Falken verabschieden sich in Ehren

Eishockey  Die Heilbronner Falken verlieren auch das dritte Duell der Viertelfinal-Serie gegen Kassel und scheiden wie erwartet im Viertelfinale der Playoffs aus. Beim 6:9 am Montagabend liefert das Team von Bill Stewart dem Favoriten einen famosen Kampf ab.

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Mächtig Betrieb vor den Toren herrschte im dritten Duell der Falken gegen die Huskies: 15 Tore fielen in Kassel, auch Bryce Gervais traf wieder.

Foto: Andreas Veigel

Es ist das von allen erwartete Ende geworden: Die einmal mehr dezimierten Heilbronner Falken haben am Montagabend das dritte Spiel gegen die Kassel Huskies verloren und sind in der Viertelfinale-Serie der DEL 2 mit 0:3 ausgeschieden. Allerdings verabschiedete sich das Team von Trainer Bill Stewart ehrenvoll: Beim 6:9 (2:4, 2:2, 2:3) lieferten die Falken dem Favoriten einen grandiosen Kampf und gaben sich trotz fast durchgängigen Rückstands nie auf. Selbst als dieses Duell so gut wie entscheiden war, kamen die Falken zurück.

Als die Aufstellung um kurz nach 18 Uhr raus war, war auch klar, wen Bill Stewart nach dem 2:8 am Samstag zurückerwartet hatte: Kevin Maginot. Ohne den Namen zu nennen, hatte der Kanadier den Verteidiger für Montag als einzigen Rückkehrer angekündigt. Und einen, "der "einen positiven Einfluss auf das Spiel hat". So rückte der 26-Jährige gleich in Startaufstellung und sollte Stabilität bringen.

Ein abgefälschter Schuss bringt Kassel die Führung

Diese war nach 74 Sekunden jedoch dahin, als Troy Rutkowski den Favoriten in Führung brachte. Maginot stand da nicht auf dem Eis, musste von außen mit ansehen, wie Bryce Gervais den Schuss unhaltbar ins eigene Tor abfälschte. Unglücklich - und alles andere als der erhoffte Start. Doch die Falken ließen sich davon nicht groß beeindrucken und spielten erst einmal gut mit. Schwung gab auch das erste Powerplay, in dem Yannik Valenti aber drei Mal am 1:1 scheiterte (5.). Die Gäste blieben auch nach Ablauf der Strafe gegen Kassel am Drücker, spielten nach vorne gefällig und waren in dieser Phase das auffälligere Team.

Umso bitterer das 0:2: Paul Kranz nutzte den zweiten Nachschuss, um Arno Tiefensee zu überwinden. Der Keeper wurde von seinem Team allein gelassen. Zog da wieder ein Unheil wie am Samstag auf? Nein. Die Gäste wehrten sich, Topscorer Dylan Wruck verkürzte nach guter Vorarbeit von Valenti, der sich mit aller Kraft gegen Rutkowski durchsetzte, umgehend auf 1:2 (11.). Eiskalt. Das waren aber auch die Huskies.

80 Sekunden nach Wiederbeginn ist Tiefensee zum fünften Mal geschlagen

Ryon Moser nutzte den unerwarteten Freiraum, den ihm die Falken gewährten, und traf trocken zum 3:1 (12.). Der Stürmer legte drei Minuten später das 4:1 (15.) nach, da sah es nicht gut aus für Heilbronn. Auch die Hoffnung, die nach dem feinen Treffer von Dylan Wruck zum 4:2 elf Sekunden vor Drittelende aufkeimte, war erstmal nur von kurzer Dauer. Denn 80 Sekunden nach Wiederbeginn war Arno Tiefensee ein fünftes Mal geschlagen, als Lucca Krüger einen Schuss direkt vor dem Tor abfälschte.

Michael Knaub spielte da bereits nicht mehr mit: Er hatte sich wegen einer Keilerei ohne Handschuhe direkt nach Drittelende eine Spieldauerstrafe eingefangen. Eine denkbar schlechte Idee angesichts des ohnehin dezimierten Kaders. Doch auch mit einem Spieler weniger ergaben sich die Falken nicht so leicht ihrem Schicksal und boten dem Favoriten einen schon heroischen Kampf. Belohnt wurde der Einsatz mit dem 5:3 durch Bryce Gervais (26.). Und weil sich die Falken weiter schadlos hielten, waren sie neun Minuten später plötzlich wieder dran.

Yannik Valenti besorgt per Doppelschlag den Ausgleich

Als Moser für Kassel am Aluminium scheiterte - der Puck sprang von der Latte an den Innenpfosten und zurück ins Feld - traf Simon Thiel direkten im Gegenzug zum 5:4 (35.). Alles wieder offen, die Falken weiter am Leben. Und sie drückten auf den Ausgleich. Statt dem 5:5 fiel jedoch das 6:4: 35 Sekunden vor dem Ende des Abschnitts traf Ryon Moser dieses Mal. Es war sein dritter Treffer des Abends.

Doch auch dieser sechste Gegentreffer markierte noch immer nicht das Ende der Gäste. Unglaublich. In Überzahl traf Valenti mit einem satten Schuss in den Giebel zum 5:6 (44.). Die Falken hatten nun Gefallen gefunden in der Rolle des Spielverderbers. Kurz, nachdem sie eine Unterzahl unbeschadet überstanden hatten, traf Valenti tatsächlich zum Ausgleich. 6:6. Völlig verrückt.

Aber die Huskies wussten sich zu helfen: Ryan Olsen (55.) und Oliver Granz (57.) sorgten mit einem Doppelschlag für die Entscheidung. Olsen traf auch zum 9:6 ins leere Tor.


Tor: Tiefensee. Abwehr: Maginot - Phi. Preto, Mapes - Dziambor, Pavlu. Angriff: Valenti - Wruck - Kirsch, Gervais - Nicholls - Thiel, Ribarik - Reisz - Pierre Preto, Knaub - Calce.

Tore: 1:0 (2.) Rutkowski, 2:0 (10.) Kranz, 2:1 (11.) Wruck, 3:1 (12.) Moser, 4:1 (15.) Moser, 4:2 (20.) Wruck, 5:2 (22.) Krüger, 5:3 (26.) Gervais, 5:4 (35.) Thiel, 6:4 (40.) Moser, 6:5 (44.) Valenti, 6:6 (49.) Valenti, 7:6 (55.) Olsen, 8:6 (57.) Granz, 9:6 (59.) Olsen. Strafminuten: 8/28. Schiedsrichter: Stephan Bauer, Kilian Hinterdobler. Zuschauer: 0


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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