Falken verlieren hochklassiges Derby

Eishockey  In einem verrückten DEL2-Spiel müssen sich die zuletzt sieben Mal in Serie erfolgreichen Heilbronner Falken extrem starken Bietigheim Steelers geschlagen geben. Trainer Bill Stewart sprach von einem Ostergeschenk für den Gegner.

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Szene aus dem Heimspiel der Falken gegen die Steelers aus dem Januar. Foto: Archiv/Berger

Der Erzrivale Bietigheim hat in einem verrückten Derby die Siegesserie der Heilbronner Falken beendet. Mit 6:5 (2:1, 2:4, 2:0) gewannen die Steelers am Samstagabend eine hochklassige DEL2-Partie, in der sich die Gastgeber einen Punkt verdient gehabt hätten. 1:0 und 5:4 hatten sie geführt, einen 1:3 und einen 3:4-Rückstand aufgeholt und sogar gedreht. Doch irgendwie hatten die Steelers immer noch ein Ass mehr im Ärmel.

Bill Stewart war jedenfalls mächtig angefressen: "Ostergeschenk", lautete sein erstes Statement zum Spiel. "Fünf Tore müssen für einen Sieg reichen. Sechs Gegentore sind ein Witz. Wir haben uns selbst in den Fuß geschossen." Denn der direkte Konkurrent Ravensburg verlor zwar gegen Landshut nach Penaltyschießen, holte aber zumindest einen Punkt und eroberte damit Platz sieben in der Tabelle zurück. Die Eispiraten Crimmitschau verloren mit 0:2 in Freiburg und liegen damit weiter zwei Zähler hinter den Falken, haben allerdings noch ein Nachholspiel in der Hinterhand.

"Es kann gut sein, dass einige Spieler im nächsten Spiel nicht dabei sein werden", drohte Stewart noch mit Blick auf die Partie am Ostermontag (16 Uhr) in Dresden.

Brock Maschmeyer gab sein Comeback

Überraschend stand bei den Falken wieder Brock Maschmeyer zur Verfügung. Er rückte an die Seite von Youngster Arkadiusz Dziambor. Kapitän Corey Mapes stand dadurch als flexibiler siebter Verteidiger zur Verfügung.

Die Falken waren von Beginn an hellwach. Gleich in der vierten Minute bekamen die Gastgeber eine erste Gelegenheit, ihr zuletzt bärenstarkes Überzahlspiel zu demonstieren. Tatäschlich dauerte es nur 25 Sekunden, ehe Dylan Wruck zur Führung traf. Stefan Della Rovere nahm Steelers-Goalie Jimmy Hertel geschickt die Sicht, so dass der Steelers-Goalie keine Abwehrchance hatte.

Da die Referees bereits eine weitere Strafe gegen die Gäste angezeigt hatten, bekamen die Falken gleich zwei weitere Powerplayminuten. Die liefen jedoch weniger überzeugend. Der pfeilschnelle Alex Preibisch hatte die Top-Ausgleichschance, doch Florian Mnich blieb im Eins-gegen-Eins-Duell der Sieger.

Gleiches gelang dem Falken-Goalie in der 14. Minute gegen Riley Sheen. Allerdings hatte Marcus Götz den Bietigheimer Topscorer beim Torschuss behindert, so dass das Schiedsrichtergespann auf Penaltyshot entschied. Im zweiten Anlauf verwandelte Sheen souverän zum 1:1 (14.).

Steelers im Überrollmodus

Die Steelers waren jetzt klar am Drücker, störten das Falken-Aufbauspiel früh und gewannen die Mehrzahl der Zweikämpfe. Folgerichtig gelang noch vor Drittelende die Führung. Evan Jasper stocherte im Slot solange nach der Scheibe, bis sie an Mnich vorbei im Tor landete. Die Führung war durchaus verdient.

Und die Steelers setzten im MItteldrittel sofort wieder da an, wo sie am Ende der ersten 20 Minuten aufgehört hatten. Nach Traumpass von Robin Just ließ sich der völlig freie Brett Breitkreuz nicht zwei Mal bitten und vollendete zum 3:1 (22.). In einer beinahe identischen Szene hätte Bietigheims Nummer 17 kurz darauf das 4:1 draufpacken können. Doch dieses Mal konnte Mnich parieren. Wieder nur Sekunden später wäre der Falken-Goalie aber machtlos gewesen. Riley Sheens Schuss ging jedoch an den Pfosten.

