Falken mit ganz viel Glück

Eishockey  Puh, war das eng. Mit zwei ganz späten Treffern haben die Heilbronner Falken eine Niederlage bei den Bayreuth Tigers gerade noch verhindert. Am Ende setzte sich das Team von Bill Stewart in einem spielerisch überschaubaren Kellerduell knapp mit 3:2 durch.

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Foto: Andreas Veigel

Was für ein Ende: Mit einer Energieleistung und ganz viel Glück haben die Heilbronner Falken bei den Bayreuth Tigers drei ganz wichtige Punkte entführt. Lange lag das Team von Bill Stewart bei den Oberfranken mit 1:2 zurück, ehe es die niveauarme Partie mit zwei späten Treffern noch drehte und mit 3:2 (1:1, 0:1, 2:0) gewann. Stefan Della Rovere gelang 52 Sekunden vor Schluss der Siegtreffer. Damit kletterten die Falken auf Platz zehn und verkürzten sogar den Abstand auf die Playoff-Plätze. "Wir haben uns schwer getan und haben am Ende Glück gehabt", fand auch Stewart.

Nur eine Veränderung in der Aufstellung: Valentino Klos fehlt diesmal

Die Falken gingen im Vergleich zum 7:3-Sieg am Donnerstag gegen Landshut fast unverändert in die Partie. Im Tor bekam wieder Florian Mnich seine Chance, Arno Tiefensee war erneut Back-up - und Matthias Nemec zum zweiten Mal in Folge gar nicht im Kader. Valentino Klos fehlte, für ihn rückte Lukas Ribarik in die vierte Reihe. Ansonsten galt: Never change a winning team. Wenngleich Trainer Bill Stewart nach dem Duell gegen Landshut einräumte: "Das war sicher kein 7:3-Spiel." Dafür war es zwischendrin einfach zu eng gewesen.

Dennoch: "Die Jungs haben Herz und Charakter gezeigt", sagte Stewart, der vom Spiel ohne Scheibe angetan war. Daran hatten die Falken zuletzt gearbeitet. Das Ergebnis war gegen die Niederbayern sichtbar. Genauso sichtbar wie hinterher die drei Punkte, die die Falken vom Tabellenende weg führten und die Hoffnung auf das Erreichen der Playoffs am Leben hielten. "Es ist weiterhin alles möglich", sagte Stewart zufrieden.

Die Konkurrenz im Ringen um Platz acht geht leer aus

Klar war: Auch in Bayreuth durften sich die Falken keinen Ausrutscher leisten. Weil Teile der Konkurrenz im Keller bereits zuvor verloren hatten, bot sich den Unterländern die Chance, mit einem Sieg weiter an Boden gut zu machen. Crimmitschau, Weißwasser, Dresden: Drei der direkten Konkurrenten im Ringen um Platz acht waren am frühen Samstagabend leer ausgegangen. Parallel verlor am Abend auch der EV Landshut zu Hause gegen Bad Nauheim deutlich. Beste Voraussetzungen für die Falken also.

Und doch verlief der Auftakt in die Partie in Bayreuth zäh, es entwickelte sich ein konfuses Spiel mit wenig Zug zum Tor. Auf beiden Seiten, wohl gemerkt. Das war nicht schön anzuschauen. Eine erste, frühe Überzahl ließen die Falken ungenutzt. Genau wie die Gastgeber, deren Powerplay den Namen nicht verdient hatte. Die beste Chance hatten nämlich die Falken bei einem Konter, bei dem ein Mitspieler für den schon geschlagenen Keeper Marco Wölfl die Scheibe gerade noch von der Linie kratzte (10.).

