Jason Morgan, der andere

Eishockey  Die Heilbronner Falken verpflichten einen weitgehend Unbekannten als neuen Trainer. Doch der Kanadier Jason Morgan hat am Ende alle überzeugt: mit seiner Expertise, seiner Erfahrung und seiner Persönlichkeit.

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Der 44-jährige Jason Morgan ist neuer Falken-Trainer. Foto: imago-images/Anders Kjaerbye

Suchmaschinen sind doch ein Segen. Als die Heilbronner Falken den neuen Trainer am Vormittag auf ihren Kanälen vorstellen, werden viele Anhänger erst mal gegoogelt haben. Jason wer? Morgan! Jason Morgan heißt der neue Trainer, der Bill Stewart an der Bande der Falken in der DEL 2 folgt. Die Suche nach Morgan im Internet bedarf aber einer Spezifikation. Mit dem Namen Jason Morgan allein kommt man nicht so weit. Das führt im ersten Moment eher zu Verwirrungen. Denn dieser gutaussehende Jason Morgen, von dem die Suchmaschine gleich einen Haufen Bilder ausspuckt, ist ein berühmtes Model. Hübsch anzusehen, als Trainer aber kaum zu gebrauchen.

Genauso wenig wie der jamaikanische Diskuswerfer mit demselben Namen. Der neue Falken-Trainer, er ist der andere. Jason Morgan, der andere, der ältere, schon leicht ergraute aus dem kanadischen St. John"s: Er ist ein Weitgereister. Kommt vor allem als Spieler rum, die Liste seiner Vereine ist lang. Morgan, heute 44, verbringt die meiste Zeit in Kanada und den USA, in 20 Jahren als aktiver Spieler bringt es der Stürmer auf 44 Einsätze in der NHL sowie 614 in der AHL. Am Ende der Karriere landet er in Europa. Wird Trainer. Und bleibt. Gleich in seiner ersten Saison als Coach beim DVTK Jegesmedvék in Ungarn wird er 2015/2016 Meister der MOL, der ersten Liga in Ungarn und Rumänien.

Manager Rapp ist angetan von Morgans Dynamik

In Deutschland aber ist der neue Trainer der Falken ein Unbekannter. Das weiß er. "Ich darf mich ganz herzlich bei den Falken-Fans vorstellen", zitiert ihn sein neuer Club in einer Mitteilung. Morgan weiß offenbar, was sich gehört. Und er weiß sich auch einzuordnen. Am Ende überzeugt neben der fachlichen Expertise vor allem seine Persönlichkeit. "Er hat mit seiner Dynamik und seiner Leidenschaft als Typ überzeugt", sagt Falken-Geschäftsführer Stefan Rapp, der froh ist, dass die Suche beendet und diese Personalie auch offiziell geklärt ist. Nach Michel Zeiter und Bill Stewart, zwei sehr gegensätzlichen Trainern, war die Frage, welchen Typ Coach Heilbronn einstellen würden. "Jason ist da eher die Mitte", sagt Rapp.

Jason Morgan, der andere, bringt Erfahrung aus vielen Vereinen und Ligen und vielen Nationen mit. "Er hat auf internationalem Niveau Erfolge als Spieler und Trainer gehabt und dabei Spieler betreut und entwickelt, die sehr hochklassig gespielt haben", sagt Rapp. Gründe, die den Manager und die Gesellschafter bewogen haben, diesem Unbekannten eine Chance zu geben.

Der Kooperationspartner lenkt den Blick der Falken nach Osteuropa

Aber als DEL-2-Verein in Ungarn auf Trainersuche zu gehen, ist nicht unbedingt der nächste Weg. Es war ein Hinweis vom Kooperationspartner aus Mannheim, der den Falken-Blick nach Osteuropa lenkte. Die Adler mussten dafür auch keine Suchmaschine bemühen, sie hatten Morgan schon früh auf dem Schirm. Da war er noch Spieler. Für die Saison 2004/05 hatte der Kanadier bereits in Mannheim unterschrieben, nahm jedoch wegen eines NHL-Angebots sein Ausstiegsrecht wahr.

Dennoch hatten die Adler ein Auge auf Jason Morgan - auch, als der Trainer wurde. "Es haben mehrere Personen im Hintergrund gewirkt", sagt Rapp. Vom Tipp bis zur Krönung war es freilich ein weiter Weg. Es waren ursprünglich viele Trainer in der Auswahl. Von Woche zu Woche und Tag zu Tag sei die Runde kleiner geworden, erklärt Rapp. "Bis am Ende nur noch zwei übrig waren." An Morgan gefiel auch, dass er sich noch weiter entwickeln will, in den nächsten drei bis fünf Jahren den nächsten Schritt machen will. "Das garantiert uns volles Engagement und Leidenschaft", sagt Rapp, der trotzdem von einem nachhaltigen Engagement ausgeht.

Das Ziel der Falken und des neuen Trainers ist, ganz oben mitzuspielen

Und noch einem erfolgreichen. Zusammen mit Co-Trainer Christoph Schubert ist Morgan bereits an der Kaderplanung. Und er ist Feuer und Flamme. " Wir werden eine konkurrenzfähige Mannschaft auf die Beine stellen und selbstverständlich ist es unser Ziel, ganz oben mitzuspielen." Zu große Töne? Findet Stefan Rapp nicht. "Soll er sagen, wir wollen uns im Mittelfeld stabilisieren?" Natürlich nicht. "Unser gemeinsames Ziel ist, in den nächsten Jahren kontinuierlich unter die Top Sechs zu kommen." Mit ihrem Trainer-Duo fühlen sich die Falken dafür bestens aufgestellt. Geht diese Rechnung auf, muss keiner mehr nach Jason Morgan, dem anderen, googeln.

Morgan und Schubert sind auf einer Wellenlänge

In die Entscheidung über den neuen Falken-Trainer war Christoph Schubert zwar nicht mit eingebunden. "Es ist ja auch nicht mein Job", sagt der Co-Trainer der Heilbronner Falken. Aber Kontakt zu Jason Morgan hatte Schubert trotzdem noch aufgenommen, bevor die Entscheidung fix war. "Wir haben uns ausgetauscht und gleich über alte Zeiten geplaudert." Als Spieler standen sich der Verteidiger Schubert und der Stürmer Morgan tatsächlich einige Mal gegenüber. "Wir haben uns beide gleich an unsere Kämpfe in den Ecken erinnert", sagt Schubert. Bei den Telefonaten merken beide: Sie liegen auf einer Wellenlänge. Der Kontakt ist inzwischen auch intensiver geworden, beide Trainer tauschen sich regelmäßig aus über die noch freien Stellen im Team. Und Schubert ist sicher: "Wir werden eine geile Truppe haben."


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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