Dylan Wruck, der mit dem Puck tanzt

Eishockey  Selbst in einer für die Falken missratenen Saison glänzt Topscorer Dylan Wruck mit Eleganz und Effektivität. Klar, dass den 28-jährigen Deutsch-Kanadier alle gerne in Heilbronn halten wollen.

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Leichtfüßig, elegant, effektiv: Falken-Topscorer Dylan Wruck hat den Kopf fast immer oben, trifft mit dem gewonnenen Überblick einfach bessere Entscheidungen als andere.

Foto: Marc Schmerbeck

Wenn schon Bill Stewart keine Idee hat, wer bitte schön dann? Der Kanadier überlegt, kramt in seinen Erinnerungen. Sortiert die Eindrücke. Sagt dann: "Ich weiß es nicht." Der Trainer der Heilbronner Falken, immerhin ein alter Hase, hat keine Ahnung, was sein bester Spieler, was Dylan Wruck, verbessern könnte. Mehr Lob geht fast nicht angesichts der Lage des Teams, das zu großen Teilen der Saison auf dem letzten Tabellenplatz stand. Und: Stewart redet immer Klartext, legt den Finger in die Wunde. Auch öffentlich. Motto: Wer nicht gut ist, der ist raus. So einfach ist das bei ihm.

Zuletzt hatte es Torhüter Matthias Nemec getroffen, einen der Etablierten, der nach seiner durchwachsenen Leistung am Dienstag bereits zwei Tage später nicht einmal mehr im Kader stand. Solange ein anderer es besser machen könnte, kennt der Trainer kein Pardon. Aber merklich besser als Wruck: geht nicht. An den Deutschkanadier kommt kaum ein anderer ran. Im Team nicht. Selbst in der DEL 2 spielen nur die wenigsten auf dem Niveau. 64 Scorerpunkte hat er in 42 Spielen bisher gesammelt, weit mehr Treffer vorbereitet (47) als geschossen (17).

Geschäftsführer Stefan Rapp ist von ihm fasziniert

Auch wenn der 28-Jährige die 88 Punkte aus der Vorsaison, die ihn zum Topscorer und Spieler des Jahres machten, wahrscheinlich nicht mehr erreicht, ist seine Leistung in der für sein Team grausamen Runde nur umso beachtlicher. Egal, wie schlecht die Falken auch sind: Dylan Wruck hat auch in seinem zweiten Jahr in der DEL 2 an Effektivität und Eleganz nichts eingebüßt. "Es ist faszinierend, dass er trotz der schwierigen Situation noch immer dieselbe Energie, denselben Enthusiasmus an den Tag legt. Das zeigt seine ganze Professionalität", findet Stefan Rapp. Das motiviere sogar ihn in seiner Arbeit, sagt der Geschäftsführer der Falken.

Wer Wruck spielen sieht, gewinnt den Eindruck, ihm könne nichts was anhaben. Es sieht beinahe leicht aus, wie er den Puck führt, sich auf engstem Raum behauptet. Den Kopf immer oben, alles im Blick, lauernd auf die Gelegenheit für den perfekten Pass. Dabei hat er mit seinen gerade einmal 1,75 Metern eigentlich einen Nachteil, diese fehlende körperliche Präsenz jedoch gleicht er mit seiner hohen Spielintelligenz aus.

 

Eishockey ist für ihn immer ein Spiel geblieben

Er weiß: Von ihm wird das erwartet. Noch hat er stets geliefert. Unter größtem Druck. "Als Sportler solltest du diesen Druck genießen", findet Wruck. "Wenn es um was geht, macht es doch erst Spaß. Ich brauche das." Für den in Kanada geborenen Könner, der in der DEL für Iserlohn, Köln und Straubing gespielt hat, ist Eishockey ein Spiel. Selbst als es zu seinem Job wurde, ist es das immer geblieben: ein Spiel. "Nur wenn ich es so behandle, kann ich auch mein Bestes geben." Er erweist dem Spiel seinen Respekt.

 

Es ist nur ein Teil seines Geheimnisses. Ein anderer: sein großes Talent. "Du kannst noch so hart arbeiten: Wenn du die Fähigkeiten nicht hast, bringt dir das gar nichts", sagt Stewart. Dylan Wruck bringe beides mit: Talent und Wille. Einen wie ihn wünschen sich Trainer, ein Vorbild, einer, der kaum Aufwand macht und trotzdem immer weiß, was er zu tun hat. Wruck sei ein sehr wirkungsvoller Spieler. Ein Unterschiedsspieler. Auch vom Kopf. "Er lässt keine negativen Gefühle im Spiel zu, lässt nie nach", sagt Stewart. Nicht kaputt zu kriegen. Ein Duracell-Häschen sagt Nemec über den Mitspieler.

Wruck: Die einzige Statistik, die zählt, ist die Teamstatistik

Wruck gibt sich dem Spiel hin, er fühlt sich ein. "Wenn du zuversichtlich bist, verlangsamt es das Spiel ein bisschen. Dann kannst du in den großen Momenten da sein." Wobei es ihm nicht um die eigene Statistik geht: "Die einzige Statistik, die zählt, ist die Teamstatistik." Es sei schwer, persönlichen Erfolg zu spüren, wenn das Team nicht erfolgreich ist. Deswegen fragt er sich, was er noch mehr tun kann, um das zu ändern. Bei 30 und mehr Minuten pro Spiel auf dem Eis: eigentlich unmöglich.

Klar, dass ihn alle gerne in Heilbronn halten wollen. "Ich machen mir jetzt keine Gedanken darüber", sagt Wruck, der im Mai erstmals Vater wird. "Wir haben das Kinderzimmer schon eingerichtet." Ein positives Zeichen? Vielleicht, sagt Wruck. Im Moment aber gilt der Fokus der Saison. Und auch, wenn der aktuelle Dylan Wruck gut sei, "gibt es doch immer was zu verbessern".


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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