Fitte Falken im Flug Richtung Playoffs

Eishockey  Trotz der hohen Belastung für die Spieler kann Trainer Bill Stewart derzeit personell nahezu aus dem Vollen schöpfen. Am Samstag zu Gast beim Schlusslicht Bad Nauheim.

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Matthias Nemec steht vor der dem Comeback. Möglicherweise steht der Goalie schon am Samstagabend gegen Bad Nauheim wieder zwischen den Pfosten der Heilbronner Falken.

Foto: Andreas Veigel

Regenerieren statt trainieren - nach diesem Motto verfahren die Heilbronner Falken in diesen spielintensiven Wochen. Das gilt umso mehr, wenn DEL2-Partien wie am Donnerstag bei der 2:3-Niederlage im Penaltyschießen gegen Freiburg auch noch in die Overtime gehen. Denn die nächste Aufgabe wartet immer schon. An diesem Samstag (19.30 Uhr) geht"s zum Schlusslicht nach Bad Nauheim.

"Die Regeneration beginnt im Kopf", weiß Sibylle Nies. Die Athletiktrainerin der Falken ist ganz nah dran an den Spielern. Eine Vertrauensperson, deren Fähigkeiten gerade enorm gefragt sind. "Dass wir in dieser Saison noch keine Ermüdungsverletzungen hatten, ist ein großer Verdienst unserer medizinischen Abteilung", sagt Geschäftsführer Stefan Rapp. Dazu zählt Elithera (ehemals Physio & Kraftpotential) sowie die Acos-Klinik - beide beheimatet im Neckarturm. In unmittelbarer Nähe zur Eishalle also. "Die Jungs können direkt nach dem Training vorbeischauen und bekommen sofort eine Diagnose", betont Sportmediziner Oliver Eckardt. Der Kniespezialist operierte zuletzt den Außenmeniskusriss bei Jan Pavlu und brachte Goalie Matthias Nemec nach eine Innenbandzerrung wieder auf die Beine. Der 30-Jährige könnte gegen Nauheim oder am Montag gegen Dresden sein Comeback feiern. Bei Pavlu ist eine Rückkehr aufs Eis noch in dieser Saison ebenfalls noch im Bereich des Möglichen.

Ian Brady auch weiterhin verletzt

Falken-Langzeit-Patient des Jahres bleibt Ian Brady. Der beste DEL2-Verteidiger der Vorsaison ist nach seiner Gehirnerschütterung vom Vorbereitungsspiel in Kaufbeuren nach wie vor in der Reha. Mehr als aerobes Ausdauertraining im niedrigen Pulsbereich ist nicht möglich. Das entspricht gerade einmal Stufe zwei des sechsstufigen "Return-To-Play"-Konzepts. "Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die weiteren Stufen nicht ganz schnell bewältigt werden könnten. Die Therapie verläuft individuell verblüffend unterschiedlich", erklärt Eckardt. Im Gegensatz zu früheren Jahren werden Gehirnerschütterungen nicht mehr verharmlost. "Wir haben hier eine Fürsorgepflicht für unsere Spieler", sagt Rapp.

Gemessen am heiklen Fall Brady war die Wiederherstellung von Stefan Della Rovere (Muskelfaserriss) Leistungssport-Alltag. "Dank der PRP-Therapie mit Eigenblut lässt sich der Heilungsverlauf enorm beschleunigen. Damit wird die Sportmedizin gerade revolutioniert", sagt Eckardt.

Die Falken schöpfen aus dem Vollen

Da mit Yannik Valenti und Pierre Preto inzwischen zwei länger in Mannheim gebundene Spieler zurück sind und zudem mit Niklas Länger ein Verteidiger hinzukam, kann Falkencoach Bill Stewart im Gegensatz zu seinem Vorgänger nahezu aus dem Vollen schöpfen. Viele einsatzbereite Spieler schüren den Konkurrenzkampf, ermöglichen eine Lastenverteilung und beugen damit künftigen Verletzungen vor.

"Wichtig ist natürlich, dass die Spieler schon bei kleinen Anzeichen Bescheid geben und sich behandeln lassen", betont Eckardt. Ob das bei einem harten Hund wie Bill Stewart hinter der Bande tatsächlich immer geschieht?

"You can"t play the game with a skirt on" - höflich übersetzt: Eishockey ist nichts für Weicheier - ließ der Kanadier nach dem Freiburg-Spiel wissen. Manches Wehwehchen dürfte aktuell also eher mal ignoriert werden. Nicht auszuschließen, dass bald also wieder mehr Arbeit auf die medizinische Abteilung zukommen könnte.

Nauheimer sehen sich bösem Zauber ausgesetzt

"Irgendwo sitzt einer mit der Voodoo-Puppe. Der soll bitte mal aufhören", flehte Nauheims Trainer Harry Lange nach der siebten Niederlage seines Teams in Folge. 47 Sekunden vor Spielende erzielte Max Prommersberger am Donnerstag den 4:3-Siegtreffer für die Bietigheim Steelers. Seit Lange Mitte Februar seinen Vorgänger Hannu Järvenpää abgelöst hat, sind die Roten Teufel sieglos. Aufgrund dieser schwarzen Serie sind die Hessen bis ans Tabellenende durchgereicht worden. Das bisher einzige Duell mit den Falken hat Nauheim klar mit 7:1 gewonnen. son


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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