Falken-Spieler, die keiner auf der Liste hatte

Eishockey  Ein paar Jungadler sind in Heilbronn ein fester Bestandteil des Teams geworden. Am Donnerstag steht das Heimspiel gegen Freiburg an - und auch da gehören die jungen Wilden einfach dazu.

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Während Philipp Preto fest eingeplant war, ...

Wäre die Saison eine andere, eine normale, zumindest aber normalere: Sie wären alle nicht hier bei den Heilbronner Falken. Als es im Frühjahr und Sommer darum ging, einen Kader, ein Team für die DEL2 zusammenzubasteln, dachte niemand an Spieler wie Simon Thiel, Arkadiusz Dziambor oder Lukas Ribarik.

Und erst recht hatte niemand Luigi Calce junior auf der Rechnung oder Niklas Länger , der erst vor kurzem relativ überraschend aus Augsburg verpflichtet wurde. Zusammen mit Philipp Preto, der im Gegensatz zu seinen Kollegen von vorneherein fest eingeplant war, sind sie die jungen Wilden der Heilbronner Falken. Mitunter kommen sie Talente inzwischen auf eine beträchtliche Anzahl an Spielen. Gehören einfach dazu.

Kurzfristig den Marschbefehl für Heilbronn erhalten

"Es fühlt sich jetzt schon ein bisschen normal an", sagt Thiel, der erst kurz vor Weihnachten mit Lukas Ribarik und Arkadiusz Dziambor sein Debüt bei den Falken feierte. Inzwischen haben die 19-Jährigen Ribarik und Thiel 29 Profi-Spiele angehäuft. Innerhalb von zweieinhalb Monaten. Der Zwei-Tage-Rhythmus in der DEL 2 macht es möglich. Weil die Deutsche Nachwuchsliga ruht, trainierten die Jungadler eben im DEL-Team unter Pavel Gross mit, bekamen sehr kurzfristig den Marschbefehl für Heilbronn.

"Pavel sagte, dass wir den Falken helfen sollen, wir sind nach Heilbronn und da gleich los zum Spiel nach Bad Tölz", sagt Thiel. Die Partie ging zwar verloren, hat aber nicht nur wegen seines Profidebüts einen besonderen Stellenwert: Thiel hat den Puck vom Spiel aufgehoben, da er in seinem ersten Spiel sein erstes Tor erzielt und eins vorbereitet hat. Viel besser hätte der Start nicht laufen können.

Jungspunde werden nicht an Scorerpunkten gemessen

Falken-Spieler, die keiner auf der Liste hatte
... ... gehören auch Lukas Ribarik, Simon Thiel (von links) ...

13 Scorerpunkte sind es bei Thiel inzwischen, neun bei Stürmerkollege Ribarik - gute Werte, wenngleich die Jungspunde nicht an ihren Scorerpunkten gemessen werden. "Wir erwarten keine Punkte", macht Manager Stefan Rapp deutlich. Sie sollen einzig mit Engagement und Leidenschaft auf dem Eis stehen, andere Reihen dadurch entlasten und einen Teil zur Stabilisierung der zwischenzeitig in sportliche Schieflage geratenen Falken beitragen. Das haben sie gemacht. "Sie machen genau den Job, den sie machen sollen - da gibt es keinerlei Kritik. Auch von den Fans nicht", sagt Rapp zufrieden.

Was den Geschäftsführer der Falken dabei am meisten Freude bereitet: Dass die Jungen von den Etablierten sehr gut aufgenommen wurden und von ihnen respektiert werden. "Da muss ich auch die anderen loben, dass die das zulassen", sagt Rapp. Für Verteidiger Kevin Maginot eine Selbstverständlichkeit, der da keinen Unterschied macht. "Für mich sind sie nur vom Alter Jungadler. Aber jeder kann sehen, dass sie ihre Sache gut machen", sagt der 26-Jährige Mannheimer, der die Spieler auch vorher schon kannte.

Die Neuen spüren das Vertrauen

Auch, dass man sich auf dem Eis helfe, sei deswegen nicht anders als vorher. "Wir reden sowieso alle miteinander, helfen uns." Da hört auch der Erfahrene auf Hinweise der Jungen. Das Vertrauen spüren die Neuen und sie wissen: Sie dürfen Fehler machen. "Wir kriegen die Unterstützung", sagt Dziambor, der es als Verteidiger sogar schwerer hat als seine Kollegen der Abteilung Angriff.

Mit einem ohne Druck gespielten Fehlpass in den Schläger eines Gegenspielers hatte er Kaufbeuren vor ein paar Wochen ein Tor aufgelegt. "Schlimm" sei das für ihn gewesen. "Daraus lernt man, den Pass spiele ich nicht wieder", sagt der gebürtige Pole. "Manchmal machen sie mich verrückt und manchmal glücklich", sagt Trainer Bill Stewart über die jungen Wilden. Er weiß um den Prozess, den sie durchlaufen, seine Aufgabe sei es, dafür zu sorgen, dass sie lernen wie Männer zu spielen.

Was alle inzwischen aber gelernt haben: "Du musst dir was zutrauen", sagt Thiel. Als er anfangs in der ersten Reihe neben Dylan Wruck stand, war sein Fokus, bloß keine Fehler zu machen. Das sei nun anders.

Falken vor Heimspiel am Donnerstag gegen den EHC Freiburg

Falken-Spieler, die keiner auf der Liste hatte
sowie Arkadiusz Dziambor fest zum Team der Heilbronner Falken.

Noch einmal so wie gegen Kassel am Dienstagabend: Das würde so schnell nicht wieder funktionieren, mahnte Trainer Bill Stewart seine Mannschaft vor dem Heimspiel der Heilbronner Falken an diesem Donnerstag, 20 Uhr, gegen den EHC Freiburg. "In den ersten zehn Minuten gegen Kassel waren wir nicht bereit und haben Glück, dass wir noch zurückgekommen sind. Das wird uns nicht jedes Mal gelingen", machte Stewart nach dem 4:2-Sieg klar.

Nicht gegen einen Gegner wie Kassel und auch nicht gegen ähnlich starke Teams. Dazu dürften auch die Wölfe aus Freiburg gehören, die als Tabellendritter auch dieses Jahr ein Topteam sind. Am Montag war bekannt geworden, dass Trainer Peter Russel die Breisgauer nach Ende dieser Saison verlassen würde, um bei einem anderen DEL-2-Team anzuheuern. Einen Tag später war klar, dass es den Trainer des Jahres 2020 nach Ravensburg zu den Towerstars führen wird, die noch immer amtierender Meister sind.

Im Vergleich zu Kassel, das die Liga mit großem Abstand anführt, darf sich Freiburg im Ringen um das Heimrecht für die Playoffs keine Schwäche erlauben, wird mental bereit sein. Nichts weniger erwartet auch Stewart, der weiß, dass er mit den Falken in einem "Tag-für-Tag-Lernprozess" steckt. Was ihm gegen Kassel gut gefallen hat: Wie die Falken nach dem verschlafenen Start 50 Minuten lang "sehr, sehr gut" ohne die Scheibe gespielt haben. Um das Ziel Playoffs nicht aus den Augen zu verlieren, habe er seinem Team schon jetzt in den Playoff-Modus versetzt.

 

Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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