Falken-Trainer Bill Stewart ist sauer und will es bleiben

Eishockey  Trotz der guten Entwicklung erwartet der Coach des Heilbronner Zweitligisten auf allen Ebenen mehr. Vor allem die Torhüter und die Offensivreihe nimmt der Kanadier in die Pflicht. Im Kampf um einen Playoff-Platz bleiben nun nur noch 12 Spiele.

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Die Falken spielen unter Bill Stewart gut − aber nicht immer über 60 Minuten. Das missfällt dem Trainer.

Foto: Andreas Veigel

Pressekonferenzen mit Bill Stewart haben für gewöhnlich einen recht hohen Unterhaltungswert. Die Analysen des Falken-Trainers sind immer auf den Punkt. Meist pointiert. Das ist nach Siegen ein umso kurzweiligeres Vergnügen, da der 63-Jährige dann zu Scherzen aufgelegt ist, gerne einen Spruch zum Besten gibt oder plötzlich ins Deutsche wechselt - und sich dafür selber laut lachend abfeiert.

Am Sonntag aber war Schluss mit lustig. Noch bevor er einen Ton von sich gegeben hatte, war jedem Beobachter klar, in welcher Laune sich Stewart befand. "Ich bin sauer", sagte er nach dem 3:4 gegen die Frankfurter Löwen knapp. Und er kündigte für seine Restzeit in Heilbronn an: "Ich werde die nächsten 27 Tage sauer bleiben." Klar: Verlieren mag niemand gerne. Aber diesmal lag mehr in der finsteren Miene. Stewart, das war nach seinen ersten Worten klar, war genervt und obwohl er viel sagte, sein Missfallen kundtat, wirkte es, als ob er am liebsten noch mehr gesagt, liebend gerne noch deutlicher geworden wäre. Doch der Kanadier, so der Anschein, bremste sich, deutete manche Kritik nur an, blieb aber vage, wich Nachfragen aus.

Viele Zahlen, keine Punkte: Stewart kritisiert Torhüterleistung

Bill Stewart mag Zahlen, seit seinem Amtsantritt zählt er die Tage bis zum Ende der Hauptrunde runter. Auch für enge Spiele wie gegen Frankfurt hat er eine einfache Formel: 6-4-1. "Um den Motor am Laufen zu halten, brauchst du sechs top Offensivspieler, vier top Defensivspieler und einen guten Torhüter. Unglücklicherweise hat heute eins davon gefehlt", erklärte Stewart am Sonntag genervt. Eine Antwort auf die Frage, welcher der drei Parts in seinen Augen nicht funktioniert habe, blieb er schuldig.

Am Tag darauf, 26 Tage vor Ende der Hauptrunde, ist Stewart immer noch sauer. Aber er liefert eine Antwort nach. "Die Torhüterleistung ist schrecklich gewesen." Lange sei Florian Mnich nahezu beschäftigungslos gewesen und kassierte am Ende doch vier Tore. "Das waren teilweise nicht Mal Torchancen, das war ein Witz", moniert Stewart. Beim 3:4 dagegen waren auch die Abwehrspieler unsortiert. Die meisten wie Florian Mnich noch jung, von den sechs Verteidigern waren drei 19 Jahre alt. "Keiner sonst hat das."

Die Rede sei nicht davon, dass diese Spieler nicht gut genug seien. "Wir reden über Jungs, die schnell zu Männern werden müssen." Weil Männer wie Ian Brady, Brock Maschmeyer und auch Jan Pavlu verletzt fehlen. Aber auch, weil keine Zeit ist. Da passieren nunmal Fehler. In der Summe ist Stewart aber mit der Entwicklung der Falken in den elf Spielen unter ihm zufrieden. Die Kultur habe sich inzwischen geändert, weg vom Kaffee-Club, wie er ihn angetroffen habe. Tabellenletzter bei so viel Talent: "Ein Scherz", sagt er.

Falken erzielen zu wenige Tore im Fünf-gegen-fünf

Seine Aufgabe sei es, den Motor wieder zum Schnurren zu bringen. Was er bisher hört und sieht, sei gut. "Wir spielen gutes Hockey, das kann jeder sehen." Tempo, Intensität, Einstellung: im Prinzip alles gut. Nur in Bezug auf die dringend benötigten Punkte leckt der Falken-Motor. Das lässt Stewart nicht verzweifeln. Er sieht noch viel Potenzial - erst recht, wenn die Entwicklung in den ausstehenden zwölf Spielen ähnlich sei wie in den ersten elf unter ihm.

"Wir haben auch nicht verloren, weil Frankfurt die ganze Zeit den Puck hatte", erzählt der Trainer. Aber unter anderem, weil die Falken zuletzt ihren Killerinstinkt hätten vermissen lassen. "Wir hatten am Wochenende 34 gute Chancen, aber wir machen kein Tor im Fünf-gegen-fünf", meint Stewart, der auch das 1:0 gegen Kaufbeuren als Powerplay-Tor zählt. Das alles zu ändern, sei kein Hexenwerk, findet der Kanadier. "Einfach das Spiel zu Ende spielen." Keine Frage: Stewart erwartet mehr. Dann wird auch seine Laune wieder besser.

Nemec kehrt ins Tor zurück

Noch zwölf Spiele. Noch zehn Punkte auf Playoff-Platz acht: Die Mission der Heilbronner Falken ist nach dem Null-Punkte-Wochenende schwerer geworden. Nachdem das Team auf Rang 13 abgerutscht ist, stehen gegen Landshut am heutigen Dienstag, 19.30 Uhr, auswärts und am Donnerstag um 20 Uhr zu Hause wieder zwei Kellerduelle an. Gegen das Schlusslicht stehen die Falken unter Druck, müssen liefern, um den Anschluss nicht schon vorzeitig zu verlieren. Nachdem Bill Stewart die Reihen zuletzt verändert hat, wird es am Dienstag auf der Torhüterposition einen Wechsel geben: Matthias Nemec wird beginnen. "Er kann jetzt beweisen, dass er die Nummer eins ist", sagt Stewart, der ein deutliches Zeichen seines Keepers verlangt.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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