Heilbronner Falken gehen in Bad Nauheim baden

Eishockey  Ein katastrophales zweites Drittel mit einer luftigen Interpretation von Defensivarbeit beschert den Heilbronner Falken eine verdiente 1:7-Pleite in Bad Nauheim. Das Team von MIchel Zeiter bleibt damit Schlusslicht.

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Das schmerzt: Stefan Della Rovere hatte mit den Falken wenig Freude.

Foto: Veigel

Sie waren frohen Mutes, die Reihen wieder gefüllt, bereit, das Feld von hinten aufzurollen. Herausgekommen ist aber eine Abreibung: Mit 1:7 (1:1, 0:5, 0:1) haben die Heilbronner Falken ihr Auswärtsspiel in Bad Nauheim verloren. Lief es anfangs gar nicht schlecht, geriet das Team von Trainer Michel Zeiter im zweiten Drittel mit einer eher zweifelhaften Abwehrarbeit unter die Räder und bleibt mit zwei Punkten aus fünf Spielen Schlusslicht der DEL2.

Zeiter bot erstmals wieder vier Sturmreihen auf, musste jedoch umstellen: Matt Neal fiel kurzfristig aus, Jan Pavlu rückte dafür in den Angriff. Dem fehlte zunächst allerdings die Präzision, dasselbe galt für Bad Nauheim. Und doch war das Tempo sehr hoch, beide Teams verstanden es, die neutrale Zone rasch zu überbrücken. Dafür waren Chancen gefühlte Ewigkeiten Mangelware. Nach dem Powerbreak wurde es jedoch auch vor den Toren gefährlicher. Bryce Gervais ließ die erste dicke Chance liegen, als er zwar seinen Gegenspieler locker abhängte, aber frei vor Philipp Maurer vergab. Der Förderlizenzspieler der Kölner Haie machte sein erstes Spiel für die Nauheimer, präsentierte sich gut.

Falken-Defensive mit zwei Pässen ausgehebelt

Weniger gut sahen im Gegensatz dazu die Falken in der elften Minute aus, als sie sich mit zwei ganz simplen Pässen aushebeln ließen: So war Julian Chrobot frei vor Arno Tiefensee und traf zum 1:0. Diese Führung hatte aber nicht lange Bestand: In Überzahl ließen die Falken ihre alte Stärke aufblitzen, trafen nach 14 Sekunden zum 1:1. Stefan Della Rovere erzielte den Ausgleich, sein sechstes Tor im fünften Saisonspiel. Und Heilbronn hätte nachlegen müssen, insbesondere nach Scheibengewinnen ging jedes Mal die Falken-Post ab. Nur haperte es bei der Auslieferung vor der Haustür.

So blieb es nach zwanzig Minuten beim 1:1. Und Bad Nauheim war gewarnt. "Wir müssen sehen, dass wir weniger Turnover kassieren", sagte Stefan Reiter in der Pause. Und klar: vorne selber zuschlagen. Das glückte James Arniel gleich zu Beginn des zweiten Drittels, der einen Abpraller sauber zum 2:1 im Kasten versenkte (23.). Erneut liefen die Falken einem Rückstand hinterher. Es sollte noch dicker kommen.

Die Falken verteifigen gar allzu luftig

Vielleicht wäre es noch ein enges Spiel geworden, hätten sich die Heilbronner nicht so verführen lassen: Erst einmal bedient, tankte sich Arniel locker leicht durch die Defensive der Falken durch und schloss fast unbedrängt zum 3:1 ab (28.). Schön anzusehen, aber auch freundlich unterstützt von den Gästen. Die hatten offenbar ihre soziale Ader entdeckt, verhalfen den Nauheimern kurz darauf auch zum 4:1. Nach kollektivem Tiefschlaf blieb Brock Maschmeyer nichts anderes übrig, als eine Strafe zu ziehen.

Weil Heilbronns Penaltykilling in dieser Saison bisher kein wirkliches ist, traf Kelsey Tessier zum 4:1 (30.). Heilbronn ging mehr ins Risiko, verteidigte immer luftiger. Und die Nauheimer sagten Danke. Ex-Falke Frederic Cabana mit dem 5:1 (36.), Julian Chrobot mit dem 6:1 (38.). Jeder Schuss war nun ein Treffer.

Am Ende fehlt der Glaube, das Spiel war verloren

"Wir machen nicht allzu viel richtig in unserer defensiven Zone", fasste es Kevin Maginot fast schon nett zusammen. Besser wollten sie es im Schlussdrittel machen, noch einmal alles reinlegen. Nur der Glaube war nicht mehr da, die Partie verloren. Gervais kassierte zu recht noch eine Spieldauerstrafe, und Aaron Reinig traf noch zum 7:1 (58.).


Tor: Tiefensee, Schickedanz. Abwehr: Götz - Philipp Preto, Maschmeyer - Wirth, Mapes - Maginot. Angriff: Della Rovere - Wruck - Gervais, Pavlu - Miller - Kirsch, Brune - Pierre Preto - Valenti, Schumacher - Knaub - Klos.

Tore: 1:0 (11.) Chrobot, 1:1 (14.) Della Rovere, 2:1 (23.) Arniel, 3:1 (28.) Arniel, 4:1 (30.) Tessier, 5:1 (36.) Cabana, 6:1 (38.) Chrobot, 7:1 (58.) Reinig.

Strafminuten: 16/35.

Schiedsrichter: Micha Apel, Razvan Gavrilas.

Zuschauer: 0.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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