Frust- statt Festtage für die Heilbronner Falken

Eishockey  Auf das Ende der Siegesserie im Derby gegen Bietigheim folgt ein Coronaverdachtsfall und die Spielabsage in Dresden. Nun entscheidet das Gesundheitsamt über das weitere Vorgehen.

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Falken-Stürmer Bryce Gervais (re.) liegt im Tor der Steelers, doch der Puck tat das am Samstag einmal zu wenig, um den Heilbronnern Zählbares zu Ostern zu bescheren. Das richtig faule Ei gab es dann aber an Ostersonntag.

Foto: Andreas Veigel

Am Samstag bekamen die Heilbronner Falken sechs Eier von den Bietigheim Steelers eingeschenkt, die Trainer Bill Stewart als "Witz" bezeichnete. Am Sonntagmorgen gab es dann die Hiobsbotschaft eines Coronaverdachtsfalls in den eigenen Reihen. Infolgedessen musste das für Ostermontag angesetzte Auswärtsspiel in Dresden abgesagt und das gesamte Team in häusliche Quarantäne geschickt werden. Statt Osterfreuden war beim DEL2-Club Osterfrust angesagt.

Am Dienstag müssen sich alle Spieler, Trainer und Betreuer einem PCR-Test unterziehen. Davon wird abhängen, wie die Hauptrunde zu Ende gespielt werden kann. "Wir müssen die Ergebnisse abwarten. Dann entscheidet das Gesundheitsamt, wie es weitergeht", sagte ein hörbar gestresster Stefan Rapp am Ostersonntag.

Bärenstarke und effektive Steelers

Hatten die Falken vorm Wochenende sportlich alles selbst in der Hand, sind sie für das Ziel Playoff-Teilnahme nun nicht nur von den Ergebnissen der Konkurrenz abhängig, sondern zuvorderst von den Entscheidungen der Behörden.

Auf dem Eis lieferten die Falken am Samstag im Derby eine starke Leistung ab - zumindest offensiv und charakterlich. Die sieben Siege hintereinander hatten für eine breite Brust gesorgt. 1:0 und 5:4 hatten sie geführt, einen 1:3 und einen 3:4-Rückstand aufgeholt. Doch am Ende standen sie gegen bärenstarke und effektive Steelers beim 5:6 (1:2, 4:2, 0:2) mit leeren Händen da.

Tausende Fans hätten sich zweifellos gefreut, bei diesem hochklassigen und spektakulären Derby dabei gewesen zu sein. Falken-Coach Bill Stewart war allerdings nur angefressen. Als "Ostergeschenk" bezeichnete er die drei Punkte für die Steelers. "Fünf Tore müssen für einen Sieg reichen. Sechs Gegentore sind ein Witz. Wir haben uns selbst in den Fuß geschossen", polterte der 63-Jährige und kündigte sogar personelle Konsequenzen für diejenigen Spieler an, die "beim Eishockey nur zugeschaut, statt mitgespielt" hätten. "Du verdienst dir den Job, du behältst den Job, oder du verlierst den Job. So läuft das Geschäft." Als der Kanadier angesprochen auf das Gegentor zum 1:3 ausführlich erklärte, wie ein langer Pass des Gegners in die Spitze zu verteidigen sei, stoppte er sich plötzlich selbst: "Ich höre jetzt besser auf zu reden."

Von der PCR-Testung hängt viel ab

Wie Stewarts personelle Konsequenzen auf die Derby-Niederlage in Dresden ausgesehen hätten, wird ungeklärt bleiben, spielt aktuell aber auch kaum eine Rolle mehr. Für die Falken geht es erst einmal darum, die Saison überhaupt regulär zu Ende zu bekommen.

Von der PCR-Testung am Dienstag hängt ab, ob die Partien am Freitag (19.30 Uhr) in Kassel und am Sonntag (18.30 Uhr) gegen Ravensburg stattfinden können. Das Spiel in Dresden könnte dann am Dienstag, 13. April, nachgeholt werden. Auf diesen Termin nach dem offiziellen Ende der Hauptrunde ist bereits das ebenfalls vorsorglich abgesagte Spiel der Steelers gegen Kassel angesetzt worden.

Bei längerer Quarantäne droht Quotienten-Regelung

Sollten die Heilbronner aber in eine längere Quarantäne müssen, dann würde Absatz 4a von Paragraf 10 der DEL2-Spielordnung greifen. Darin heißt es: "Sollten nicht alle Clubs die Hauptrunde mit 52 Spieltagen coronabedingt abschließen können, soll die Platzierung in der Hauptrunde nach der sogenannten Quotientenregel (Punkte durch Spiele) mit zwei Nachkommastellen festgelegt werden."

Tor: Mnich, Nemec; Abwehr: Götz - Länger, Philipp Preto - Maginot, Maschmeyer - Dziambor, Mapes; Angriff: Gervais - Koch - Nicholls, Della Rovere - Wruck - Valenti, Pierre Preto - Neal - Kirsch, Thiel - Klos - Reisz.

Tore: 1:0 (4.) Wruck, 1:1 (14.) Sheen, 1:2 (18.) Jasper, 1:3 (22.) Breitkreuz, 2:3 (27.) Wruck, 3:3 (32.) Koch, 3:4 (33.) Preibisch, 4:4 (36.) Koch, 5:4 (39.) Gervais, 5:5 (46.) McKnight, 5:6 (52.) McKnight.

Schiedsrichter: Roland Aumüller, Daniel Kannengießer. Strafminuten: 14/8.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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