Heilbronner Falken haben wenig Zeit, ihren Derby-Sieg zu genießen

Eishockey  Heilbronner Falken müssen den Derbysieg gegen Bietigheim schnell abhaken. An diesem Dienstag geht es gegen Dresden weiter. Bei den Eislöwen wurde am Freitag verloren, das soll nicht wieder passieren.

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Heilbronns Lukas Ribarik läuft dem Bietigheimer Maximilian Renner davon. Nach kurzer Pause geht es für die Falken heute Abend gegen Dresden.

Foto: Mario Berger

Derbysiege sind besonders süß. Gerade in schweren Zeiten. Und diese machen die Heilbronner Falken momentan in mehrerer Hinsicht durch. Da kam der 6:2-Heimsieg gegen den Lokalrivalen Bietigheim Steelers am Sonntag gerade recht. Doch es gehört auch zu schweren Zeiten, dass solch süße Gefühle nicht lange anhalten, dass kaum Gelegenheit zum Genießen ist.

Schon heute Abend um 20 Uhr geht es für die Heilbronner in der DEL2 wieder weiter. Erneut zu Hause. Erneut gegen die Dresdner Eislöwen. Gegen diese kassierten die Falken am Freitag erst eine bittere 2:4-Niederlage. Es war aber die erste in diesem Jahr, die einzige in den vergangenen sechs Spielen, eine Tatsache, die Mut macht.

Schlüsselszene entschied Spiel in Dresden

Auch für Dienstagabend. Denn der Auftritt in Dresden war nicht so schlecht, die Pleite eher unnötig. Falken-Trainer Michel Zeiter führte sie in erster Linie auf einen Wendepunkt zurück. "Im zweiten Drittel sind wir stark aus der Garderobe gekommen, konnten das Spiel wenden, haben 2:1 geführt", erklärte er zusammenfassend. "Dann kam eine Schlüsselszene vor dem Tor von Dresden, wo eine Strafe fragwürdig war. Im Gegenzug das 2:2. Genau ab diesem Zeitpunkt hat meine Mannschaft den Fokus verloren über mehrere Minuten. Und daraus müssen wir lernen."

Seine Spieler haderten mit der Entscheidung, beschwerten sich, anstatt ruhig weiterzuspielen. "Nach vier Siegen in Serie wollten wir den fünften Sieg holen. Das ist uns nicht gelungen, jetzt müssen wir uns auf das nächste Spiel fokussieren", sagte Zeiter vor dem Derby. Das gelang. Auch wenn der Start gegen Bietigheim mit dem frühen Gegentor alles andere als gelungen war. "Schockierend" gar, wie Zeiter fand. "Danach haben wir aufopferungsvoll weiter gespielt, haben an uns geglaubt."

Lob vom Bietigheimer Trainer

Der Heilbronner Auftritt nötigte dann auch Bietigheims Trainer Daniel Naud Respekt ab: "Nach ihrem ersten Tor haben die sehr gut gespielt. Wir hatten auf der ganzen Eisfläche nicht viel Platz." Das schmeckte den Steelers überhaupt nicht. "Bei uns hat etwas die Energie gefehlt. Man hat aber gesehen, dass Heilbronn das Spiel unbedingt gewinnen wollte, das hat den Unterschied gemacht. Ich glaube, Heilbronn ist viel besser als sie in der Tabelle stehen."

Wenig Zeit zum Genießen

Roger Schramm und Moritz sind dem Aufruf gefolgt und haben ein Bild geschickt, wie sie das Derby gegen Bietigheim zu Hause verfolgten.

Foto: privat

Das sind Worte, die nach einem Derby besonders gut tun. Auch den Fans, die es zu Hause anschauen konnten. Nicht auszudenken, welche Stimmung in der Eishalle in normalen Zeiten geherrscht hätte. "Die hatten Unglück mit Corona, mit der Quarantäne. Ich weiß, dass das den Rhythmus nimmt", sagte Naud.

Dazu kommen noch die andauernden Personalprobleme, die sich erst langsam etwas entspannen. "Ich bin unheimlich stolz auf meine Mannschaft, weil wir doch noch einige Ausfälle zu beklagen haben, die unheimlich schwer ins Gewicht fallen. Wir haben eine sehr kurze Bank, knapp drei Linien. Aber wir konnten trotzdem viel Energie aufs Eis bringen. Die Mannschaft hat nach der Niederlage in Dresden die Balance behalten." Das war ganz wichtig, um nicht erneut in eine Negativspirale zu rutschen.

Aron Reisz, einer für die Drecksarbeit

Der Aufschwung zuletzt hat aber auch etwas damit zu tun, dass die Puzzleteile immer besser ineinander passen. So zeigt Matthew Neal ansteigende Form und auch der kämpferische Aron Reisz kommt immer besser in Fahrt. "Er hat seit seiner Ankunft in Heilbronn immer hart gearbeitet", sagte Zeiter. Der Coach misst Reisz nicht an den Scorerpunkten. "Er macht die Drecksarbeit, geht jedem Puck hinterher. Aber das sieht man nicht unbedingt. Wenn man so einen Mann in den Reihen hat, ist man dankbar." In Vordergrund stehen meist eben andere.

Die Punktesammler wie Dylan Wruck oder Bryce Gervais. Doch allein mit Scorern lässt sich kein Spiel gewinnen. "Wenn man Erfolg will, muss man verschiedene Teile zusammensetzen", sagte Zeiter. Vielleicht ist heute sogar ein weiterer Baustein mit dabei. Zeiter hofft jedenfalls, dass Neuzugang Joshua Nicholls seine Quarantänezeit abgesessen hat und auf das Eis kann.

Er könnte dabei helfen, dass das Aufeinandertreffen mit Dresden nicht wieder einen bitteren Geschmack hinterlässt, sondern einen süßen - wie das Derby.


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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