Heilbronner Falken drehen die Partie und machen aus einem 1:4 noch ein 6:4

Eishockey  Das muss der Stewart-Effekt sein: DEL2-Schlusslicht Heilbronn gewinnt ein fast schon verlorenes Kellerduell gegen Weißwasser. Josh Nicholls ist der Mann des Spiels.

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Auch das musste sein: Heilbronns Michael Knaub (rechts) lieferte sich mit Ex-Falke Brad Ross Anfang des zweiten Drittels eine wüste Keilerei.

Foto: Andreas Veigel

Kaufbeuren: zwei Mal. Dresden: zwei Mal. Ein Mal Bayreuth: Noch immer haben die Heilbronner Falken ein Kellerduell in dieser Saison verloren. Ihre Chancen alle liegen lassen, um zur Konkurrenz aufzuschließen. Und auch gegen die Lausitzer Füchse sah es am Sonntagabend lange so aus, als würde das Team von Bill Stewart patzen. 1:4 lagen die Gastgeber bereits zurück, dann setzte der Stewart-Effekt ein: Das Schlusslicht der DEL 2 drehte die Partie und gewann noch mit 6:4 (1:2, 1:2, 4:0).

Der Start misslang 

"Wir haben 30 Minuten lang nicht die Intensität gezeigt, die wir brauche, um Erfolg zu haben", sagte Stewart. Dann aber hätten seine Jungs Charakter bewiesen. Den Start aber misslang. 1:2 zur ersten Pause: Das war entgegen der Pläne von Stewart und erinnerte an die alten Falken, die es so unter dem Kanadier eigentlich nicht mehr geben sollte. Rückständen hinterherzulaufen, hatte der 63-Jährige als eines der typischen Heilbronner Probleme ausgemacht. Wie in Crimmitschau lautete der Matchplan: in Führung und mit einem Vorsprung in die Pause zu gehen. Klappte nicht.

Mit der ersten Chance trafen die Lausitzer Füchse in der dritten Minute zum 1:0. Weil Rylan Schwartz an der blauen Linie unfassbar viel Zeit hatte, einfach abzog. Nicht fest. Aber Arno Tiefensee war die Sicht versperrt - der Schuss vielleicht noch abgefälscht. Und der erste Plan obsolet. Die Gastgeber antworteten prompt, eine Minute später traf Dylan Wruck zum 1:1. Schnell und konsequent: So gefällt das dem neuen Trainer.

Was Stewart weniger gefallen haben dürfte, war dann die abermalige Führung der Gäste. Weil Tiefensee bei einem Angriff den Überblick verloren hatte und gar nicht bemerkte, dass der Puck hinter ihm frei lag und Ryan Schwartz es leicht hatte. Weil Justin Kirsch im direkten Gegenzug das 2:2 verpasste. Und letztlich, weil die Falken auch zur Pause hinten lagen. Sie machten zu wenig aus ihren Chancen, mussten jedoch auch froh sein, dass Weißwasser die Führung nicht ausbaute. Unbefriedigend.

Bill Stewarts Sorgen nahmen im zweiten Abschnitt eher noch zu, als wie erhofft ab. Die Füchse trafen in Person von Andrew Clark nämlich schnell zum 3:1 (22. Minute), was zu einfach war. Und auch zum 1:4 (31.), als Stewart schon den Keeper gewechselt hatte.

Überzahl wirkt aktuell wie eine Bürde für die Falken

Ein Problem, das Stewart offenbar verfolgt: das Powerplay. Vor dem 1:4 waren die Falken 76 Sekunden lang zwei Mann mehr auf dem Eis, gaben jedoch keinen Schuss ab. Überzahl wirkt aktuell wie eine Bürde für die Falken.

Auch sonst lief das Drittel eher an den Gastgebern vorbei: Weißwasser verdiente sich den Vorsprung, hätte das 5:1 nachlegen können, sogar müssen. Als sich alle schon damit abgefunden hatten, dass es mit drei Treffern Rückstand in die Pause geht, gaben die Falken ein kleines Lebenszeichen von sich: 49 Sekunden vor der Pausensirene traf Verteidiger Arkadiusz Dziambor noch zum 2:4. Ein Hoffnungsschimmer. Nein: Viel mehr als das. Es war der Wendepunkt.

Die Topspieler in die Pflicht genommen

Denn im letzten Abschnitt kannte das Spiel nur eine Richtung: auf das Tor der Gäste. Bill Stewart hatte die richtigen Knöpfe in der Pause gefunden und gedrückt und vor allem seine Topspieler in die Pflicht genommen. Die Falken erhöhten sukzessive den Druck, das 3:4 durch Davis Koch (47.) war dann das letzte fehlende Puzzleteil. Urplötzlich war das Selbstvertrauen zurück, und auf einmal lief es auch im Powerplay: Elf Sekunden brauchten die Falken Mitte des Abschnitts, um durch den guten Stefan Della Rovere in Überzahl das 4:4 herzustellen (51.).

Auch ihre erste Führung führten die Heilbronner mit einem Mann mehr auf dem Eis herbei: Diesmal war der Spieler des Spiels, Josh Nicholls, der Torschütze. Wären Zuschauer erlaubt: Die Eishalle hätte gebebt. Als die Füchse ihren Keeper vom Eis nahmen, markierte Josh Nicholls das 6:4. Die Falken sind wieder dran am Rest.

Mehr Infos zum Spiel

Tor: Tiefensee, Mnich. Abwehr: Götz - Philipp Preto, Mapes - Dziambor, Maginot - Länger. Angriff: Kirsch - Wruck - Gervais, Nicholls - Koch - Della Rovere, Thiel - Neal - Ribarik, Calce - Reisz - Knaub. Tore: 0:1 (3.) Schwartz, 1:1 (4.) Wruck, 1:2 (8.) Andres, 1:3 (22.) Clark, 1:4 (31.) Schwartz, 2:4 (40.) Dziambor, 3:4 (47.) Koch, 4:4 (51.) Della Rovere, 5:4 (56.) Nicholls, 6:4 (60.) Nicholls. Strafminuten: 10/18. Schiedsrichter: Martin Holzer, Carsten Lenhart.

 


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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