Heilbronner Falken im Blindflug durchs Feindesland

Eishockey  Heilbronn liefert beim 1:4 gegen Bietigheims Resterampe einen erschreckenden Auftritt ab.

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In Bedrängnis: Matthias Nemec rettet vor Yannick Wenzel, der Falken-Keeper war noch der beste Heilbronner bei der Niederlage in Bietigheim.

Foto: Andreas Veigel

Das war nichts. Im Derby bei den Bietigheim Steelers haben die Heilbronner Falken Einsatz, Moral und Leidenschaft im Bus vergessen. Das Team von Michel Zeiter verlor nach einem erschreckend schwachen Auftritt in Bietigheim mit 1:4 (1:1, 0:2, 0:1). Das schmerzt umso mehr, weil die Gastgeber nur einen Rumpfkader aufbieten konnten. Für Heilbronn, das nach einem dürftigem ersten Drittel im zweiten Abschnitt noch schlechter wurde, reichte das trotzdem.

Zurück zum Höhenflug 2021: Das war das Motto der Heilbronner Falken vor dem Derby. Zwei Drittel ihrer Spiele im neuen Jahr gestalteten die Unterländer ausgeglichen - eins davon das bärenstarke 6:2 im ersten Derby gegen die Steelers. Sofern es nach den Gästen ging, durfte das im zweiten Duell gerne ähnlich ausgehen. Und die Vorzeichen waren beinahe paradiesisch: Bietigheim hatte gerade 13 Feldspieler zusammengetrommelt, mit Riley Sheen nur einen Ausländer aufzubieten. Dagegen kamen die Falken auf 17 Feldspieler.

Bietigheim versteckt sich nicht

Ein Vorteil? Nicht unbedingt. Die Steelers haben in Bad Nauheim am Sonntag gar mit elf Feldspielern klar gewonnen. Und sie versteckten sich auch gegen die Falken nicht, die wie beim Derby in Heilbronn in der ersten Minute eine Schrecksekunde zu verkraften hatten. Zwar landete der Schuss von Norman Hauner nicht im Tor, krachte nach 30 Sekunden aber an die Latte. Viel hatte nicht gefehlt - und die Falken wären einem Rückstand hinterhergerannt.

Es war ein kleiner Weckruf, die Gäste kamen danach zu ersten Chancen: Josh Nicholls scheiterte an Cody Brenner im Steelers-Kasten (2.), Davis Koch verzog von der blauen Linie knapp. Aber so richtig flutschte das Ganze nicht. Verkehrte Welt dafür im Powerplay der Bietigheimer: Die hatten mit ihrer Resterrampe Probleme, ein richtiges Überzahlspiel aufzuziehen. Die besseren Chancen jedenfalls hatten die Gäste, machten aber auch nichts draus.

Schwache Defensive der Falken

Dennoch: Es hätte den Unterländern Mut machen können. Wenn Riley Sheen die Defensive der Falken in der zwölften Minute nicht ganz alt hätte aussehen lassen. Erst tanzte er Jan Pavlu locker aus, narrte Keeper Matthias Nemec, spielte die Scheibe außen an ihm vorbei in die Mitte, so dass es Robert Kneisler im Nachstochern nicht mehr allzu schwer hatte. 1:0 für die Steelers. Ein kleiner Tiefschlag für das Team von Zeiter.

Erst ein Powerplay brachte Heilbronn zurück. Das war dafür fein anzusehen, die Falken setzten sich im Drittel der Steelers fest, spielten Nicholls frei, der trocken zum 1:1 versenkte (15.). Ein ganz wichtiges Tor, zumal bis zu Pause nicht mehr wirklich viel passierte.

Keine Spur von einem Höhenflug der Falken. Es blieb auch den Bietigheimern nicht verborgen, die gegen harmlose Gäste ihre Chance witterten. Die Steelers erhöhten die Schlagzahl im zweiten Drittel deutlich, waren Dauergast im Angriffsdrittel. Die Falken: ohne jede Orientierung. Das 2:1 ließ nicht lange auf sich warten. Sheen traf ungehindert ins kurze Eck (24.). Und die Steelers hätten locker leicht nachlegen können, sie hatten Heilbronn in der Mangel. Es wirkte, als hätten die Falken in jeder Reihe einen Spieler weniger auf dem Eis. Nur Glück und hin und wieder Nemec verhinderten einen höheren Rückstand.

Heilbronn mit viel Stückwerk

Mitte des Abschnitts fingen sich die Gäste etwas, aber das Spiel nach vorne blieb Stückwerk. Mehr Zufall als Absicht. Vor allem: beängstigend uninspiriert. Zur Strafe setzte es das 1:3. Fabion Kuqi spazierte mit Scheibe am Schläger durch zwei Verteidiger hindurch und zog ab (34.). Echt billig. Die Falken: im Blindflug. Das konnte kein gutes Ende nehmen.

Nahm es auch nicht. Zwar zeigten die Heilbronner nun eine verbesserte Arbeitsmoral und bemühten sich wenigstens wieder. Wobei auch eine Reihenumstellung half. Doch zu selten wurde es im letzten Drittel zwingend. Das vermeintliche 1:4 immerhin blieb den Falken in der 42. Minute erspart, die Schiedsrichter gaben den Treffer nach Videobeweis nicht, weil er per Hand erzielt wurde. Aber das war auch schon das Beste. Heilbronn versuchte es mit dem Mut der Verzweiflung, machte sogar Druck. Doch ein Treffer gelang nicht mehr. Das passte in das Bild eines schwachen Auftritts. Genauso wie das 1:4 ins leere Tor (59.).


Tor: Nemec, Tiefensee. Abwehr: Götz - Philipp Preto, Mapes - Maginot, Pavlu - Dziambor. Angriff: Gervais - Wruck - Pierre Preto; Koch - Nicholls - Kirsch; Reisz - Neal - Thiel; Ribarik - Knaub.

Tore: 1:0 (12.) Kneisler, 1:1 (15.) Nicholls, 2:1 (24.) Sheen, 3:1 (34.) Kuqi, 4:1 (59.) Breitkreuz.

Strafminuten: 2/4.

Schiedsrichter: Michael Klein, Carsten Lenhart.

Zuschauer: 0.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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