Dylan Wruck legt für Heilbronn vor, Markus Lillich gleicht umgehend aus

Wenn aber ein Team die besseren Chancen hatte, dann waren es die Falken. In der 14. Minute rettete Wölfl grandios vor Matt Neal, den Justin Kirsch stark bedient hatte. Noch immer stand es 0:0. Bis sich Dylan Wruck die Gelegenheit bot: Nach einem gewonnenen Bully fiel ihm der Puck perfekt vor die Füße, die Gastgeber waren alle schon in der Vorwärtsbewegung - und der Topscorer der Falken frei vor dem Tor. Mit der Rückhand hob er die Scheibe über Wölfl hinweg zum 1:0 für Heilbronn in die Maschen (17.).

Die Freude währte nur kurz: Mit dem nächsten Angriff glichen die mit nur fünf Verteidigern und neun Stürmern angetretenen Bayreuther bereits aus. Kurt Davis legte perfekt für Markus Lillich im Slot auf, der aus kurzer Distanz keine Mühe hatte. Erneut hatten die Falken direkt nach einer Führung ein Gegentor kassiert. "Das ist ärgerlich, das zieht sich schon über Wochen hinweg", sagte Stürmer Yannik Valenti im Pauseninterview bei Sprade TV. Dennoch war er optimistisch, dass es mit den drei Punkten noch klappen würde.

Nach der Pause sorgten aber erst einmal die Gastgeber für Alarm: Lillich prüfte Mnich am kurzen Pfosten, der machte die Ecke aber zu und war auch kurz darauf auf dem Posten. Bayreuth machte jetzt mehr Druck, die Falken hatten deutliche Probleme, sich zu befreien und ihr Spiel aufzuziehen. Die Konsequenz: Das 2:1 für die Franken. Davis hatte viel Platz, nahm Maß und traf mit einem satten Schlagschuss (28.).

Es geht munter hin und her, vorrangig bedingt durch Fehler

Bryce Gervais hatte im Gegenzug die Riesenchance zum Ausgleich, doch Wölfl parierte glänzend. Drei Minuten später stand Wruck allein vor dem Tor, fand aber keine Lücke (31.). Ähnlich ging es Martin Davidek bei einem Alleingang auf der anderen Seite (32.). Es ging munter hin und her - allerdings vorrangig bedingt durch Fehler. Auch ihre zweite Überzahlsituation konnten die Falken nicht nutzen, immer wieder war Wölfl zur Stelle. Am Bayreuther Keeper bissen sich die Falken die Zähne aus. "Er macht ein Topspiel", lobte dessen Back-up Timo Herden in der Pause.

Ganz klar: Von den Falken musste mehr kommen. Erstmal aber gab es eine Strafe. Für Dylan Wruck. Das ist auch selten. Mit viel Glück überstanden die Falken die zwei Minuten ohne weiteres Gegentor, wobei Mnich selbst nicht wissen dürfte, wie und mit welchem Körperteil er die größte Chance der Oberfanken zunichte gemacht hatte (43.).

Mitte des Schlussdrittels drehten die Falken dann auf, erhöhten das Tempo, machten Druck. Und hatten auch ihre Chancen. Doch sie mussten sich in Geduld üben. Denn erst drei Minuten vor dem Ende erzielte Marcus Götz mit einem Schlagschuss das 2:2. Als alles auf die Verlängerung hinauslief, gelang Stefan Della Rovere noch der Siegtreffer: 52 Sekunden vor Schluss nutzte er einen Fehlpass von Kurt Davis und traf zum wichtigen 3:2-Sieg ins kurze Eck. Was für ein Ende.

Tor: Mnich, Tiefensee. Abwehr: Götz - Philipp Preto; Mapes - Dziambor, Maginot - Länger. Angriff: Gervais - Koch - Nicholls, Valenti - Wruck - Della Rovere, Pierre Preto - Neal - Kirsch, Thiel - Knaub - Ribarik, Reisz.

Tore: 0:1 (17.) Wruck, 1:1 (18.) Lillich, 2:1 (28.) Davis, 2:2 (57.) Götz, 2:3 (60.) Della Rovere.

Strafminuten: 6/6.

Schiedsrichter: Aleksander Polaczek, Masrkus Schütz.

Zuschauer: 0.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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