Maximal frustrierendes Erlebnis für die Falken

Eishockey  Obwohl erwartet, schmerzt die späte 4:6-Niederlage in Kassel im Spiel eins der Meisterrunde gewaltig. Die personelle Ausgangslage der Falken bessert sich für das Playoff-Heimspiel am Samstag kaum.

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Bis zur 49. Minute blieben die Falken in Kassel standhaft, doch mit dem Treffer zum 1:4 verloren Aron Reisz (re.) und sein Team den Halt und schlitterten in eine 4:6-Niederlage. Foto: imago images/Peter Hartenfelser

Der Schock war groß bei den Fans, als die Aufstellung der Heilbronner Falken am Donnerstagabend bekannt war. Eineinhalb Stunden vor dem Start in die erste Playoff-Partie bei den Kassel Huskies offenbarte sich das ganze Ausmaß der Corona-Fälle der Unterländer, über das der DEL-2-Verein in den Tagen zuvor ein Geheimnis gemacht hatte.

Ohne elf würden sie antreten. Mit nur einem Torhüter. Vier Verteidigern, von denen zwei erfahren sind, von denen wiederum einer nach einer längeren Verletzung zum ersten Mal seit Wochen wieder auf dem Eis stand. Eine Farce, schrieb ein Fan in den Sozialen Medien. Da könnten die Falken ja gleich mit der weißen Fahne in der Hand auflaufen.

15 Gladiatoren, 15 Kämpfer mit Herz

Flaggen hatte das Team von Trainer Bill Stewart nicht dabei, aber die Falken hissten hinter der Bank weiße Trikots: Zehn an der Zahl. Aber nicht als Zeichen der Aufgabe. Viel-mehr als Erinnerung an jene Spieler, die an diesem Abend so schmerzlich fehlten. Auch für sie spielte der Rest. 15 Gladiatoren, Kämpfer mit Herz. Ein Team - ein Ziel:

"Dieses Thema ist im Team in unserer aktuellen Situation nochmal mehr zum Tragen gekommen", sagt Falken-Geschäftsführer Stefan Rapp. Es spielen aber nicht nur die auf dem Eis für die anderen mit. "Sondern die, die nicht dabei sein können, unterstützen die, die spielen." Sie motivieren virtuell, sprechen Mut zu.

Sie müssen nun auch mithelfen, die Teamkollegen aufzubauen nach einem schon denkwürdigen Abend, der ganz anders verlief, als nicht nur die Falken-Fans erwartet hatten. "Mit diesem Kader gegen die beste Mannschaft der Liga anzutreten: Da rechnest du dir, bei aller positiven Motivation, nicht viel aus", gibt Rapp zu. Nur kein Schützenfest, bitte.

Und dann steht es nach sieben Sekunden 1:0 für die Falken. Nach 20 Minuten 3:0, nach 40 Minuten gar 4:0. Da waren viele, da waren eigentlich alle baff. "Im Spiel hat sich dann die Erwartungshaltung geändert", beschreibt Rapp. Plötzlich war für Heilbronn was möglich. Ein Sieg, damit die Führung in dieser so ungleichen Serie.

Kassel fiel einfach nichts ein, es war, als hätten die Falken mit jedem ihrer Treffer mehr Zweifel bei den Huskies gesät. Es deutete wenig darauf hin, dass der Ligaprimus sich von dieser Last würde befreien können. "Eine super Mannschaftsleistung. Das war grandios bis zur 49. Minute", sagt Rapp.

Der gesperrte Pierre Preto kehrt zurück

Da brach alles in sich zusammen. Das 1:4, eine feine Einzelleistung, fiel zwar spät - aber zu früh für die kräftemäßig extremst strapazierten Falken. Die Gastgeber trafen drei Mal binnen 50 Sekunden, legten in der Folge drei Treffer zum 6:4-Endstand nach. Bitter. Maximal frustrierend, sagt Rapp. "Mit der Leistung hätte sich die Mannschaft einen Sieg verdient gehabt."

Statt obenauf, sind die Falken nun weit unten. tiefstes Tal. "Es wird schwierig, die Mannschaft als Ganzes da wieder herauszuholen", sagt Rapp. Schwierig auch deshalb, weil sich die Ausgangslage für das zweite Duell diesen Samstag in Heilbronn (17 Uhr) nur geringfügig verändert.

Mit Pierre Preto kehrt immerhin ein Stürmer zurück ins Team: Der 22-Jährige, der schon im Dezember von einer Covid-Erkrankung betroffen war, fehlte in Kassel aufgrund einer Sperre, die er im Hauptrunden-Spiel gegen die Bietigheim Steelers kassiert hatte. Doch die riesige Not der Falken lindert dieser eine Mann mehr natürlich kaum.

Kein Kaltstart von Ian Brady

Zumal dieses Team, das zu großen Teilen seit zwei Jahren zusammen ist, ein negatives Déjà-vu erlebt. Im Vorjahr waren die Playoffs gleich ganz abgesagt worden. "Ein erster Nackenschlag", findet Rapp. Und diesmal "haben wir die Qualität nicht zur Verfügung, um erfolgreich zu sein."

Abgesehen von Preto besteht für das zweite Duell wenig Hoffnung auf weitere Rückkehrer. Und Ian Brady, der nach einer Kopfverletzung noch kein Spiel bestritten hat, werden die Falken sicher nicht aus dem Stand in ein Playoff-Spiel werfen. Der Amerikaner wird weiter von außerhalb unterstützen, wie so viele andere. Richten muss es der Rest. Und der denkt nicht ansatzweise daran, schon jetzt die weiße Flagge zu hissen.

 


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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