Die Heilbronner Falken bekommen einen neuen Geschäftsführer

Eishockey  Attila Eren geht, dafür beginnt der Neue am 11. Mai. Stefan Rapp ist dem Sport seit vielen Jahren eng verbunden und will das Profieishockey in der Stadt Heilbronn und der ganzen Region weiter etablieren.

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Stefan Rapp wird neuer Geschäftsführer bei den Heilbronner Falken. Foto: Privat

Um kurz nach 16 Uhr am Montagnachmittag ging kurze Zeit nichts mehr auf der Homepage der Heilbronner Falken. Fehler 500. Ein interner Serverfehler. Kurze Zeit später aber platzte die Bombe: Atilla Eren gibt seinen Posten als Geschäftsführer des DEL-2-Clubs überraschend mit sofortiger Wirkung ab. Sein Nachfolger wird Stefan Rapp. Der 49-Jährige aus Mannheim war zuletzt als selbständiger Unternehmensberater tätig. Ein Paukenschlag.

Ein noch größerer als bei Erens Amtsantritt vor sechs Jahren. Dabei gibt es durchaus Parallelen. Damals war es ein gut gehütetes Geheimnis, wer auf Ernst Rupp als Geschäftsführer der Falken folgen sollte. Niemand hatte Atilla Eren auf der Rechnung. Entsprechend riesig war die Überraschung, als die Heilbronner den damals 48-jährigen Eren im Januar 2014 präsentierten. Der Buschfunk hatte zur Freude des früheren HEC-Vorsitzenden Timo Dietz versagt. Genauso wie in diesen Tagen. Von seinem Abschied hätten "allein die Gesellschafter" gewusst, sagt Atilla Eren. Die haben dicht gehalten. Sein Abschied erfolgt "absolut aus freien Stücken" und sei schon etwas länger geplant gewesen. "Es war einfach an der Zeit, das Zepter zu übergeben", sagt Eren.

Eren bleibt als Gesellschafter erhalten

Er bleibt den Heilbronner Falken als einer von insgesamt vier Gesellschaftern erhalten. Im März 2017 waren mit Eren noch Rainer Maurer und Franz Böllinger beim Zweitligisten eingestiegen. Für 150 000 Euro hatten sie die GmbH vom Alleingesellschafter und Stammverein Heilbronner EC übernommen. Mit dem Heilbronner Unternehmer Steffen Schnizer kam noch ein vierter Gesellschafter hinzu. Schnizer ist vielen Zuschauern als Stadionsprecher bekannt - er leitet auch die Pressekonferenzen bei Heimspielen.

Bei seinem Amtsantritt vor sechs Jahren legte Atilla Eren einen Kaltstart hin: Zwei Monate lang führte er die Geschäfte mit seinem Vorgänger zusammen und war in alle Entscheidungen für die Nach-Rupp-Ära eingebunden. Nach dessen Rückzug indes war Eren auf sich gestellt - in einem Job, der wie kaum ein anderer im Heilbronner Sport kritisch beäugt wird. Eren betonte immer, dass er gewusst habe, worauf er sich einließ. Die Kritik seitens der Fans war mitunter groß, zumal es sportlich alles andere als gut lief.

Ein guter Steuermann in schweren Zeiten

Plötzlich ist Schluss

Im Januar vor sechs Jahren präsentierte HEC-Vorsitzender Timo Dietz (links) Atilla Eren überraschend als neuen Falken-Geschäftsführer. Der verabschiedet sich nun genauso überraschend.

Foto: Archiv/Veigel

Schon bei seinem Amtsantritt spielten die Falken um den Klassenerhalt, legten 2013/2014 eine Katastrophen-Saison hin. Das auf Meisterschaft getrimmte und mit Hochkarätern verstärkte Team kratzte noch die Kurve, hielt die DEL 2 sportlich. Danach folgte eine Zäsur, die aus finanziellen Gründen notwendig geworden war. Sportlich ging es bergab, zwei Mal retteten sich die Falken in der Folge am Grünen Tisch.

Eren erwies sich in der schweren Zeit für die Falken mit seinem kaufmännischem Hintergrund als guter Steuermann. "Er hat die Falken seit 2014 konsolidiert und mit den anderen Gesellschaftern neu ausgerichtet", heißt es in einer Vereinsmitteilung. "Gemeinsam ist es gelungen, die Falken in den vergangenen Jahren auf eine solide finanzielle und sportlich vielversprechende Basis zu stellen." In der wegen der Corona-Pandemie abgebrochenen Saison waren die Heilbronner als Hauptrunden-Vierter auf dem Weg, die Früchte der finanziell guten Basis zu ernten. Umso überraschender ist das Ausscheiden von Eren.

