Erst kriegen die Falken Saures, dann holen sie süße drei Punkte

Eishockey  Was für ein denkwürdiger Abend: Die Heilbronner Falken drehen gegen die Kassel Huskies einen 0:4-Rückstand und gewinnen gegen das Schlusslicht der DEL 2 noch mit 7:5. Damit ist das erste Sechs-Punkte-Wochenende der Saison perfekt.

Email
Nach einem miesen Start ins Spiel drehten die Falken und machten aus einem 0:4 noch einen 7:5-Sieg. Foto: Mario Berger

Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist. Im Eishockey ist das mehr als nur ein platter Spruch, den Beweis dafür traten die Heilbronner Falken im Heimspiel am Sonntagabend gegen die Kassel Huskies an. Mit 0:4 lag das Team von Trainer Jason Morgan nach nicht einmal elf Minuten gegen das Schlusslicht der DEL 2 zurück. Und doch stand am Ende ein Heimsieg.

Mit leidenschaftlichem Einsatz drehten die Falken die Partie ab der 33. Minute und machten beim 7:5 (0:4, 2:0, 5:1) ihr erstes Sechs-Punkte-Wochenende der Saison perfekt. Angefangen hatte der Abend aber denkbar schlecht.

Es waren noch keine neun Minuten um - da war der Abend von Torhüter Florian Mnich vorbei. Und das sagte alles über das Spiel der Falken bis dahin. Das Team von Morgan hatte zwar die ersten Chancen der Partie und kam nach dem 7:3-Sieg am Freitag in Freiburg gefühlt auch mit Schwung und Selbstvertrauen aus der Kabine. Doch in der vierten Minute setzte es eine kalte Dusche. Brett Cameron fälschte einen Schuss zum 0:1 für Kassel in die Maschen ab - und leitete eine schmachvolle Phase für die Gastgeber ein.

Ein Gegentor der Falken ist gruseliger als das andere

Denn für die Heilbronner setzte es am Halloween-Abend in der Folge Saures. Binnen sechs Minuten und 17 Sekunden handelten sie sich vier Gegentore ein. Eines gruseliger als das andere. Beim 0:2 von Corey Trivino lag die Scheibe frei vor dem Tor - die Falken-Defensive hatte im Gegensatz zum Kasseler Stürmer aber den Überblick verloren (8.). Das 0:3 tat schon beim Zuschauen weh: Lois Spitzner fuhr mit Scheibe und leichten Begleitschutz ums Falken-Tor herum - und versenkte den Puck zu allem Überfluss auch noch im kurzen Eck (9.).

Damit war der Arbeitstag von Florian Mnich beendet. Morgan beorderte seinen Keeper vom Eis und brachte Arno Tiefensee. Der verhinderte in der zehnten Minute mit seiner ersten Aktion zwar das 0:4. Doch das war nur aufgeschoben. Denn kurz darauf war auch Tiefensee zum ersten Mal geschlagen. Ein einfacher Pass von außen in die Mitte reichte, um dem im Slot freien Trivino den Treffer zum 4:0 auf dem Silbertabelett zu servieren (11.). In der zwölften Minute verhinderte der Pfosten Gegentreffer Nummer fünf.

Karl Fabricius verletzt sich im Zweikampf und muss raus

Aber auch so war es genug. Vor allem zu einfach. Die Falken-Defensive hatte die Zeitumstellung offenbar nicht gut verkraftet, spielte in einer anderen Zeitzone. Kassel reichte eine gute, aber keine überragende Leistung. Nach vorne sah das bei den Falken zwar schon besser aus. Aber es fehlte im Angriff das Spielglück. So blieben auch beste Chancen ungenutzt.

Im einzigen Powerplay des Abschnitts scheiterte erst Goldhelm Julian Lautenschlager zwei Mal (13.), dann Jeremy Williams (14.). Und auch ein von Judd Blackwater abgefälschter Schuss landete in den Armen von Jonas Neffin, dem Keeper der Huskies. Unmittelbar zuvor hatten die Falken Karl Fabricius verloren, der sich bei einem Zweikampf verletzte und nicht mehr zurückkam.

