Farce statt Feiertag für die Falken

Eishockey  Hoffnungslos unterlegene Heilbronner Falken verlieren das erste Playoff-Heimspiel seit drei Jahren mit 2:8 gegen die Kassel Huskies. Die Viertelfinalserie dürfte damit schon vor dem dritten Spiel am Montag in Kassel gelaufen sein.

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Playoffs sind für die Eishockeyfans das, was die fünfte Jahreszeit für die Karnevalisten ist - die Hochzeit des Jahres. Die Spieler lassen die Gesichtshaare sprießen, jeder Check im Spiel wird zu Ende gefahren, es knallt, rummst, die Emotionen kochen hoch, es wird gejubelt, gebangt, geflucht und getrauert. Kurzum: Es geht richtig ab. 

Von diesem bunten Strauß der Gefühle war beim ersten  - und ziemlich sicher auch letzten - Playoff-Heimspiel der Heilbronner Falken in der Saison 20/21 am Samstag nichts zu spüren. Zu chancenlos waren die weiterhin ohne elf Leistungsträger angetretenen Gastgeber beim 2:8 (1:4, 1:2, 0:2) gegen die Kassel Huskies. Das erste Playoff-Heimspiel seit drei Jahren war eine Farce statt ein Feiertag.

Das dritte Spiel am Montag (19.30 Uhr) in Kassel dürfte für den großen Aufstiegsfavoriten nur noch Formsache sein und die Viertelfinalserie beenden. Falkencoach Bill Stewart sprach hinterher ausschließlich über die Topleistung der Huskies, deren Qualität in allen vier Reihen und dass sein Trainerpendant Tim Kehler "alles richtig gemacht" habe. Es folgte eine philosophisch angehauchte, aber verwirrende Rede zum Thema Respekt gegenüber den Spielern, Clubs, Trainern und der Liga.

In jedem Fall hofft Stewart darauf, am Montag wenigstens einen Spieler wieder dabei zu haben, "der einen positiven Einfluss auf das Spiel hat". Das könnte aber auch ironisch gemeint gewesen sein.

Playoffs als witzlose Farce

Playoffs ohne Fans in der Halle sind ja per se schon wie Paprikawurst ohne Senf. Doch wenn zusätzlich beim Underdog noch der halbe etatmäßige Kader coronabedingt nicht spielen darf, dann verkommt die Eishockey-Hochzeit zum witzlosen Scheingefecht. Im ersten Spiel am vergangenen Donnerstag hatten die Falken die Ausfälle mit einem couragierten Auftritt zumindest 50 Minuten kaschieren können. Ein zweites Mal ließ sich die Über-Mannschaft der Hauptrunde aber nicht überraschen. Und ein zweites Mal entwickelte sich auch kein Spielverlauf, der beim dezimierten Außenseiter den Glauben an eine mögliche Sensation wachhielt. 

Statt eines Blitzstarts mit einem frühen Tor für die Unterländer bestimmten am Samstag von Beginn an die Gäste das Geschehen. Das Spiel nahm den Verlauf, der schon im ersten Spiel erwartet worden war. Die Huskies ließen die Scheibe und den Gegner laufen. Die Falken bekamen die Gäste gar nicht zu fassen. Es entwickelte sich eine völlig einseitige Partie.

Da waren die Falken noch dran an den Huskies: das 1:1 durch Gervais (in blau). Foto: Mario Berger

Die 1:0-Führung durch Ryan Olsen fiel in der fünften Minute. Keine Minute später jubelten überraschend die Falken. Bryce Gervais stocherte einen Abpraller zum 1:1 über die Linie. Doch das war nicht einmal ein Achtungszeichen. 

Die Huskies spielten ungerührt weiter. Ein von Philippe Cornet abgefälschter Olsen-Schuss ging vom Innenpfosten zum 2:1 ins Netz (8.). In Überzahl legten die Nordhessen das 3:1 nach - dieses Mal traf Olsen die Latte und Clarke Breitkreuz staubte ab (10.). Ohne jeden Gegnerdruck bediente Lois Spitzner in der 16. Minute Corey Trivino zum 4:1.

Tristes Ambiente passte perfekt zum Spielverlauf

Von einem rassigen Playoffspiel war die Partie bereits zu dem Zeitpunkt meilenweit entfernt. Die Falken waren kein ernstzunehmender Gegner. Das Geschehen hatte eher Trainingsspielcharakter, das triste Ambiente passte ja bestens dazu.

Beim ersten Überzahlspiel der Falken dürfte selbst der größte Optimist unter den Heilbronner Anhängern den Glauben an ein Playoff-Halbfinale verloren haben. Mit einem Mann weniger spielten sich die Huskies munter die Scheibe zu, die Heilbronner mussten sich auf Kosten eines Icings aus dem eigenen Drittel befreien. In zwei Minuten gelang kein gefährlicher Schuss Richtung Kasseler Tor.

Kurzes Berappeln der Falken

Im zweiten Drittel berappelten sich die Gastgeber ein wenig. Denn unabhängig von der Personalsituation hatten sich die Falken im ersten Drittel unter Wert verkauft. Über eine engagiertere Zweikampfführung gelang es den Heilbronnern, besser ins Spiel zu kommen. Kassel stand aber auch nicht mehr voll mit dem Fuß auf dem Gaspedal.

Insofern war das 2:4 von Aron Reisz nach einer halben Stunde durchaus verdient. Der Ungar verwertete den Abpraller nach einem Schuss von Josh Nicholls. Doch wie bereits der erste Treffer der Falken hatte auch dieses Tor keinen nachhaltigen Einfluss auf den Spielverlauf. 

Kassel schaltete wieder einen Gang hoch und legte bis zum Drittelende zwei weitere Treffer durch Philippe Cornet (35.) und Paul Kranz (38.) nach. Damit war nach 40 Minuten bereits alles entschieden.

Zum Schlussdrittel ist nichts weiter zu sagen. Die Falken liefen auf dem Zahnfleisch daher, die Kasseler im Schongang Richtung Sieg. Im Ergebnis führte das zu zwei weiteren Toren für die Gäste,  jeweils erzielt von Marc Schmidpeter (44./47.).


Tor: Tiefensee;

Abwehr: Pavlu - Dziambor, Mapes - Philipp Preto;

Angriff: Kirsch - Wruck - Valenti, Gervais - Thiel - Nicholls, Pierre Preto - Reisz - Ribarik, Calce - Knaub

Tore: 0:1 (5.) Olsen, 1:1 (6.) Gervais, 1:2 (8.) Cornet, 1:3 (10.) Breitkreuz, 1:4 (16.) Trivino, 2:4 (30.) Reisz, 2:5 (35.) Cornet, 2:6 (38.) Kranz, 2:7 (44.) Schmidpeter, 2:8 (47.) Schmidpeter

Schiedsrichter: Daniel Kannegießer, Michael Klein.

Strafminuten: 8/10.

 

 

 

 


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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