Ein Schweizer macht das Rennen als neuer Falken-Trainer

Eishockey  Die Suche nach einem neuen Trainer ist beendet. Mit dem Ex-Nationalspieler Michel Zeiter holen die Heilbronner Falken ihren Wunschkandidaten als Trainer. Der 46-Jährige überzeugt mit seiner Philosophie und seinem Führungsstil - und er gibt sich demütig.

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Als Spieler und Trainer war Michel Zeiter bisher nur in der Schweiz aktiv. Die Heilbronner Falken werden nächste Saison seine erste Station im Ausland. Foto: imago images/Sergio Brunettix

Nach zwei Österreichern in Folge soll nun ein Schweizer den eingeschlagenen Weg der Heilbronner Falken nach oben begleiten: Mit Michel Zeiter haben die Gesellschafter um Atilla Eren ihren Wunschkandidaten als Nachfolger von Trainer Alexander Mellitzer verpflichtet. Der 46 Jahre alte Zeiter hat die Verantwortlichen des DEL-2-Clubs in allen Belangen überzeugt und zunächst einen Vertrag für die kommende Saison.

"Die Intention ist aber von beiden Seiten ein längerfristiges Engagement", sagt Eren. Es sei aber üblich, die Entwicklung der Mannschaft unter einem neuen Trainer nach einem ersten Jahr zu bewerten und sich dann wieder zusammenzusetzen. "Ich bin aber fest davon überzeugt, dass Michel Zeiter in Heilbronn erfolgreich sein wird."

Persönlich getroffen haben sich der Geschäftsführer der Falken und sein wichtigster Angestellter bisher nicht, in Zeiten strenger Kontaktbeschränkungen fand auch die Suche nach einem neuen Cheftrainer unter erschwerten Bedingungen statt. "Es lief alles über Video", sagt Eren. Zudem hatten die Gesellschafter die Qual der Wahl: Nachdem die Nachricht von Mellitzers Abgang die Runde machte, trudelte eine Bewerbung nach der nächsten ein. "Es waren bestimmt über 30", sagt Eren. Ein paar Kandidaten passten von vornherein nicht ins Anforderungsprofil, die restlichen Bewerber wurden auf fünf reduziert, mit denen die Falken-Gesellschafter Gespräche via Video aufnahmen.

Michel Zeiter überzeugt mit seiner Philosophie

Die Stunde, die jeder Kandidat in dieser Runde hatte, wusste Zeiter am besten zu nutzen. "Seine Philosophie, sein Führungsstil, die Art, wie er Eishockey spielen lässt, haben uns gleich auf Anhieb gefallen", gesteht Eren. Auch der Schweizer war schnell angetan. "Das Interesse war auf beiden Seiten gleich da und wurde immer intensiver", sagt er und ist froh, dass es schnell in seine Richtung ging. "Ich kann es kaum ab-warten, endlich nach Heilbronn zu kommen." Es ist seine erste Auslandsstation überhaupt, der Vater von zwei erwachsenen Zwillingstöchtern sieht in Heilbronn eine große Chance.

Als Spieler war Zeiter ein Star, als Trainer ist er zwar kein Novize mehr, aber noch auf dem Weg nach oben. "Er weiß, dass er sich seine Lorbeeren erst noch verdienen muss", sagt Eren. In Winterthur, wo Zeiter dreieinhalb Jahre als Trainer und Sportchef in Personalunion tätig war, habe er sich durchkämpfen müssen. "Er war sich trotz seiner beachtlichen Karriere nicht zu schade, das eine oder andere mehr zu machen", verrät Eren. Auch seine neue Aufgabe geht Michel Zeiter mit Demut an. "Ich komme nicht und es wird alles anders", sagt er. Viel-mehr wolle er die "sehr gute Arbeit" von Alexander Mellitzer fortführen. "Wir haben eine sehr ähnliche Philosophie." Auch er möchte die Zuschauer mit offensivem Eishockey begeistern.

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Aktuell befindet sich Zeiter, der sich selbst als einen akribischen Arbeiter beschreibt, bereits in der Analyse und schaut sich alle Spiele der Falken der letzten Saison an. Es gehe darum, im Detail zu optimieren. "Mein Motto ist: Konzentriere dich auf die Stärken." Da habe er angesichts der enormen Qualität im Kader viel Gutes gesehen. Aber auch der hohe Gegentorschnitt der Falken ist dem Fachmann natürlich nicht entgangen. "Diesen Schnitt runterzubringen wird sicher ein Ziel sein", sagt Zeiter. Ein Problem, dass den neuen Falken-Trainer zu verfolgen scheint.

Schon in Winterthur hatte Zeiter mit vielen Gegentreffern zu kämpfen. 125 Stück waren es am Ende in 27 Spielen, bis zu seinem vorzeitigen Aus Mitte Dezember. Die "Neue Zürcher Zeitung" schrieb, Zeiter habe es nie geschafft, dem Kollektiv eine Struktur zu geben. Eine Platzierung unter den Top acht war außer Reichweite. "Vergangenheit", sagt Zeiter. "Wir hatten den kleinsten Etat, keine anderen Möglichkeiten. Am System hat es nicht gelegen, da bin ich sicher." An der fehlenden Qualität schon eher. "Das ist mit der DEL 2 gar nicht vergleichbar." Die zweite Schweizer Liga sei zwar brutal schnell, aber eben auch wild, nicht so strukturiert. "Die DEL 2 als stärkste zweite Liga in Europa ist da klar besser", sagt Zeiter. Ein Grund, der ihn nach Deutschland zog.

Drei, vier Schlüsselpositionen sind noch zu besetzen

Die harten Duelle gegen Deutschland sind ihm aus seiner Zeit als Nationalspieler in Erinnerung geblieben. Und die besondere Fankultur: "Eishockey wird hier gelebt, da ist eine unglaubliche Begeisterung da." Genau wie bei ihm, der als Spieler ein Anführer und vor allem mental stark war. Ihm obliegt es nun, die drei, vier noch freien Schlüsselpositionen im Team zu besetzen. Dafür will Zeiter sein hervorragendes Netzwerk nutzen.

 

Der Löwenkönig und seine beeindruckende Karriere

Als Spieler hat Michel Zeiter eine beeindruckende Laufbahn hingelegt: Mit der Schweiz nahm der inzwischen 46-Jährige an sechs Weltmeisterschaften teil, spielte 123 Mal für die Eidgenossen. Hinzu kommen 838 Spiele in der ersten Schweizer Liga, die Zeiter vor allem für die ZSC Lions absolvierte und mit den Zürichern zwei Meisterschaften gewann. Bei den Lions war er Publikumsliebling, wurde von den Anhängern auch aufgrund seiner langjährigen Vereinstreue schon liebevoll als "Löwenkönig" bezeichnet. "Ich bin sehr dankbar, eine solche Karriere erlebt zu haben", sagt Zeiter.

Seine aktive Laufbahn beendete er 2012 nach zwei weiteren Spielzeiten und einem Meistertitel beim EHC Visp in der zweiten Liga, wo er als Spielertrainer aktiv war. Es war zugleich sein Einstieg ins Trainergeschäft. 


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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