Falken-Kapitän Fischer: "Ich bin keiner, der in der Kabine große Ansprachen hält"

Interview  Kapitän Christopher Fischer spricht im Interview über seine Führungsrolle bei den Falken, seine Anfänge in Heilbronn, das neue Team und seine Beweggründe für eine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte.

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Eine Fahne. Bevor das Interview starten kann, muss erst eine Falken-Fahne für Henry her. "Meine Frau hat gesagt: Ohne die brauche ich erst gar nicht nach Hause zu kommen", sagt Christopher Fischer. Beim Spiel am Sonntag war sein vierjähriger Sohn mit im Eisstadion, hat die anderen Kinder mit den Falken-Fahnen gesehen - und will auch eine. Zum Glück hilft eine Mitarbeiterin schnell, dann kann es losgehen.

 

Herr Fischer, Sie wissen schon, dass Sie mit ihrer Rückkehr ein Himmelfahrtskommando antreten?

Christopher Fischer: Nee, wieso?

 

Die Falken-Defensive ist seit Jahren eine Baustelle, es sind schon viele daran gescheitert, sie zu schließen. Warum klappt das diesmal?

Fischer: Alles fängt mit einer guten Defensive an. Wenn man langfristig Erfolg haben will, sollte die Defensive an erster Stelle stehen. Mich interessiert nicht, was in der Vergangenheit war. Es ist eine neue Saison, es steht überall wieder die null.

 

Die Erwartungen an Sie als Königstransfer sind sehr hoch. Wie gehen sie damit um?

Fischer: Ich sehe es nicht als Druck. Vielmehr als Herausforderung und als Ehre, dass ich hier eine so große Rolle einnehmen soll. Es ist Ansporn, mein bestes Eishockey zu spielen.

 

Es heißt, Sie hätten sich noch gewissenhafter vorbereitet als sonst?

Fischer: Das würde ja heißen, dass ich mich in den letzten Jahren nicht richtig vorbereitet habe - das würde ich nicht sagen. Aber wir haben hier super Fitnesstrainer, die an Baustellen, die man so hat am Körper, individuell arbeiten, was mir guttut.

 

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Warum sind Sie den Schritt nach unten gegangen?

Fischer: Für mich wird ein Traum wahr. Das Eishockey-Leben ist mit vielen Umzügen verbunden, das war eine schöne Zeit. Aber jetzt als Familie in der Heimat anzukommen, ist ein Traum. Zu Hause zu wohnen, Eltern, Schwiegereltern in der Nähe zu haben, ist wirklich toll.

 

Ihr Plan, eines Tages nach Heilbronn zurückzukehren ist nicht neu, oder?

Fischer: Im Sport weiß man nie, wo es hingeht. Aber ich hatte Heilbronn immer auch im Kopf, weil hier alles angefangen hat. Ich habe das nie vergessen.

 

Falken-Kapitän Fischer: "Ich bin keiner, der in der Kabine große Ansprachen hält"

Was fällt Ihnen da als Erstes ein?

Fischer: Die geile Stimmung hier. Wir hatten jedes Jahr coole Mannschaften, geile Derbys. Und es war eine erfolgreiche Zeit: Wir waren Oberliga-Meister und nach dem Aufstieg gleich im Halbfinale der zweiten Liga. Nur schöne Erinnerungen.

 

Was hat sich verändert seitdem?

Fischer: Das Konzept ist noch ähnlich und gut - aber es ist alles nochmal professioneller. Ich weiß nicht mal, ob es damals einen eigenen Fitnesstrainer hier gab (lacht).

 

Wen vermissen Sie von damals hier?

Fischer: (lacht) Onkel Ernie.

 

Wie war es mit Ernst Rupp damals?

Fischer: Lustig. Wir kamen super mit ihm klar. Uns Junge hat er gemocht. Aber uns musste er ja auch nicht bezahlen (lacht).

 

Gab es schon den Moment, in dem Sie dachten: Es war der Schritt für mich?

Fischer: Das merke ich jeden Tag. Es macht Spaß mit den Jungs in der Kabine, es ist lustig. Es macht Spaß, zum Training zu kommen. Und genauso, jeden Tag nach Hause zu fahren. Jeder Tag ist schön.

 

Eine erfolgreiche Saison könnte das noch toppen. Was muss dafür unterm Strich rausspringen?

Fischer: Top vier. Halbfinale. Klar gibt es Mannschaften, die Aufstiegsambitionen haben. Aber ich denke, wir müssen uns nicht verstecken. Erst recht nicht, wenn wir einen vollen Kader haben.

