Eispiraten crashen die Falken-Party

Eishockey  Die Heilbronner Falken verlieren zum DEL-2-Auftakt vor 1506 Zuschauern gegen Crimmitschau. Die große Unterstützung bringt beim ersten Spiel mit Zuschauern seit 19 Monaten nichts Zählbares ein.

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An ihnen lag es nicht: Die Falken-Fans sorgten trotz Maskenpflicht für eine prächtige Atmosphäre zum Heimspiel-Auftakt gegen Crimmitschau.

Foto: Mario Berger

Die Heilbronner Falken und der Saisonstart: Eine große Liebe wird daraus vermutlich nicht mehr. Zum dritten Mal binnen vier Jahren kassierten die Unterländer zum Auftakt der DEL2-Saison eine Niederlage - zum zweiten Mal crashte Crimmitschau die Party. Die Eispiraten gewannen am Freitagabend verdient mit 5:1 (2:1, 2:0, 1:0) und versauten Trainer Jason Morgan und seinem Team gehörig den Einstand. Dabei war die Atmosphäre doch perfekt für einen Auftaktsieg.

Mehr Zuschauer als erwartet

Das Spiel hatte noch nicht begonnen, da war Stefan Rapp bereits das Herz aufgegangen. Gänsehaut habe er, sagte der Falken-Manager in seiner Ansprache an die Zuschauer vor dem ersten Bully. "Es ist bemerkenswert, wie viele Fans sich heute in der Eishalle eingefunden haben", sagte Rapp ergriffen an die 1506 Zuschauer gerichtet. Das waren mehr, als er erhofft hatte. Die Fans, darunter eine Busladung voll aus Crimmitschau, sorgten für eine fantastische Atmosphäre, wie sie die Heilbronner Eishalle seit exakt 19 Monaten, seit dem 1. März 2020, nicht mehr erlebt hatte.

Die Freude darüber mochte auch das frühe 0:1 nicht trüben - die Fans sangen nach dem Treffer von Vincent Schlenker weiter. Der Stürmer der Eispiraten hatte nach 71 Sekunden ins kurze Eck getroffen, mithilfe des Pfostens über die Schulter von Keeper Arno Tiefensee hinweg. Eine kalte Dusche, die noch kälter hätte ausfallen können, wenn Luca Gläser nicht nur Aluminium getroffen hätte (4.). Die Falken hatten ihre Chancen, die beste davon Julian Lautenschlager (4.).

So richtig aber kam der Falken-Express aber nicht in Fahrt - auch in Überzahl nicht. Einen Volltreffer bekam nur Karl Fabricius ab, ein Schuss von Justin Kirsch landete in seinem Gesicht. Eine Schrecksekunde, der Schwede fiel danach aus. Trotzdem befreiten sich die Falken, aber es bedurfte der freundlichen Unterstützung der Eispiraten für das 1:1: In der 15. Minute zog Jeremy Williams wuchtig ab, von Keeper Luka Gracner prallte der Puck in hohem Bogen ab. Der eigene Verteidiger boxte das Spielgerät ins Tor.

Kurz vor Drittelende das 1:2 kassiert

Die Falken hätten die Partie in der Folge drehen können, fingen sich stattdessen aber kurz vor der Pause das 1:2: Einen Angriff bekamen die Falken nicht richtig geklärt, Mathieu Lemay fing die Scheibe ab, legte quer auf Scott Timmins, der keine Mühe hatte (19.). Blöd. Zumal bei einem Schussverhältnis von 11:8 für die Falken.

Herzerwärmendes gab es auch im zweiten Drittel aus Falken-Sicht nur wenig. Die Gastgeber spielten zu kompliziert, zu verkopft. Crimmitschau hatte defensiv nicht viel Mühe. Im Powerplay war dann die Offensivwucht der Falken zu erkennen. Aber gerade, als das 2:2 hätte fallen können, liefen die Falken in einen Konter: Mathieu Lemay rannte zwei Heilbronnern davon - erzielte in Unterzahl das 3:1 (27.)

Die Hypothek fürs Schlussdrittel ist zu groß

Ein Wirkungstreffer - Heilbronn angeknockt. Nach vorne ging weiter wenig, die Gäste waren dem 4:1 näher als die Falken dem Anschluss. Und das 4:1 fiel: Eher unabsichtlich bugsierte André Schietzold die Scheibe mit dem Schienbein über die Torlinie (34.) - der Treffer hielt auch einer Videoüberprüfung stand. Und so langsam dämmerte es, dass die Falken das Spiel nicht mehr hoch gewinnen würden. Auch, weil Luca Tosto (34.) und Stefan Della Rovere (35.) eine schnelle Antwort verpassten. Eine dicke Hypothek fürs Schlussdrittel.

Sollte eine Aufholjagd geplant gewesen sein: Dann machten sich die Falken zunächst das Leben selber schwer. Neunzig Sekunden in doppelter Überzahl: Da ging nach vorne nichts. Immerhin: Hinten hielten die Falken dicht. Brachten die Gastgeber danach mal ihre Offensivpower aufs Eis, fanden sie im starken Gästekeeper ihren Meister. Als Tiefensee draußen war traf Patrick Pohl für Crimmitschau (59.). 1:5: ein Stich in das Falken-Herz.

Heilbronner Falken

Tor: Tiefensee, Ganz. Abwehr: Maschmeyer - Morrison; Mapes - Fischer; Hadamczik - Preto, Krenzlin. Angriff: Della Rovere - Blackwater - Williams; Fabricius - Lambacher - Kirsch, Thiel, Lautenschlager - Tosto; Volkmann - Dunham. Tore: 0:1 (2.) Schlenker, 1:1 (15.) Williams, 1:2 (19.) Timmins, 1:3 (27.) Lemay, 1:4 (34.) Schietzold; 1:5 (59.) Pohl. Strafminuten: 8/6. Schiedsrichter: Marcus Brill, Erich Singaitis. Zuschauer: 1506.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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