Kein Schönheitspreis für die Falken, aber drei Punkte

Eishockey  Die Heilbronner Falken gewinnen ein wichtiges Duell gegen den Tabellennachbarn Dresden mit 3:1. Mit dem hart erkämpften Sieg wahrt das Team seine Chancen auf die Playoffteilnahme.

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So hübsch wie in dieser Szene war das Spiel zwischen den Falken und den Eislöwen selten anzuschauen. Die Aktion von Hochspringer Bryce Gervais hätte einen Treffer verdient gehabt, doch die Scheibe ging am Tor vorbei.

Foto: Andreas Veigel

Hätten am Montagabend Fans in die Heilbronner Eishalle gedurft. Sie wären nicht himmelhochjauchzend auf den Tribünen herumgesprungen. Es war Eishockey-Magerkost, was die Falken und die Dresdner Eislöwen boten. Unterm Strich war es den Gastgebern egal. Dank eines hart erkämpften 3:1 (0:1, 1:0, 2:0) zogen die Heilbronner in der Tabelle an den Gästen vorbei und wahren damit ihre Chance auf die Playoffteilnahme.

Erstmals seit Ende November stand überraschend mal wieder Louis Brune im Kader der Falken. Der zuletzt in Mannheim in der DEL eingesetzte 20-Jährige rückte auf die Centerposition in der zweiten Reihe. Im Tor durfte dieses Mal Florian Mnich beginnen.

Ganz schwaches Eishockey im ersten Drittel

Über das erste Drittel sollten nicht viele Worte verloren werden. Es war unterirdisches Eishockey, was beide Teams der zahlenden Kundschaft zu Hause boten. Kaum ein Pass fand den Mitspieler, viele technische Fehler hemmten zusätzlich jeden Spielfluss. Es war ein wildes, chaotisches Hin und Her.

Nach einer Viertelstunde rannte ein Dresdner Verteidiger Hauptschiedsrichter Erich Singaitis über den Haufen. Nach kurzem Durchschnaufen konnte der 41-Jährige, der als Spieler mal eine Saison das Trikot der Eisbären Heilbronn trug, weitermachen.

Und sonst? Ach ja - es fiel sogar ein Tor. Für Dresden. Einen Schuss von Louis Trattner ließ Florian Mnich in die Mitte prallen, wo Verteidiger Lucas Flade abstaubte (17. Minute).

Mit einer Rest-Überzahl von 90 Sekunden gingen die Falken ins Mitteldrittel. Und siehe da - die Gastgeber fanden schnell die Aufstellung. Und der Klassiker funktionierte: Yannik Valenti traf mit einer Direktabnahme zum 1:1-Ausgleich (22.). Drei Minuten später hätte Bryce Gervais sein Team um Haaresbreite in Führung gebracht. Doch sein Schuss wurde vom Torgestänge gestoppt.

Dylan Wruck trifft, doch das Tor zählt nicht

Nach so viel Aufregung fuhren beide Teams erst einmal einen Gang zurück. Das Spielgeschehen glich wieder den ersten 20 Minuten. Konfuses Holzhacker-Eishockey.

Da blieb dann Zeit mal den Blick über die Haupttribüne schweifen zu lassen. Und wen findet man da: Heilbronns und Dresdens Ex-Trainer Rico Rossi. Der 55-Jährige hat sich zuletzt schon mehrere Spiele der Falken angeschaut. Trainerkandidat für die kommende Saison sei er aber keiner - und lacht. Dann muss es sein innig geliebter Rotwein sein, der ihn in die Eishalle getrieben hat. Das Spiel ist es jedenfalls nicht.

Ach ja - die Falken erzielten kurz vor Drittelende wieder in Überzahl vermeintlich die 2:1-Führung. Nur vermeintlich, weil das Tor von Dylan Wruck dem Videobeweis nicht standhielt. Eislöwen-Goalie Riku Helenius war vom herumliegenden Valenti behindert worden.

Josh Nicholls hätte in der Schlussminute das Versäumte nachholen können. Doch frei vor Helenius fiel dem Kanadier nichts ein, wie er die Scheibe ins Tor befördern könnte. Also ließ er es einfach.

Ein Fehler der Gäste beschert das 2:1

Nicht gerade überraschend blieb das Spiel auch im Schlussdrittel eine zähe Angelegenheit, ein Abnutzungskampf von Mensch und Material. Scheibe tief, alle hinterher, Puckgewinn, Torschuss, Block, Fehlpass, Zweikampf, Scheibe tief und immer so weiter.

Es war klar, es brauchte einen Geistesblitz oder einen Zufall, damit hier eine Entscheidung fiel. Es wurde der dritte Weg. Einen Abwehrbock der Dresdner nutzte Justin Kirsch, um den frei vor dem Tor wartenden Davis Koch zu bedienen. Der sagte danke und markierte das 2:1 (50.).

Bei der nächsten Überzahlgelegenheit lag dann das 3:1 in der Luft. Die Falken starteten ein munteres Scheibenschießen Richtung Helenius, doch irgendwie fand der Puck nicht den Weg über die Torlinie. Beinahe hätte Vladislav Filin den Chancenwucher bei einem Konter direkt nach Ende der Strafzeit sogar zum Ausgleich genutzt. Doch wie schon ein paar Minuten zuvor gegen Eislöwen-Topscorer Jordan Knackstedt blieb Mnich der Sieger im Eins-gegen-Eins-Duell.

Ein Kampf auf Biegen und Brechen

In der Folge wurde der junge Goalie zum wichtigen Rückhalt. Der Kampf auf Biegen und Brechen ging in die Schlussphase. Es rummste gewaltig im weiten Rund. Spieler und Spielgerät schlugen abwechselnd in die Banden. Mit der Brechstange versuchten die Gäste zum Ausgleich zu kommen, Heilbronn rührte den Abwehrbeton an. Eine Minute vor Ende nahmen die Eislöwen Helenius vom Eis. 33 Sekunden vor Schluss netzte Dylan Wruck zum 3:1 ins leere Tor ein.


Tor: Mnich, Tiefensee; Abwehr: Maschmeyer - Dziambor, Mapes - Maginot, Götz- Philipp Preto, Länger; Angriff: Valenti - Wruck - Gervais, Della Rovere - Brune - Nicholls, Koch - Neal - Kirsch.

Tore: 0:1 (17.) Flade, 1:1 (22.) Valenti, 2:1 (50.) Koch, 3:1 (60.) Wruck

Schiedsrichter: Erich Singaitis, Sascha Westrich Strafminuten: 6/8.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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