Dieses erste Drittel wirkte nach: Auch im zweiten Abschnitt waren die Falken zumindest zu Beginn noch von der Rolle. Zwei Powerplays kurz nacheinander ließen die Gastgeber ungenutzt verstreichen. Viel passierte nicht, weil auch Kassel nicht mehr zum Zug kam. Erst nach dem Powerbreak nahm die Partie Fahrt auf - und diesmal teilten auch die Falken aus.

Mit dem 1:4 sind auch die Falken voll da und spielen leidenschaftlich

Einen Konter über Luca Tosto und die linke Seite vollendete Noah Dunham in der 33. Minute zum 1:4 - ein Aufschrei ging durch die Halle. Und mit dem Publikum waren auch die Falken voll da. Wenige Sekunden später traf Alex Lambacher nur die Latte. Aber es war jetzt Feuer drin im Spiel der Falken, die leidenschaftlich nach vorne spielten und ihre Chance witterten. Und auch bekamen: Auf Zuspiel von Blackwater traf der in der Mitte entwischte Jeremy Williams zum 2:4 (34.).

Kassel drohte das Spiel in dieser Phase zu entgleiten, zumal Blackwater (34.), Lambacher (37.) und Williams (37.) weitere gute Chancen hatten, den Spielstand zu verkürzen. Kurz vor Drittelende kassierten die Falken ihre erste Strafe, retteten sich aber erstmal in die Pause.

Als die Strafe im letzten Drittel dann ausgelaufen war, schlugen die Falken erneut zu: Williams erzielte 59 Sekunden nach Wiederbeginn das 3:4 (41.). Das Momentum war endgültig auf der Seite der Falken, denn es kam noch besser. Keine drei Minuten später war die Partie ausgeglichen: Julian Lautenschlager fälschte die Scheibe zum 4:4 ab (44.). Ein Spektakel. Und die Falken hatten noch immer nicht genug.

Spätestens mit dem 5:4 steht die Halle Kopf

Im Powerplay scheiterte WIlliams noch an der Latte, als die Huskies aber wieder komplett waren, schlugen die Falken erneut zu: Tosto am langen Pfosten verwertete ein Zuspiel von Simon Thiel zum 5:4 (53.). Wahnsinn, die Halle stand Kopf, aber nur kurz. Denn noch war das Spiel nicht vorbei, Kassel glich durch Timo Gams zum 5:5 aus (54.). Der Treffer hielt auch dem Videobeweis stand.

Doch die Falken spielten wie entfesselt, ließen sich nicht mehr aufhalten: Nachdem Williams erneut die Latte getroffen hatte, erzielte Kenney Morrison das umjubelte 6:5 (56.). ALs Kassel alles auf eine Karte setzte und den Keeper vom Eis nahm, traf Williams mit seinem dritten Treffer des Abends zum 7:5. Danach war das Spiel dann wirklich vorbei. Die Feier aber hatte gerade erst begonnen.

Mehr Infos zum Spiel

Tor: Mnich, Tiefensee. Abwehr: Morrison - Mapes, Krenzlin-  Maschmeyer, Obu. Angriff: Williams - Blackwater - Della Rovere, Kirsch -  Lambacher - Lautenschlager, Tosto - Thiel - Fabricius, Volkmann - Dunham.

Tore: 0:1 (4.) Cameron, 0:2 (8.) Trivino, 0:3 (9.) Spitzner, 0:4 (11.) Trivino, 1:4 (33.) Dunham, 2:4 (34.) Williams, 3:4 (41.) Williams, 4:4 (44.) Lautenschlager, 5:4 (53.) Tosto, 5:5 (54.) Gams, 6:5 (56.) Morrison, 7:5 (60.) Williams.

Strafminuten 4/12.

Schiedsrichter: Stephan Bauer, Ruben Kapzan.

Zuschauer: 1323.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

Kommentar hinzufügen