Jetzt starten die Falken in die heiße Phase

Eishockey  Von Vorfreude auf die Playoffs ist bei den Heilbronner Falken wenig zu spüren, wenn sie an diesem Donnerstag in Kassel beginnen. Die Corona-Krise beeinträchtigt den sportlichen Wert der schönsten Eishockey-Jahreszeit maßgeblich.

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Justin Kirsch trifft − in der Playoff-Serie gegen Kassel auf seine alten Kollegen. Und in dieser Szene vor ein paar Wochen zum 4:2-Sieg für die Falken. Es war zugleich die letzte Niederlage der Huskies in der Hauptrunde. Foto: Veigel

Die Heilbronner Eishalle gleicht in diesen Tagen einer Trutzburg. Einerseits sollen so wenige Menschen wie möglich rein, damit bloß das Coronavirus draußen bleibt. Das ist verständlich. Andererseits soll möglichst nichts vom Geschehen im Inneren nach draußen dringen. Welche Spieler nach der Quarantäne trainieren dürfen, welche nicht? Ob es Ausfälle im Trainerteam gibt? Wie die Aufstellung beim Playoff-Auftakt am Donnerstag (19.30 Uhr) in Kassel aussieht? Alles Staatsgeheimnisse.

Die Freude darüber, dass nach einer über weite Strecken verkorksten Saison im Endspurt doch noch das anvisierte Saisonziel erreicht wurde, ist kaum spürbar. Das überrascht nicht. Wie kaum ein anderes Team in der DEL2 wurden die Falken vom Virus heimgesucht. Die Spieler und Verantwortlichen haben Wochen und Monate des Dauerstress hinter sich.

Das erste Playoff-Heimspiel seit mehr als drei Jahren am Samstag (17 Uhr) ist ohne Fans auch kein Feiertag. Würde die Saison 20/21 am Montag nach Spiel drei enden, es würde im Club wohl eher Erleichterung denn Enttäuschung vorherrschen.

Auf dem Papier erscheinen die Duelle mit dem überragenden Team der Hauptrunde sportlich reizvoll. In den drei Spielen dieser Saison gegen die Huskies überzeugten die Falken. In Kassel gab es wegen eines unglücklichen Gegentreffers in der Schlussminute eine 3:4-Niederlage. Beim ersten Aufeinandertreffen in Heilbronn gewannen die Nordhessen erst im Penaltyschießen. Das zweite Heimspiel gewannen die Falken mit 4:2. Eine nahezu ausgeglichene Bilanz gegen das Über-Team der Saison haben wenige andere Clubs aufzuweisen.

Hinzu kommt, dass die Falken auf der Saison-Zielgeraden eine ähnliche Siegesserie hinlegten wie die Huskies. Wenn der Tabellenachte dann noch als krasser Außenseiter ohne Erfolgsdruck ins Rennen geht, erscheint alles möglich.

Erst seit Sonntag dürfen die Falken wieder trainieren

Doch auf dem Papier steht eben nicht einmal die halbe Wahrheit. Während Kassel nach dem vorzeitigen Hauptrunden-Ende zumindest eingeschränkt trainieren konnte, mussten die Falken nach der Derbyniederlage am 3. April gegen Bietigheim eine unfreiwillige zweiwöchige Pause einlegen. Erst am Sonntag durfte das Mannschaftstraining wieder aufgenommen werden.

Der zweite Nachteil wiegt jedoch noch schwerer. Denn den Falken werden voraussichtlich nicht nur zum Playoff-Start eine ganze Reihe von Leistungsträgern fehlen, die nach überstandener Covid-19-Infektion noch nicht wieder spielen dürfen. Mit einer Rumpftruppe sind die Unterländer jedoch nahezu chancenlos gegen den Klassenprimus.

Angesichts der Umstände sei der sportliche Wert der Serie zumindest beeinträchtigt, räumt auch René Rudorisch ein. "Klar, das hat einen Einfluss", sagte der DEL2-Geschäftsführer am Montag bei einer Video-Presserunde. Das sei in der Situation für Heilbronn besonders bitter.

Ausgerechnet die Steelers machen Heilbronn Mut

Zuspruch bekommen die Falken ausgerechnet vom Erzrivalen. "Das ist auch für Kassel alles andere als ein Selbstläufer, Heilbronn hat ja keine Kirmestruppe. In der Serie kann unter den Umständen eigentlich nur Kassel verlieren", sagt Volker Schoch, Geschäftsführer der Bietigheim Steelers.

Die treffendste Umschreibung der gegenwärtigen Situation lieferte letztlich aber Rudorisch: "Wir haben uns alle dazu bereit erklärt, mit der Situation umzugehen", sagte der Liga-Boss mit Blick auf alle acht Playoff-Teilnehmer.

Mit der Situation umgehen. Klarkommen. Antreten. Gegenhalten. Nicht untergehen. Darum geht es hinter den Mauern der Heilbronner Trutzburg. Und dann ganz schnell die Saison abhaken.

 

 

Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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