Jay-Jay Wruck zaubert die Falken auf Rang acht

Eishockey  Der Heilbronner 3:1-Heimsieg gegen Bad Nauheim ist der sechste Sieg in Serie. Die Unterländer sind das heißeste Team der DEL 2. Am Donnerstag steht der nächste Vergleich mit den Roten Teufeln an.

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Dylan Wruck gegen alle: Wie dereinst Jay-Jay Okocha gegen Oliver Kahn kurvte der Heilbronner Topscorer solange durch die gegnerischen Reihen, bis sich die entscheidende Lücke zum 3:1 auftat.

Foto: Andreas Veigel

Mit einer beeindruckenden Energieleistung haben die Heilbronner Falken fünf Spiele vor Ende der Hauptrunde den Playoff-Platz acht erobert. Der 3:1 (1:0, 2:1, 0:0)-Erfolg am Dienstagabend gegen den direkten Verfolger Bad Nauheim war der sechste Sieg in Folge. Die Falken sind zurzeit das heißeste Team der DEL 2. Bereits am Donnerstag (20 Uhr) kommt es in Heilbronn zum erneuten Aufeinandertreffen zwischen beiden Teams.

Den Unterschied im ersten Drittel machten wieder einmal die Special Teams. Beide Mannschaften hatten jeweils eine Überzahlgelegenheit. Die Nauheimer bereits nach 45 Sekunden, als Josh Nicholls auf die Strafbank musste. Viel Gefährliches brachten die Gäste nicht in Richtung des von Florian Mnich gehüteten Falken-Gehäuses.

Kochs Treffer hält sämtlichen Zeitlupen stand

In der siebten Minute durften sich dann die Gastgeber probieren, weil Tomas Schmidt draußen sitzen musste. 22 Sekunden später zappelte die Scheibe hinter Felix Bick im Netz. Nicht ohne Grund zogen die Referees allerdings den Videobeweis zu Rate. Davis Koch hatte grenzwertig gegen den Nauheimer Goalie nachgesetzt, bevor Matt Neal den Puck ins Tor beförderte. Die Entscheidung hielt aber sämtlichen Zeitlupen stand. 1:0 für die Falken.

Mit diesem Spielstand ging es auch ins Mitteldrittel. Dort wiederholte sich die Szenerie. In der 23. Minute gerieten die Gäste in Unterzahl. Dieses Mal dauerte es exakt 1:22 Minuten, ehe der Puck im Nauheimer Tor lag. Stefan Della Rovere verwertete eine von Bick abgewehrte Scheibe aus der Luft. 2:0 für die Falken.

Liebevolle Klopfer für Torhüter Mnich

Sich einem vorzeitigen Saisonende bedrohlich nähernd, mobilisierten die Roten Teufel alle Kräfte. Es gelang ihnen, die Falken im eigenen Drittel einzuschnüren. Die bekamen die Scheibe nicht geklärt und folgerichtig den Anschlusstreffer. Beim Schuss von Daniel Ketter hatte Mnich keine Chance (27.). Der junge Goalie bekam aber sofort Aufmunterung von seinen Vorderleuten, die ihm liebevoll mit den Schlägern auf die Schoner klopften. So äußert sich Teamspirit. Keine Minute später durften die Falken wieder Überzahl spielen. Bisher war das an diesem Abend eine Torgarantie. Kein Wunder, dass die Nauheimer beim Pfiff der Referees schon ahnungsvoll aufstöhnten. Dieses Mal klappte es aber nicht mit einem Powerplaytor. Bick war jedes Mal zur Stelle. Das Spiel hatte jetzt richtig Fahrt aufgenommen, es ging im hohen Tempo hin und her.

Bis zur 36. Minute. Dann bewies Dylan Wruck einmal mehr, warum er in dieser Liga ein außergewöhnlicher Spieler ist. Fast endlos kurvte der Heilbronner Topscorer durchs Drittel der Nauheimer. So etwas gibt es sonst nur beim Automobilslalom auf dem Wolfszipfel zu sehen. Die zu Pylonen degradierten Gegenspieler bekamen den wendigen Deutsch-Kanadier einfach nicht zu fassen. Und der verlor bei allem Kreiseln sein eigentliches Ziel nicht aus dem Auge. Irgendwann hatte er auch noch Bick umkurvt und brauchte die Scheibe zum Erstaunen aller nur noch über die Linie zu schieben. Der Jay-Jay Okocha des Heilbronner Eishockeys hatte zugeschlagen.

Zauber-Tor mit Schockwirkung für die Gäste

Dieses Zauber-Tor hatte eine gewisse Schockwirkung auf die Nauheimer. Sie wollten zwar weiter Druck erzeugen, verloren aber ein ums andere Mal schon im Aufbauspiel die Scheibe. Das eröffnete den Falken erstklassige Kontersituationen. Doch Della Rovere vergaß allein auf dem Weg zu Bick gleich zwei Mal die Scheibe mitzunehmen (38.). Josh Nicholls war eine Minute später zu eigensinnig und schob den Puck am Tor vorbei, statt ihn in die Mitte zum mitgelaufenen Koch abzulegen. So blieb die Vorentscheidung im Mitteldrittel aus.

Doch die Falken ließen auch im Schlussdrittel nicht locker. Enorm zweikampfstark forcierten die Gastgeber Scheibengewinn auf Scheibengewinn. Jeder Nauheimer am Puck war permanentem Stress ausgesetzt. Allerdings bekamen die Falken einfach nicht den Deckel auf das Spiel. Justin Kirsch war in der 46. Minute gleich zwei Mal ganz nah dran am vierten Treffer. Doch Bick und das Torgestänge verwehrten ihm den Treffer. So blieb es bis in die Schlussphase ein intensives, spannendes Spiel nahezu ohne Unterbrechungen.


Tor: Mnich, Nemec; Abwehr: Götz - Länger, Philipp Preto - Maginot, Mapes - Dziambor, Reisz; Angriff: Gervais - Koch - Nicholls, Della Rovere - Wruck - Valenti, Pierre Preto - Neal - Kirsch, Thiel - Klos - Knaub. Tore: 1:0 (8.) Neal, 2:0 (25.) Della Rovere, 2:1 (27.) Ketter, 3:1 (36.) Wruck. Schiedsrichter: Daniel Kannengießer, Ulpi Sicorschi. Strafminuten: 4/8.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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