Falken-Rivale Bietigheim erhält doch noch die DEL-2-Lizenz

Eishockey  Das DEL-Schiedsgericht gewährt den Bietigheim Steelers die Spielberechtigung unter hohen Auflagen. Nicht nur der Steelers-Geschäftsführer Volker Schoch ist erleichtert, auch in Heilbronn wird die Entscheidung begrüßt.

Email
Die rassigen Derbys zwischen Heilbronn und Bietigheim wird es auch in der kommenden Saison geben. Foto: Archiv/Rahn

Nach dem Gang vor das Schiedsgericht spielen die Bietigheim Steelers auch in der kommenden Saison in der zweithöchsten deutschen Eishockey-Liga. Wie die DEL 2 am Donnerstag mitteilte, haben die Steelers unter harten Auflagen doch noch die Lizenz erhalten. Dazu habe das Schiedsgericht "unter Abwägung aller Interessen" geraten.

Dem finanziell angeschlagenen Club, der große Rivale der Heilbronner Falken, war zunächst als einzigem der 14 Zweitligisten die Lizenz verweigert worden.

Schoch will ab sofort nur noch über Sport reden

Die Steelers selber erreichte die frohe Kunde gestern Vormittag per E-Mail - und sorgte nach der Hängepartie der vergangenen Wochen verständlicherweise für große Erleichterung. "Wir sind froh, dass es weitergeht", sagte Geschäftsführer Volker Schoch der Stimme. Die Spieler sind inzwischen informiert, die Planungen für die neue Saison, die am 2. Oktober starten soll, haben ab sofort wieder Vorrang. "Ab jetzt reden wir nur noch über Sport", sagte Volker Schoch. Die Mannschaft werde weitgehend zusammenbleiben.

Die Steelers müssen nach Angaben der Liga allerdings eine "hohe" Geldstrafe zahlen. Die genaue Summe wurde nicht genannt. "Wir können damit leben - aber mehr werde ich dazu nicht sagen", teilte Schoch mit. Alles sei aber in einem vertretbaren Rahmen. Die Steelers müssen zudem einen zusätzlichen Nachweis über "frei verfügbares Kapital ohne Gegenleistung im mittleren sechsstelligen Bereich" erbringen.

Stefan Rapp begrüßt die Entscheidung des Gerichts

Vorgabe ist auch, dass der Verein einen externen Berater zur Kontrolle der finanziellen Sanierung engagiert. "Wir haben kein Problem damit, Zeugnis abzulegen", sagte Volker Schoch. Der Verein muss zudem die Verfahrenskosten übernehmen, in dem Fall aber sicher gerne.

Auch beim Konkurrenten in Heilbronn sorgte die gestrige Entscheidung für große Erleichterung. "Wir sind extrem froh, dass das Schiedsgericht das Thema so bewertet hat", sagte Stefan Rapp. Der neue Falken-Geschäftsführer empfindet es generell als positiv, dass die Steelers weiter in der Liga bleiben. Als lokaler Rivale besonders: Die Falken können nun die Derbys einplanen. Je nachdem, wie viele Zuschauer bis dahin im Stadion zugelassen sind, "tut es unserem Budget gut".


Kommentar "Gesichtswahrend"

Ein Kommentar von Stephan Sonntag

Der DEL-2-Aufsichtsratsvorsitzende Peter Merten hatte in der Stimme bereits Anfang Juli das jetzt eingetretene Szenario skizziert: eine gesichtswahrende Lösung für alle Beteiligten. Das DEL-Schiedsgericht bestätigt formell die Richtigkeit der Lizenzverweigerung und würdigt gleichzeitig die erfolgreichen Anstrengungen des Clubs, die Lizenzvorgaben zu erfüllen.

Die fehlenden 200 000 Euro im Etat waren - wie von den Steelers angekündigt - am 7. Juli von der städtischen Tochter Bietigheim Wohnbau bereitgestellt worden. Formell zwar zu spät, aber für das Schiedsgerichtsverfahren sicher von entscheidender Bedeutung. Angesichts der hohen Geldstrafe für die Nichteinhaltung der Fristen sowie die weiteren strengen Auflagen kann sicher keine Rede davon sein, dass die Steelers ungeschoren davon gekommen sind.

Ebenso wenig sollte aus dem Vergleich nun eine Lex Bietigheim abgeleitet werden. Hier ist eine Einzelfallentscheidung getroffen worden, auf die sich künftig nicht jeder Club wird berufen können, dem die Lizenz verweigert wurde.

 


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

Kommentar hinzufügen