Eishockey mit Zuschauern: Erster Testlauf oder letztes Zucken?

Eishockey  Das Falken-Heimspiel vor Zuschauern unter Corona-Bedingungen sorgt im Nachgang für Diskussionsstoff und eine teils faktenferne und für den Sport kontraproduktive Berichterstattung.

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Sportlich war der Auftritt der Heilbronner Falken am Freitag ohne Fehl und Tadel. An den gewöhnungsbedürftigen äußeren Umständen gab es Kritik.

Foto: Ralf Seidel

Exakt 703 Zuschauer waren am 25. August 2019 in die Heilbronner Eishalle gekommen, um das einzige Testspiel der Falken vor dem Saisonstart 19/20 zu sehen. 408 waren es am vergangenen Freitag beim ersten Heimspiel unter Corona-Bedingungen.

Es hätten auch wieder 703 werden können, doch die Falken-Verantwortlichen hatten für den ersten Testlauf die Maximalkapazität bewusst nicht ausgereizt. "Wir wollen uns sukzessive annähern", betonte Geschäftsführer Stefan Rapp am Dienstag einmal mehr und lobte die Fans: "Die Disziplin der Zuschauer war herausragend."

Überstrapazierte Lebensendvergleiche

Nun ist in den vergangenen Tagen in mehr oder minder seriösen Medienformaten von "toter Stimmung" oder "Friedhofsstimmung" berichtet worden. Von den Heilbronner Falken als Opfer "sinnloser Regelungen" und sogar davon, dass der "Eishockeysport zu Grabe getragen" werde. Mal abgesehen von den reichlich überstrapazierten Lebensendvergleichen gerieten dabei auch einige Fakten durcheinander.

Erst am 15. September hatten sich die Bundesländer auf einen flächendeckenden Probebetrieb mit Fans im Profi- und Spitzensportbereich bis zum 3. November geeinigt. Am 18. September wurden diese Sonderregeln in die Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg aufgenommen. Die bieten den Heilbronner Falken die Möglichkeit, statt der im Amateursport zulässigen Zahl von 500, bis zu 1000 Zuschauer zuzulassen.

"Der Probe-Spielbetrieb ist erst einmal eine Chance. Ihn gleich wieder in Frage zu stellen, ist für uns absolut kontraproduktiv. Polarisierungen sollten vermieden werden", stellte Rapp klar.

Eine Bewährungschance für den Profisport

Im Gegensatz zu vielen kulturellen Einrichtungen erhält der Profisport hier eine Bewährungschance, um seinen Spielbetrieb stückweise zu normalisieren und wirtschaftlich tragfähig zu bekommen. Das geht einher mit personalisierten Tickets, fest zugewiesenen Sitzplätzen, dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auf allen Wegen und einem absoluten Alkoholverbot.

Wenn am Freitagabend (20 Uhr) die HEC Eisbären gegen die Stuttgart Rebels in die Regionalligasaison starten, dann erfolgt das nicht unter den Richtlinien des Profi-Probetriebs, sondern nach den allgemeinen Vorgaben der Corona-Verordnung Sport. Das kann zu unterschiedlichen Regelungen bei der gleichen Sportart in der gleichen Halle führen, die sich nicht immer unmittelbar erschließen.

Im Einzelfall sind Nachbesserungen notwendig

Wie beispielsweise die Vorgabe, dass beim Spiel der Falken alle Zuschauer sitzen mussten, während bei den Eisbären theoretisch auch Stehplätze erlaubt wären (es wird aber nur die Sitzplatztribüne geöffnet). Das liegt daran, dass in der Profisport-Verordnung explizit von "festen Sitzplätzen" die Rede ist. Hier sollte nachkorrigiert und die Einrichtung fester Stehplätze ermöglicht werden. Das ist in vielen ähnlich gelagerten Fällen seit Beginn der Pandemie geschehen. Es sollte nicht vergessen werden, dass derzeit oft Entscheidungen unmittelbar getroffen werden müssen, die im Normalfall über Wochen oder gar Monate ausgearbeitet würden.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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