Die Steelers überrollten die Falken in dieser Phase regelrecht. Die Gastgeber wirkten angesichts des Angriffswirbels überfordert.

Falken kommen nach 1:3-Rückstand zurück

Praktisch aus dem Nichts gelang ihnen trotzdem das Anschlusstor. Wieder war Wruck der Torschütze, glänzend in Szene gesetzt von Bryce Gervais und Stefan Della Rovere.

Das Tor brachte die Falken zurück ins Spiel. Nach einem Bully passte Josh Nicholls auf Davis Koch. Dessen Schuss wurde noch abgefälscht und sprang von der Unterkante der Latte zum 3:3 ins Tor (32.). In zehn Minuten hatten die Falken einen Zwei-Tore-Rückstand egalisiert.

Doch die Steelers hatten umgehend eine Antwort parat. Robin Just und Alex Preibisch zelebrierten in einer Kontersituation perfektes Zusammenspiel und gerade einmal 90 Sekunden nach dem Ausgleich waren die Gäste wieder mit 4:3 in Front (33.).

Bei aller spielerischen Klasse, hatten die Steelers aber ein Problem: Sie kassierten zwar in Summe nicht viele Strafen, aber angesichts des Überzahlspiels der Falken eben doch zu viele. Bei der dritten Powerplaygelegenheit ließen die Gastgeber die Scheibe perfekt laufen. Koch verwertete schließlich einen Abpraller nach Nicholls-Schuss zum 4:4-Ausgleich (36.).

Um diesem verrückten Drittel die Krone aufzusetzen, gingen die Falken sogar noch in Führung. Wieder brachte Nicholls die Scheibe vors Tor, dann spielten Gervais und Max Renner Billard. Vom Schlittschuh des Steelers-Verteidiger ging die Scheibe schließlich zum 5:4 ins Tor (39.). Die Falken, die nach dem 1:3 unterzugehen drohten, waren jetzt wieder vorne.

McKnight entscheidet mit zwei Toren im Schlussdrittel das Spiel

Doch die Steelers waren mit ihren Künsten noch nicht am Ende. Als Justin Kirsch in der 46. Minute die erste Strafzeit gegen die Falken kassierte, fackelten die Gäste nicht lange. Erst traf Renner den Pfosten, dann glich Matt McKnight zum 5:5 aus (46.). Nur 18 Sekunden hatte Bietigheim gebraucht, um das Powerplay zu nutzen.

Das Spiel kippte jetzt wieder in Richtung der Gäste. In der 52. Minute zappelte die Scheibe zum sechsten Mal im Tor der Falken. Sheen hatte nach einem Schuss des überragenden Evan Jasper getroffen - allerdings mit der Hand. Nach Videobeweis blieben die Referees bei der Entscheidung, den Treffer nicht anzuerkennen.

Das stachelte die Gäste erst so richtig an. Direkt mit dem nächsten Angriff trafen sie zum 6:5. Sheen vernaschte zwei Falken und fand McKnight im Slot (52.).

Von diesem dritten Rückstand erholten sich die Falken nicht mehr.

Tor: Mnich, Nemec; Abwehr: Götz - Länger, Philipp Preto - Maginot, Maschmeyer - Dziambor, Mapes; Angriff: Gervais - Koch - Nicholls, Della Rovere - Wruck - Valenti, Pierre Preto - Neal - Kirsch, Thiel - Klos - Reisz. Tore: 1:0 (4.) Wruck, 1:1 (14.) Sheen, 1:2 (18.) Jasper, 1:3 (22.) Breitkreuz, 2:3 (27.) Wruck, 3:3 (32.) Koch, 3:4 (33.) Preibisch, 4:4 (36.) Koch, 5:4 (39.) Gervais, 5:5 (46.) McKnight, 5:6 (52.) McKnight. Schiedsrichter: Roland Aumüller, Daniel Kannengießer. Strafminuten: 14/8.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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