Dylan Wrucks Solo sorgt für Gesprächsstoff

Eishockey  Beim 3:1-Sieg gegen Bad Nauheim narrt Falken-Topscorer Dylan Wruck die gegnerische Verteidigung. In neuer Rolle treten die Heilbronner an Gründonnerstag zur Neuauflage des Duells an.

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Das phänomenale Tor von Dylan Wruck wurde am Dienstagabend mehr diskutiert, als der Sprung der Heilbronner Falken auf einen Playoffplatz . "It was a big goal", befand der 28-Jährige selbst über sein Solo zum 3:1-Endstand gegen Bad Nauheim (www.del-2.org). 

Weil er im ersten Anlauf Richtung Tor keine Lücke fand, aber plötzlich wieder Raum hatte, probierte er es einfach noch einmal von der anderen Seite. "Dann ist mir eine tolle Bewegung gelungen und die anderen Jungs waren geschlagen. Ein tolles Gefühl", sagte Wruck, als er kurz vor 23 Uhr frisch frisiert und im schicken Anzug aus der Spielerkabine trat.

Siebter Streich an Gründonnerstag

Pünktlich zum Ende der Hauptrunde befindet sich der Heilbronner Topscorer in Topform. "Dylan ist ein guter Typ, ein guter Anführer. Tore wie dieses erwartet er aber auch von sich selbst", sagte Trainer Bill Stewart nach dem sechsten Sieg seines Teams in Serie. Am Gründonnerstag (20 Uhr) soll erneut gegen Bad Nauheim der siebte Streich folgen.

Es ist gerade einmal zwei Wochen her, da schienen die Playoffs in unerreichbare Ferne gerückt. Nach dem 4:6 in Landshut am 16. März waren die Falken wieder am Tabellenende angekommen. "Wieder Schlusslicht", lautete der ernüchternde Titel über dem Stimme-Spielbericht. "Der letzte Playoff-Zug ist jedenfalls für die Falken heute abgefahren", hieß es bei echo24.de.

14 Tage und sechs Spiele später sind die Heilbronner auf dem ersehnten achten Platz angekommen. Punktgleich mit den Ravensburg Towerstars, aber mit dem besseren Torverhältnis ausgestattet. Ab sofort haben die Heilbronner die Playoffteilnahme in der eigenen Hand. Vom Jäger sind sie zum Gejagten geworden. "Die Rolle kennen wir in dieser Saison noch gar nicht. Es wird jetzt einfach richtig spannend", sagte Wruck.

Stewart warnt: "Nicht in Selbstzufriedenheit verfallen"

Sein Coach warnte gleich: "Wir dürfen jetzt nicht in Selbstzufriedenheit verfallen." Bill Stewart sieht in der neuen Rolle eine neue Herausforderung. "Seit ich hier vor 40 Tagen in Crimmitschau meine Mission begonnen habe, sind uns Aufgaben gestellt worden und wir haben die Herausforderungen angenommen. Unser Ziel ist es, an jedem Abend, in jedem Spiel ein bisschen zu wachsen."

Das war zu Beginn seiner Mission immer wieder mit Rückschlägen verbunden. Die über die gesamte Saison fehlende Konstanz schien auch das erfahrene Raubein nicht ins Team zu bekommen. Von den ersten zwölf Spielen unter Stewart gewannen die Heilbronner lediglich fünf. Die alten Probleme der individuellen Fehler und mangelhaften Disziplin setzten sich fort.

Hinzu kamen prominente Ausfälle, besonders in der Defensive. Die erfahrenen Brock Maschmeyer und Jan Pavlu fehlen bereits seit Wochen. "Nicht viele Teams in der DEL 2 spielen mit drei 19-jährigen Verteidigern", betont Stewart. Doch Philipp Preto, Niklas Länger und Arkadiusz Dziambor wachsen zunehmend an ihren Aufgaben.

Stewarts Credo: Die Gegner totlaufen

Entscheidend ist aber die Verinnerlichung des ultimativen Stewart-Credos: "Skating, Skating, Skating." Die Bad Nauheimer wurden am Dienstagabend regelrecht totgelaufen. Unermüdlich attackierten die Falken den Gegner schon in deren Verteidigungsdrittel. Immer wieder liefen sie die Passwege zu, behielten in den Zweikämpfen die Oberhand. "Wir müssen mehr Einsatz zeigen", forderte daher Rote-Teufel-Coach Harry Lange mit Blick auf das Spiel an Gründonnerstag. Stewart meinte knapp: "Mir gefällt unser Spiel ohne Puck."

Angesichts des enormen Spielpensums war die Laufarbeit der Falken beeindruckend. "Wenn du gut spielst, wenn du gewinnst, dann fühlt es sich immer gut an und du wirst nicht müde", erklärte Wruck den Duracell-Betriebsmodus seines Teams.

Wenn es so läuft, dann bekommen sogar Spieler Assists gutgeschrieben, obwohl sie längst auf der Bank sitzen. Dieser Randaspekt seines Traumtores war selbst Wruck nicht bewusst. Denn Stefan Della Rovere hatte ihm vor dem Solo den Puck überlassen, war zum Wechsel gefahren und durfte die Vollendung zehn Sekunden später bereits bequem sitzend bewundern.

Kooperationsvertrag verlängert

Der Kooperationsvertrag zwischen den Heilbronner Falken und den Adlern Mannheim ist bis 2023 verlängert worden. Das gaben beide Clubs am Mittwoch bekannt. "Ein klar definiertes Ziel besteht darin, dass beide Clubs immer mindestes unter den Top sechs in ihren Ligen stehen wollen", sagte Falken-Geschäftsführer Stefan Rapp. Heilbronn soll künftig noch stärker vom Scouting-Netzwerk des DEL-Clubs profitieren, dem auch der aktuelle Coach Bill Stewart angehört, der aber nur bis zum Saisonende hinter der Bande stehen wird. Der Olympia-Silbermedaillengewinner von 2018, Marcel Goc, soll künftig die Entwicklung der jungen Spieler im Blick behalten, Trainingspläne gestalten und als Bindeglied zwischen Adlern und Falken fungieren. Trotz der noch engeren Verzahnung pocht Stefan Rapp auf die Eigenständigkeit der Heilbronner Falken: "Wir sind nicht nur ein Farmteam der Adler."


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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