Falken geben einen rätselhaften Patienten ab

Eishockey  Trotz der hohen Qualität in der Offensive haben die Heilbronner Falken zuletzt erschreckend wenig Tore erzielt. Auch das einst gute Powerplay hat enorm eingebüßt. Trainer Jason Morgan sieht mentale Probleme als Ursache.

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Für Jeremy Williams und die Falken läuft es zurzeit nicht.

Foto: Andreas Veigel

Immer wenn es nicht wie geplant läuft, ist die Reaktion im Eishockey dieselbe. Spieler und Verantwortliche, alle, bemühen in diesem Fall gerne das Mantra von den "Ups and Downs", den Aufs und Abs, die im Laufe einer Saison mit 52 Hauptrundenspielen normal seien. Auch Jason Morgan gibt sich angesichts der aktuellen Misere der Heilbronner Falken von vier Niederlagen in Serie entspannt.

"Die Saison ist lang", sagt der Trainer. Aber auch er möchte den negativen Lauf stoppen. Am besten gleich an diesem Freitag (19.30 Uhr/SpradeTV) bei den Dresdner Eislöwen. Um dann am Sonntag im Heimspiel gegen die Tölzer Löwen (18.30 Uhr) nachzulegen und selber mal eine Siegesserie zu starten.

Die Defensive lässt verhältnismäßig wenig zu

Ganz locker auf die leichte Schulter aber nimmt Morgan die Situation nicht. Zumal sein Team einen rätselhaften Patienten abgibt. Die Qualität der Führungsspieler ist unbestritten. Vor allem in der Offensive. War vor der Saison mitunter die Defensive die Achillesferse der Falken, stand diese zuletzt nicht schlecht. Vom 3:5 gegen Topfavorit Frankfurt einmal abgesehen, ließ sie in den anderen drei der vier zurückliegenden Spiele jeweils nur zwei Gegentreffer zu. Dass Heilbronn trotz seiner Offensivkraft jedoch außerstande war, wenigstens eines dieser Spiele zu gewinnen, stimmt nachdenklich. Auch den Trainer.

Zumal auch das Powerplay einen Absturz sondergleichen erlebt. Trafen die Falken zuvor in 29 Prozent ihrer Überzahlspiele, haben sie zuletzt 21 Gelegenheiten mit einem Mann mehr ausgelassen - und stehen nur noch bei 17,2 Prozent. "Das eine hängt mit dem anderen zusammen", sagt Morgan mit Blick auf die schwache Torausbeute. Er sieht auch kein Qualitätsproblem, sondern vielmehr ein mentales.

Nach dem 0:1 ändert das Team die Mentalität

Das Spiel in Bayreuth am Dienstagabend sei dafür ein gutes Beispiel gewesen. Die Falken dominierten die Partie zu Beginn, statt zu treffen, kassierten sie allerdings nach einer Weile das 0:1. "Danach haben wir die Mentalität geändert", sagt der Trainer. Sein Team hätte es zwar weiterhin versucht: "Aber wir haben es zu hart, zu individuell probiert." Statt am funktionierenden Matchplan festzuhalten und es weiter zusammen, als Team zu probieren. Ein Verhalten, dass nicht gut geht.

Mit jedem Spiel, mit jeder vergebenen Chance steige auch die Frustration. Ein mentales Problem, dem haben die Falken-Trainer in den vergangenen Tagen versuchte, speziell entgegenzuwirken. Mit Videos. Mit Gesprächen. Um deutlich zu machen: "Es gibt keinen Grund für uns, im Spiel von unserer Denkweise abzuweichen." Schon gar nicht nach einem einzigen Gegentor. "Der Fokus muss darauf liegen, als Team zu antworten", sagt Morgan.

Am Freitag stehen nur fünf Verteidiger zur Verfügung

Seinen Führungsspielern hat Morgan ins Gewissen geredet. "Es liegt an ihnen, den Weg vorzugeben, die Dinge und das Spiel einfach zu halten." Die jungen Spieler würden folgen. Für das Wochenende hat der Coach auch die Zusammenstellung der Reihen und der Special Teams noch einmal verändert. Mehr als zehn Stürmer und fünf Verteidiger aber stehen ihm am Freitag nicht zur Verfügung.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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