Keine DEL-2-Lizenz für die Bietigheim Steelers

Eishockey  Der Heilbronner Lokalrivale erhält keine Spielberechtigung für die Saison 20/21. Grund sind zu hohe Altlasten. Der Club will Einspruch gegen die Entscheidung vor dem DEL-2-Schiedsgericht einlegen.

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Bei Derbys ist es keine Seltenheit, dass es zu Auseinandersetzungen auf dem Eis kommt. Foto: Berger

Punkt 11 Uhr am Mittwoch ging ein Erdbeben durch die Eishockeywelt der zweithöchsten deutschen Liga. Die Bietigheim Steelers erhalten als einziger DEL-2-Club keine Lizenz für die kommende Saison. Selbst Insider wurden von dieser Entscheidung des DEL-2-Aufsichtsrates überrascht. Ausgerechnet der Falken-Erzrivale, der erfolgreichste Club der jüngeren Vergangenheit, der Ende Mai sogar die Bürgschaft für eine DEL-Lizenz hinterlegt hat, erhält nun keine Spielberechtigung für die zweite Liga? Kopfschütteln allenthalben.

„Für uns wäre es ein Desaster. Wir hoffen, dass es noch eine Möglichkeit gibt, dass die Steelers in der DEL2 bleiben können“, sagt Falken-Geschäftsführer Stefan Rapp.

Kritik an der Entscheidung

Die offizielle Mitteilung der DEL2 liest sich jedoch endgültig: „Die Lizenz für die Bietigheim Steelers musste durch den Aufsichtsrat mit einstimmigem Beschluss verweigert werden. Die gemäß Lizenzordnung geforderte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit konnte bis zum Abschluss und innerhalb der vorgegeben Fristen des Lizenzprüfungsverfahrens durch den Club nicht nachgewiesen werden.“

Um 12.34 Uhr folgte eine offizielle Stellungnahme der Bietigheim Steelers. Aufsichtsratsvorsitzender Gerhard Kaufmann und Geschäftsführer Volker Schoch verweisen darin auf die außergewöhnlichen Umstände durch die Corona-Krise und kritisieren die Entscheidung: „Wir haben absolut kein Verständnis dafür, dass der Aufsichtsrat der DEL2 in einer so außergewöhnlichen Situation nach rein formalen Kriterien entscheidet.“

Laut den Steelers sind die hohen Verbindlichkeiten des Clubs der Grund für die Lizenzverweigerung. „Es sind die Altlasten, die uns belasten, diese stehen aktuell bei 650.000 Euro“, heißt es in der Mitteilung. Es waren wohl schon mal 1,3 Millionen. Schon in den Vorjahren hatten die Steelers daher die Lizenz nur mit Auflagen erhalten. Jahr für Jahr mussten 150.000 Euro dieser Altlasten getilgt werden. Nun sei dem Club aber am 24. Juni auferlegt worden, 200.000 Euro neues Kapital zu erbringen.

„In Corona-Zeiten“ sei das „eine große Herausforderung gewesen“, heißt es in der Clubmitteilung. Ein großes Bietigheimer Unternehmen habe aber seine Unterstützung bekundet und werde in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am 7. Juli darüber entscheiden. Bis zu diesem Tag hätten die Steelers also gerne einen weiteren Aufschub erhalten. „Das gibt die Lizenzordnung nicht her. Irgendwann sind alle Fristen ausgereizt“, betont DEL-2-Geschäftsführer René Rudorisch. Aus seiner Sicht haben die Steelers ein „Überschuldungsproblem“ und dadurch bestehe eine latente „Insolvenzgefahr“.

Steelers wollen Schiedsgericht anrufen

Steelers-Geschäftsführer Schoch bestreitet das. „Die Saison ist aus unserer Sicht nicht gefährdet. Wir sind in der Lage, die DEL-2-Runde zu spielen“, sagte er der „Bietigheimer Zeitung“. Die Steelers kündigten bereits an, gegen die Lizenzverweigerung das DEL-Schiedsgericht anzurufen. Dafür hat der Club eine Woche Zeit.

„Dort wird eine inhaltliche und juristische Prüfung der Entscheidung vorgenommen“, erklärt Rudorisch, dem mitnichten an einem Ausschluss der Steelers gelegen ist: „Wir wollen mit 14 Teams in die Saison gehen.“ Sollte das Gericht die Entscheidung jedoch bestätigen, müsste die Saison entweder mit nur 13 Clubs bestritten werden, oder ein Oberligist schafft es in kürzester Zeit, eine DEL-2-Lizenzierung auf die Beine zu stellen. „Eine entsprechende Anfrage würden wir auf jeden Fall stellen“, sagt Rudorisch.


Kommentar von Stephan Sonntag: Treppenwitz

Ende Mai tönte Bietigheims Geschäftsführer Volker Schoch mit Blick auf die neue Saison noch: „Es geht nach 14 Jahren nicht mehr um die goldene Ananas, sondern um den sportlichen Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse.“ Denn nach einem jahrelangen Tauziehen mit der DEL gibt es am Ende der kommenden Zweitliga-Saison wieder einen sportlichen Aufsteiger. 813.000 Euro hatte ein namentlich nicht genannter Gönner als Bürgschaft hinterlegt, um den Steelers diesen lange gehegten Traum im Fall der Meisterschaft zu erfüllen.

Und nun scheitert der Club am kleinen Einmaleins und erhält keine DEL-2-Lizenz. Ein Treppenwitz. Allerdings ein schlechter – nicht nur für die Steelers. In der DEL werden sich alle bestätigt sehen, die ohnehin schon immer gegen eine Auf- und Abstiegsregelung waren. Jetzt fällt ausgerechnet einer von nur drei Clubs mit Aufstiegsambitionen durchs selbst gesteckte Raster.

Denn entgegen der Verlautbarungen der Steelers sind die Richtlinien für die Lizenzordnung ja nicht vom Himmel gefallen, oder von ahnungslosen Technokraten entwickelt worden, sondern von allen 14 DEL-2-Clubs gemeinsam beschlossen worden. 13 haben sich daran gehalten und trotz Corona-Krise die Auflagen erfüllt. Einer hingegen hat in selbstherrlicher Manier an eine Extrawurst geglaubt und muss nun die Konsequenzen tragen.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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