 

Wie bewerten Sie die Vorbereitung?

Fischer: Die Spiele waren inkonstant. Aber das ist normal, da musste sich vieles finden. Es ist ein Lernprozess und nicht schlecht, wenn wir manches gleich in der Vorbereitung aus dem Weg schaffen und wissen: So können wir nicht auftreten.

 

Vor allem die jungen Spieler haben bisher gefehlt, ein Problem?

Fischer: Wahrscheinlich wäre es schwerer gewesen, wenn sie mal da und dann wieder nicht da gewesen wären und wir alle zwei Tage die Reihen umstellen müssen. So hatten wir konstant die gleichen Reihen. Zwar nur drei, das war anstrengend. Aber das hat uns nochmal einen Schub in der Fitness gegeben. Aber es wird uns guttun, wenn wir noch eine komplette Reihe dazu bekommen.

 

Wie sehen Sie als Verteidiger die Offensive der Falken?

Fischer: Da müssen wir uns, denke ich, keine Sorgen machen. Bei uns kann jede Reihe Tore machen.

 

Die Qualität ist unbestritten, in der Vorbereitung kam manchmal der Eindruck auf, dass sich der eine oder andere zu sehr auf seine Fähigkeiten verlässt und das Ganze zu locker angeht.

Fischer: Das war bei mir auch, wir alle können noch besser spielen. Dafür ist die Vorbereitung da. Am Freitag werden wir nochmal härter und zielgerichteter spielen.

 

Was machen Sie, wenn es nicht läuft oder es einer zu locker nimmt: Hauen Sie dann auf den Putz?

Fischer: Ich bin keiner, der große Ansprachen hält. Ich bin der Meinung, man muss auf dem Eis vorangehen, das Richtige tun und hart arbeiten. Ich habe schon häufiger mit Jungs zusammengespielt, die einen Buchstaben auf der Brust hatten, in der Kabine reden, aber auf dem Eis hat man nichts gesehen.

 

War es eigentlich Bedingung, dass Sie Kapitän werden?

Fischer: Nee, das kam von Morgi (Trainer Jason Morgan, Anm. der. Red.). Das hat mich gefreut und war eine Riesen-Ehre.

 

Sie haben vier Assistenten, zwei für Heimspiele, zwei für Auswärtsspiele. Eher ungewöhnlich, oder?

Fischer: Nö, ich hatte das schon ein paar Mal. Das ist wie ein Mannschafts-Rat, fünf Jungs, eine Leadership-Gruppe. Am Ende ist egal, wer da einen Buchstaben auf dem Trikot hat oder nicht.

 

Wie läuft es mit dem Trainer, der ja auch neu ist: in der Liga, im Land, in Heilbronn?

Fischer: Der macht das super. Das Training ist gut bei ihm. Er hat eine gute Mischung aus Autorität und Lockerheit. Er weiß, wann er Kumpel sein kann und wann er uns eine Ansage machen muss. Es ist ein gutes, respektvolles Verhältnis.

 

Musste er schon Ansagen machen?

Fischer: Hin und wieder schon. Das muss ab und zu auch sein.

 

Zur Person  
Christopher Fischer ist in Heidelberg geboren und hat in der Jugend für die Adler Mannheim gespielt. Als Förderlizenzspieler hat der heute 33-Jährige seine ersten Profi-Schritte vor 15 Jahren bei den Heilbronner Falken gemacht. 

Was ist mit diesem Team möglich?

Fischer: Wenn es läuft: vieles. Aber das hängt von so vielen Faktoren ab. Aber Top Vier wollen wir unbedingt.

 

Wer könnte die größte Überraschung bei den Falken werden?

Fischer: Wenn Williams und Blackwater eine super Saison spielen, ist das ja keine Überraschung. Eher bei den Jungen. Einer wie Simon Thiel, der mit seiner Geschwindigkeit den Unterschied machen kann. Oder Luca Tosto, der mit seinem super Schuss ein paar Tore schießen kann.

 

Was können Sie noch besser machen?

Fischer: Ich habe in der Vorbereitung auch nicht so gut gespielt. Ich muss konstanter spielen. Und defensiver denken: Ich habe in der Vorbereitung zu viel offensiv spekuliert. Wenn es zählt, muss man aufpassen.

 

Was würde der Rückkehrer Fischer dem jungen Fischer raten?

Fischer: Genieße es noch ein bisschen mehr. Mit 18, 19, 20 realisiert man manchmal gar nicht, was für eine geile Zeit das eigentlich war.

 

 

Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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