Heilbronner Falken offenbaren neue Fähigkeiten

Eishockey  Diszipliniert, defensiv- und zweikampfstark holen ersatzgeschwächte Heilbronner zwei Punkte beim Meisterschaftsfavoriten in Frankfurt.

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Vom tragischen Held zum Matchwinner: Bryce Gervais.

Foto: Archiv/Thorwartl

Wie schon in der Vorsaison scheint ein Auswärtsspiel in Frankfurt zu offenbaren, was die Falken in dieser Saison wirklich draufhaben. Vor Jahresfrist hatten die Heilbronner nach einem starken Comeback nach 0:3-Rückstand zum 3:3 ausgeglichen, am Ende aber unglücklich mit 3:5 verloren.

Am Freitagabend gewann das ersatzgeschwächte Team von Trainer Michel Zeiter nach einer höchst disziplinierten und kampfstarken Leistung verdient mit 3:2 (0:0, 1:0, 1:2) in der Overtime und sicherte sich damit im dritten Saisonspiel die ersten beiden Zähler.

"Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Sie hat super gekämpft und war defensiv stabil", sagte der Schweizer Coach nach seinem Premierensieg in der DEL 2.

Goalie Arno Tiefensee feiert sein Debüt in der DEL 2

Im fehlenden Septett der Falken war Torhüter Matthias Nemec sicher der schmerzlichste Ausfall. Trotz der elf Gegentore in den ersten beiden Spielen war der 30-Jährige der große Rückhalt. Für ihn kam der zwölf Jahre jüngere Arno Tiefensee zu seinem DEL-2-Debüt.

Und musste schon in der dritten Minute in höchster Not gegen den gebürtigen Heilbronner Mike Fischer retten. Das gab Sicherheit und spätestens nach zwei Maskentreffern war Tiefensee tief drin im Profieishockey.

Glück hatte der Goalie allerdings in der achten Minute, als ein Schuss von Alexej Dmitriev an ihm vorbei gegen den Pfosten prallte. Das war die beste Chance der Gastgeber, die sich in der einzigen Überzahlsituation des ersten Drittels die Zähne am starken Penaltykilling der Falken ausbissen.

Dosiertes, aber wirkungsvolles Forechecking

Überhaupt - die Falken waren deutlich präsenter in den Zweikämpfen als zuletzt gegen Bad Tölz. Angesichts von nur drei Blöcken setzten sie das Forechecking dosiert, aber wirkungsvoll ein. In der Rückwärtsbewegung agierten sie diszipliniert.

Da der Fokus klar auf defensiver Stabilität lag, litt ein wenig das Angriffsspiel. Die beste Chance vergab Dylan Wruck Sekunden vor Drittelende gegen Patrick Klein im Löwen-Tor.

Das überraschend ausgeglichene Anfangsdrittel (Torschussverhältnis 8:8) gab den Falken zusätzlichen Mut. Mit viel Elan kamen sie zurück aufs Eis und belohnten sich schnell für den Angriffsschwung. Aus einem Getümmel an der Bande stahl sich Jan-Luca Schumacher die Scheibe und schloß wie ein alter Hase mit der Rückhand zum 1:0 ab.

Das erste Saisontor für den 19-Jährigen und die erste Führung für die Heilbronner in der doch jungen Saison. Der Meisterschaftsfavorit enttäuschte im Mitteldrittel völlig, spielte fahrig mit vielen technischen Fehlern. Die Führung der Falken war verdient.

Gervais war schon auf dem Weg zum tragischen Helden des Spiels und wurde zum Matchwinner

Im Schlussdrittel war Bryce Gervais dann drauf und dran zur tragischen Figur zu werden. Schon in den ersten beiden Spielen hatte der Kanadier hundertprozentige Chancen liegen lassen. Gegen Frankfurt waren es gleich zwei Alleingänge, die der 28-Jährige ungenutzt ließ (45./53.).

Das erste Scheitern schien zunächst unerheblich, denn in der 48. Minute stellte der ebenfalls klar verbesserte Marcus Götz mit einem satten Schuss von der blauen Linie den Spielstand auf 2:0.

Doch die Frankfurter packten jetzt die Brechstange aus. Mit zwei deckungsgleichen Toren in Überzahl gelang ihnen der Ausgleich. Christian Kretschmann staubte jeweils vor dem Tor ab (51./57.). Die ersten Gegentore für Tiefensee im Profi-Eishockey, dem Zeiter dennoch eine "Riesenleistung" attestierte. Jetzt tat die vertane Gervais-Chance zum möglichen 3:1 in der 53. Minute richtig weh.

Doch gerade wenn einem das Schicksal so gar nicht hold scheint, kommt in der Overtime ein Traumpass von Wruck daher, den selbst Zitterhändchen Gervais zum Siegtreffer verwertete.

Tor: Tiefensee, Schickedanz; Abwehr: Götz - Philipp Preto, Pavlu - Maschmeyer, Mapes - Maginot; Angriff: Della Rovere - Wruck - Gervais, Kirsch - Miller - Neal, Pierre Preto - Klos - Valenti.

Tore: 0:1 (26.) Schumacher, 0:2 (48.) Götz, 1:2 (51.) Kretschmann, 2:2 (57.) Kretschmann, 2:3 (63.) Gervais. Schiedsrichter: Nicole Hertrich, Carsten Lenhart. Strafminuten: 10/8.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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