der indes auf einem schmalen Grat wandelt. Mit 1,95 Metern und 102 Kilo ist sein Körper per se eine Waffe. Das wusste schon Vorjahres-Trainer Alexander Mellitzer. "Er muss lernen, seinen Körper richtig einzusetzen", sagte der. Denn Knaub ist im wahren Leben alles andere als ein Grobian. Vielmehr einer, dem man einen schönen Geburtstag wünscht.

Binnen fünf Tagen zwei Mal gegen Kassel

Nach dem Derby werden die Aufgaben nicht leichter für Heilbronn: Die Falken erwarten sowohl diesen Freitag als auch am Dienstag (jeweils 20 Uhr) Ligaprimus Kassel Huskies am Europaplatz. Zwischendurch geht es am Sonntag (17 Uhr) zum immer noch amtierenden Meister Ravensburg. Dicke Bretter für den Tabellenletzten.

Die Huskies dominieren die Liga fast nach Belieben, führen die Tabelle mit 15 Punkten Vorsprung an, und haben mitunter noch weniger Spiele absolviert als ihre direkte Konkurrenz. Ein Duell, in dem sich die Falken besser erst gar nichts ausrechnen sollten? "Blödsinn", sagt Trainer Bill Stewart. "Ich rechne mir natürlich was aus. Die spielen doch in derselben Liga, oder? Dann können wir sie auch schlagen", ist der Kanadier überzeugt. Selbst das verlorene Derby in Bietigheim sei für ihn ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. "Wir waren im fünf gegen fünf das bessere Team. Ich sehe eine Entwicklung", sagte Stewart.

Diese Entwicklung sollen die Falken auch gegen den Tabellenführer fortsetzen. Vorausgesetzt, sie schärfen ihre Sinne über die gesamten 60 Minuten. "Bisher haben wir im zweiten Drittel immer den Fokus verloren", fasst Stewart die drei Spiele unter ihm zusammen. Gegen Kassel ist das nicht drin. Dabei helfen soll Yannick Valenti, er kehrt für dieses Wochenende aus Mannheim zurück. Für Keeper Matthias Nemec, der am Donnerstag wieder auf dem Eis stand, kommt das Spiel zu früh. 


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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