Die Rechnung in der DEL 2 ist eine andere

Eishockey  Konjunkturpaket und Teil-Zulassung von Zuschauern machen den Saisonstart in der DEL 2 möglich. Eine Dauerlösung kann es aber nicht sein, sonst drohen immense wirtschaftliche Probleme.

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Ausverkauftes Haus: 4000 Zuschauer im Eisstadion Heilbronn, wie hier im Derby gegen Bietigheim, wird es so schnell nicht wieder geben.

Foto: Archiv/Andreas Veigel

Angesichts ihrer großen wirtschaftlichen Not hat sich die Deutsche Eishockey Liga (DEL) zumindest bisher nicht zu einer erneuten Verschiebung ihres Saisonstarts durchringen können. Die Entscheidung darüber soll Ende kommender Woche getroffen werden. Bis dahin fordert die Liga jedoch verbindliche Zusagen der Politik für einen Spielbetrieb mit mehr Zuschauern.

Die 20 Prozent der eigentlichen Zuschauer-Kapazitäten, die momentan erlaubt sind, seien für einen wirtschaftlich seriösen Spielbetrieb für die meisten DEL-Clubs zu wenig, erklärte Aufsichtsratschef Jürgen Arnold am Montag. "Uns fehlen für einen verantwortungsvollen Saisonstart rund 60 Millionen Euro, die wir ohne die Hilfe Dritter alleine nicht aufbringen können", sagte er. Nach vorherigen Signalen aus der Politik hatte man auf erheblich mehr Zuschauer gehofft. "Wir können und wollen kein Harakiri begehen", sagte Arnold am Montag nach stundenlangen Beratungen der 14 Clubs.

DEL 2 will erst einmal starten und dann auf weitere Lockerungen hoffen

Harakiri kommt selbstverständlich auch für die Clubs der DEL 2 nicht in Frage. An ihrem Starttermin hält die zweithöchste deutsche Spielklasse jedoch auch unter den derzeit geltenden Bedingungen fest. "Ich kann die Forderungen der DEL nachvollziehen, aber für uns ist es definitiv besser, erstmal anzufangen und zu spielen", sagte DEL-2-Geschäftsführer René Rudorisch am Dienstag im Gespräch mit der HSt. Gemeinsam haben sich die 14 Vereine der DEL2 darauf verständigt, sich an den Strohhalm eines Starts mit vorerst eingeschränktem Zuschauerzuspruch zu klammern - und auf weitere Lockerungen zu hoffen.

Die Situation sei im Unterhaus jedoch auch eine andere, meint Rudorisch. Während er die Ticketausfälle in der DEL 2 bei eingeschränkter Kapazität je nach Verein auf 0,5 bis 1,5 Millionen Euro beziffert, "reicht das in der DEL nicht aus. Da ist eher von fünf bis acht Millionen Euro auszugehen", sagt Rudorisch.

In Heilbronn lassen sich ein, zwei Monate überbrücken - mehr aber nicht

Summen, die sich auch durch das Konjunkturpaket Sport nicht ansatzweise ausgleichen ließen. Da haben es die DEL-2-Clubs besser. "Bis zu 80 Prozent unserer Ticketausfälle sind durch die Hilfen abgedeckt." Bis zu 800.000 Euro seien pro Club bei entsprechendem Nachweis auf die Weise abrufbar. Angesichts der immensen Ausfälle in der DEL zu wenig, im Fall der DEL2 zumindest über einen gewissen Zeitraum vertretbar. "Ein, zwei Monate können wir unter diesen Umständen Eishockey in Heilbronn spielen, auf Dauer geht es aber nicht", sagt Stefan Rapp.

Zumal ein Verein erstmal antragsberechtigt sein muss, sagt der Geschäftsführer der Heilbronner Falken. "Das lässt sich pauschal nicht sagen", erklärt Rapp. Die Falken befänden sich mit einem Steuerberater im Gespräch, noch aber war eine Beantragung nicht möglich. "Die Website war nicht freigeschaltet, es soll wohl auch noch was vom Bund angepasst werden."

Auf Dauer sollen natürlich andere Zustände her. "Wir sind nicht durchs Ziel, nur weil wir anfangen zu spielen", sagt auch Rudorisch. Ende des Jahres laufen die Beihilfen aus, sollten bis dahin nicht wieder mehr Zuschauer zugelassen sein, hätte auch die DEL2 wirtschaftlich große Not. Das sei eine ganz einfache Rechnung. "Wir arbeiten aber in Gesprächen daraufhin, dass sich der Rahmen verbessert und keinesfalls verschlechtert."


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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