Das Geschäftsjahr ist ordentlich abgeschlossen

Für den hat sich der Erfolg aber bereits eingestellt. Er sei angetreten, um Dinge zu verändern. "Wir haben jetzt einen ganz anderen Status, haben eine ganz andere Struktur geschaffen, auf der man aufbauen kann. Das ist aber eine neue Herausforderung", findet Eren. "Ich genieße es, künftig alles aus der Perspektive des Gesellschafters zu betrachten." Seinem Nachfolger stehe er bei Fragen aber gerne zur Verfügung. "Mir war wichtig, dass ich das Geschäftsjahr noch ordentlich abschließe - das ist gelungen."

Den Übergang mit Lizensierung und schon anvisierten Spielerverpflichtungen hat Eren bis zum Schluss begleitet. Jetzt will er sich eine neue berufliche Aufgabe suchen. Der Kontakt zu Stefan Rapp sei über einen der Gesellschafter entstanden. Obwohl er aus Mannheim kommt, habe Rapp aber nichts mit Kooperationspartner Adler Mannheim zu tun. Gesellschafter Maurer glaubt in Rapp den richtigen Mann gefunden zu haben: "Er bringt viel Energie, Ehrgeiz und die notwenige Leidenschaft mit, um die Heilbronner Falken auf dem Weg als Publikumssportart Nummer eins in der Region weiter zu entwickeln."

Ein Mannheimer für das Heilbronner Eishockey

Der neue Geschäftsführer der Falken wohnt in Mannheim und ist dem Eishockey von kleinauf eng verbunden. "Ich bin schon immer begeisterter Fan und, sofern es meine Zeit erlaubt, auch gerne als Hobbyspieler auf dem Eis", sagt Stefan Rapp. Er verfolge die Falken durch seinen Kontakt zu den Gesellschaftern seit längerer Zeit intensiv. Sein primäres Ziel ist es, das Profi-Eishockey in der Stadt und der Region noch weiter zu etablieren. "Ich weiß um das Erbe, das ich angetreten habe, sehe aber vor allem das sehr gute Fundament, auf dem sich aufbauen lässt. Auch vor dem Hintergrund der besonderen Herausforderungen durch die Corona-Krise freue ich mich riesig auf die neue Aufgabe", sagt Rapp im Gespräch mit der HSt. Der 49-Jährige ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Seine eigene Unternehmensberatungs-GmbH in Mannheim wird er nicht aufgeben, dennoch Vollzeit in Heilbronn arbeiten. Dazu wird er ein Apartment in der Stadt beziehen. 

 


Der Sanierer
Ein Kommentar von Stephan Sonntag

Er kam wie er ging: mit einem Knalleffekt. Atilla Eren ist ein nüchterner, reflektierter Mensch, ein manchmal unterkühlt wirkender Analytiker, kein emotionaler Hans Dampf in allen Gassen. Doch wie seinem Antritt bei den Falken vor sechs Jahren verlieh er jetzt auch seinem Abgang öffentliche Sprengkraft. Mit sofortiger Wirkung scheidet der 54-Jährige aus seinem Amt aus.

Sein Nachfolger Stefan Rapp ist im Profisport-Business ebenso unbeleckt, wie Eren es bei seinem Amtsantritt war. Der fehlende Eishockey-Sachverstand war ein immer wiederkehrender Vorwurf gegen den bisherigen Falken-Geschäftsführer. Ebenso wie die ihm häufig attestierte Arroganz.

De facto war er aber der richtige Mann zur richtigen Zeit am Ruder der Falken GmbH. Es spricht für seine Integrität, dass er öffentlich nie ein schlechtes Wort über seinen Vorgänger Ernst Rupp verloren hat. Der hatte ihm ein gewaltiges Finanzloch hinterlassen und mit Igor Pawlow einen menschlich mehr als schwierigen Coach. Buchhalterisch-akribisch machte Eren sich ans Scherben aufkehren, teilweise im Wortsinne.

Entrümpelt, aufgeräumt und modernisiert kamen Geschäftsstelle und Spielerkabine schon zum Saisonstart 14/15 daher. Die finanzielle Konsolidierung nahm mehr Zeit in Anspruch und ließ sich nur auf Kosten des sportlichen Erfolgs bewerkstelligen. Zwei Mal in Folge stiegen die Falken sportlich in die Oberliga ab, hatten aber jeweils Glück, am Grünen Tisch die Klasse zu halten. Eren verzichtete auf Teile seines Managergehalts. Die 2017 installierte neue Gesellschafterstruktur schaffte schließlich die nötigen finanziellen Spielräume für eine Trendwende. Als einer von mittlerweile vier Gesellschaftern ging Eren auch persönlich ins Risiko.

In den vergangenen drei Spielzeiten waren die Falken auf einem guten Weg, sich zu der regionalen Premiummarke zu entwickeln, die Eren sich als Ziel gesetzt hatte. Ein neues Logo, viele Marketingaktionen und natürlich der wachsende sportliche Erfolg waren hierfür ausschlaggebend. Die Früchte seiner Arbeit wird Eren nicht mehr ernten. Aber er hinterlässt seinem Nachfolger ein bestelltes Feld, dessen Ertragaussichten selbst in Zeiten der Corona-Krise vielversprechend sind.

 

 


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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