Falken-Überraschung Lautenschlager: "Ich wollte den Spaß am Eishockey wiederfinden"

Eishockey  Julian Lautenschlager spricht im Interview über vermeidbare Niederlagen, seine Lieblings-Sturmpartner und den Goldhelm.

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Julian Lautenschlager hat sich bei den Heilbronner Falken schnell zu einem Führungsspieler entwickelt. Das war im Vorfeld nicht unbedingt erwartet worden.

Foto: Archiv/Veigel

Julian Lautenschlager ist in der noch jungen DEL2-Saison bisher die Überraschung bei den Falken. In den Partien am Freitag (19.30 Uhr) in Freiburg und am Sonntag (18.30 Uhr) zu Hause gegen Kassel wird der 25-Jährige wieder eine wichtige Rolle spielen. Im Stimme-Interview spricht der gebürtige Regensburger über die Gründe für seinen Wechsel, seine Karriereziele auf- und abseits des Eises sowie sein Engagement in der Spielergewerkschaft.

Herr Lautenschlager, die nächsten beiden Gegner stehen hinter den Falken im Klassement. Gibt es das erste Sechs-Punkte-Wochenende?

Julian Lautenschlager: Könnte was werden - wenngleich wir nicht auf die Tabelle schauen. Bei den Huskies ist bisher der Wurm drin, die haben aber sehr gute Einzelspieler und werden irgendwann aufkommen. Nur wollen wir sicher nicht diejenigen sein, die Kassel aufbauen. Das Ziel fürs Wochenende ist, dass beide Gegner hinter uns bleiben.

 

Wie beurteilen Sie den bisherigen Saisonverlauf der Falken?

Lautenschlager: Wir müssten mehr Punkte auf dem Konto haben. Zu viele Spiele haben wir durch individuelle Fehler und vermeidbare Strafen verloren. Das ist natürlich bitter. Andererseits sind wir immer auf Augenhöhe gewesen, oft waren wir das offensiv bessere Team, haben mehr Torschüsse gehabt. Wenn wir die Strafen minimieren, werden wir noch mehr punkten.

 

Für Sie persönlich läuft es bisher sehr gut. Mit vier Toren und sieben Assists in neun Spielen sind Sie aktuell Zweiter in der internen Scorerliste. Hätten Sie das erwartet?

Lautenschlager: Ich weiß schon, dass ich Tore schießen und auflegen kann. In der DEL war das gerade als junger Spieler natürlich schwieriger, zumal ich defensivere Aufgaben erfüllen musste.

In einem Spiel trugen Sie sogar den Goldhelm des Topscorers. Ist der ein persönliches Ziel?

Lautenschlager: Ich finde ja, das Gold passt nicht so gut zum Blau der Trikots (lacht). Mein Ziel sind immer drei Punkte für die Mannschaft. Mir bringt es nichts, Topscorer zu sein, wenn mein Team auf dem letzten Platz steht. Der Goldhelm ist so ein bisschen das i-Tüpfelchen für gute Leistungen.

Sie haben in Iserlohn drei Jahre in der DEL gespielt. Wie kam der Wechsel nach Heilbronn zustande?

Lautenschlager: Der Schubi (Falken-Co-Trainer Christoph Schubert, Anm. d. Red.) hat mich als erster kontaktiert. Ihn kannte ich schon als gegnerischen Spieler aus der Oberliga.

 

War es ein Not-Wechsel, weil Sie kein anderes DEL-Angebot hatten?

Lautenschlager: Nein. Ich wollte den Spaß am Eishockey wiederfinden. Ich wollte wieder in den entscheidenden Situationen auf dem Eis stehen. Hier bekomme ich die Möglichkeit dazu. Ich mag wirklich jeden Einzelnen hier im gesamten Team und im Umfeld brutal gerne. Das ist eine echte Einheit. Ich habe richtig Spaß hier.

 

Sie engagieren sich in der Spielergewerkschaft SVE dafür, dass die Kontingentstellen für ausländische Profis verringert werden. Warum?

Lautenschlager: Ich finde es gut, dass in der DEL mehr U 23-Spieler im Aufgebot stehen müssen. Es hilft aber nicht, wenn sie nur zwei Minuten pro Spiel auf dem Eis stehen dürfen. Sie müssen Fehler machen dürfen, um daraus zu lernen. Für jeden U23-Spieler mehr, sollte eine Importstelle gestrichen werden.

 

Ihr Ziel, wieder in der DEL zu spielen, existiert aber weiterhin, oder?

Lautenschlager: Natürlich ist das noch da. Sportlich zählt für mich augenblicklich aber nur Heilbronn. Und Eishockey ist ja auch nicht alles im Leben.

 

Arbeiten Sie am zweiten Standbein?

Lautenschlager: Ich plane, mit einem Fernstudium in International Business Management zu beginnen. Nach der Eishockey-Karriere möchte ich schließlich auch einen Job haben, der mir Spaß macht.

 

Abschließend - wer sind Ihre Lieblings-Sturmpartner bei den Falken?

Lautenschlager: Das ist schwierig (lacht). Ich freue mich jedenfalls darauf, am Freitag mit Alex Lambacher und Justin Kirsch in einer Reihe zu spielen.

 

Zur Person
Das Eishockeyspielen lernte Julian Lautenschlager beim EV Ravensburg. Mit 17 Jahren folgte der Wechsel in die Nachwuchsabteilung der Düsseldorfer EG. Es folgten mehr als 100 Einsätze für Oberligist Moskitos Essen. Ab 2018 stand der Linksschütze 130 Mal in der DEL für die Iserlohn Roosters auf dem Eis.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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