Die lange Reise der Falken zum Glück

Eishockey  DEL2-Heilbronn dreht am Samstagabend die Eishockey-Partie in Bayreuth in letzter Minute und gewinnt nach einer Energieleistung noch mit 3:2. Doch im 43. Spiel hilft auch Fortuna mit.

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Er machte das Glück perfekt: Stefan Della Rovere (vorne) fing einen Pass der Bayreuther ab und traf 52 Sekunden vor Schluss zum 3:2-Endstand.

Foto: Mario Berger

Da war es also. Beinahe hätte Stefan Rapp nicht mehr daran geglaubt. Am 43. Spieltag schlug es dann aber zu, bescherte dem Geschäftsführer der Heilbronner Falken eine besondere Premiere. "Es war das erste Mal seit ich hier bin, dass ich Glück live miterleben durfte", sagte Stefan Rapp am Sonntag nach dem 3:2 (1:1, 0:1, 2:0) der Mannschaft von Bill Stewart am Abend zuvor bei den Bayreuth Tigers.

Siegtreffer nachgelegt

Zuvor hatten die Falken lange mit 1:2 zurückgelegen - und viel deutete wahrlich nicht mehr darauf hin, dass sie das Eis als Sieger verlassen würden. Drei Minuten vor Schluss: noch immer 1:2 aus Sicht der Gäste. Doch dann kam der Puck zu Marcus Götz. Der Verteidiger fackelte nicht lange, feuerte die Scheibe einfach mal aufs Tor - und hatte Glück. Sein Schuss ging glatt durch, schlug im nächsten Moment im langen Eck ein. 2:2. Und damit nicht genug: Die Heilbronner, die im Schlussabschnitt das bessere Team waren, legten gleich noch den Siegtreffer nach.

Die letzte Minute der Partie war gerade angebrochen, der perfekte Zeitpunkt für einen großen Auftritt. Als hätte Stefan Della Rovere geahnt, was Kurt Davis da vor hatte, fing der Falken-Stürmer den Aufbaupass im Stile eines Abfangjägers ab, zog nach innen - und traf mitten ins Glück. 52 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit hatten die Unterländer das Kellerduell gedreht, nahmen ganz wichtige Punkte mit.

Mehr Druck im Schlussdrittel

Keine Zeit zum Ausruhen: An diesem Montag sind die Heilbronner Falken in der DEL2gleich wieder gefordert, treten den Tölzer Löwen an (19.30 Uhr/Sprade TV). Der Tabellenzweite hat zurzeit einen Lauf, hat aus den letzten fünf Spielen 13 Punkte geholt. "Ich erwarte ein kämpferisches Spiel auf technisch hohem Niveau", sagt Falken-Manager Stefan Rapp. 

So glücklich der Sieg in Bayreuth mit zwei Treffern in der Schlussphase war: Unverdient war er nicht, fand Rapp. "Wir haben im letzten Drittel mehr Druck gemacht." Es war in der Tat der beste der drei Abschnitte der Falken, die beim Stand von 1:2 kommen mussten. Eine Niederlage durfte sich das Team von Bill Stewart im Rennen um Platz acht und die Playoffs bei einem direkten Konkurrenten nicht leisten.

Vor der Partie war absehbar, dass der Gewinner dieses Duells auch ein Gewinner im Keller sein würde. Bevor es bei den Tigers losging, waren mit Crimmitschau, Weißwasser und Dresden drei unmittelbare Konkurrenten der Falken bereits leer ausgegangen, einen weiteren würde es im Parallelspiel zwischen Landshut und Bad Nauheim treffen. Ideale Voraussetzungen für die Falken, um weiter an Boden gut zu machen.

Rückschläge sind ärgerlich

Doch die Reise der Falken zu ihrem Glück war keine leichte. Nahezu unverändert im Vergleich zum 7:3 zuletzt gegen den EV Landshut hatten sich die Falken auf den Weg gemacht. Valentino Klos stand nicht im Aufgebot, für ihn rückte Lukas Ribarik in die vierte Reihe. Und doch verlief der Auftakt zäh - es entwickelte sich ein konfuses Spiel mit wenig Zug zum Tor. Auf beiden Seiten, wohl gemerkt. Und doch war das 1:0 von Dylan Wruck (17.) verdient, aber eben schnell überholt, da Bayreuth durch Markus Lillich im Gegenzug zum 1:1 ausglich. Ärgerlich fand Yannik Valenti den direkten Rückschlag. "Das zieht sich schon über Wochen hinweg", sagte er in der Pause.

Ärgerlich auch, weil Bayreuth im zweiten Abschnitt den Ton angab und die Falken Probleme hatten, sich zu befreien, ihr Spiel aufzuziehen Die Konsequenz: Das 2:1 für die Franken durch Kurt Davis (28.). Und diese Führung hatte bis kurz vor Schluss Bestand. Die Falken kamen nicht richtig in Schwung. "Es war sicher kein rühmliches Spiel", räumte auch Rapp ein. "Wenn die beide Torhüter am Ende zum beste Spieler gewählt werden, sagt das viel über den Spielverlauf."

Aufs Tempo gedrückt

Keine Frage: Bayreuth machte es mit der Führung im Rücken gut, ließ die Falken nicht zur Entfaltung kommen. Trotz des kleinen Kaders. "Sie haben das gut gemacht", lobte Stewart. Zwar drückten die Falken im letzten Drittel aufs Tempo - drei Minuten vor Schluss aber lag eine Niederlage noch im Bereich des Möglichen. Bis Götz kam und ausglich, bis Della Rovere den Siegtreffer erzielte. "Wir haben uns schwer getan und haben am Ende Glück gehabt", sagte Stewart hinterher. "Warum sollen wir nicht auch einmal Glück haben", fragt Stefan Rapp. Schließlich hätten sie ja lange genug gewartet.


Tor: Mnich, Tiefensee. Abwehr: Götz - Philipp Preto; Mapes - Dziambor, Maginot - Länger. Angriff: Nicholls - Koch - Gervais, Valenti - Wruck - Della Rovere, Pierre Preto - Neal - Kirsch, Thiel - Knaub - Ribarik, Reisz. Tore: 0:1 (17.) Wruck, 1:1 (18.) Lillich, 2:1 (28.) Davis, 2:2 (57.) Götz, 2:3 (60.) Della Rovere. Strafminuten: 6/6. Schiedsrichter: Aleksander Polaczek, Markus Schütz. Zuschauer: 0.


 


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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