Die Falken bewahren in Ravensburg kühlen Kopf

Eishockey  Die Heilbronner Falken spielen in Ravensburg stark, verpassen beim 3:1-Sieg beim Tabellensechsten aber eine frühere Entscheidung. Am Ende zeigt das Team von Bill Stewart aber Nerverstärke und gibt die Rote Laterne des Tabellenletzten der DEL 2 ab.

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Dylan Wruck war einmal mehr die Lebensversicherung der Falken: Der DEL-2-Topscorer des Vorjahres steuerte beim 3:1 der Unterländer in Ravensburg ein Tor und eine feine Vorlage bei.

Foto: Andreas Veigel

Puh, kräftig durchatmen. Unnötig spannend haben es die Heilbronner Falken bei den Ravensburg Towerstars am Sonntag gemacht. Das Team von Bill Stewart gab über weite Strecken der Partie den Ton an, verpasste es beim 3:1 (1:0, 1:1, 1:0) aber, den Sack früher zuzumachen. Die Falken betrieben zuweilen Chancenwucher - Dylan Wruck machte mit seinem Treffer ins leere Tor erst acht Sekunden vor Ende den Deckel endgültig auf die Partie drauf. "Wir haben im zweiten Drittel das Momentum verloren, haben es uns im dritten Drittel aber zurückgeholt", sagte Stewart.

Personell unverändert gingen die Falken ihre Aufgabe beim weiterhin amtierenden Meister an: Im Tor gab Stewart dem schon gegen Kassel so überragenden Florian Mnich erneut den Vorzug. Auch spielerisch knüpfte das Team da an, wo es am Freitag aufgehört hatte und erarbeitete sich von Beginn an ein Übergewicht. Vor allem fiel der Zug zum Tor auf: Heilbronn feuerte bei jeder Gelegenheit, brachte es in den ersten 20 Minuten auf 17 Schüsse. Die Gäste auf sechs.

Die Falken lassen Ravensburg nicht zur Entfaltung kommen

"Wir bringen alles, was geht, aufs Tor", sagte Simon Thiel in der Pause zur Marschroute. Die Falken fuhren damit gut. Auch, weil Ravensburg so nicht zur Entfaltung kam. Es war ein Hase-und-Igel-Spiel: Wo die Towerstars hin wollten, da warteten die Falken schon. Die Gäste waren eklig, störten früh und erstickten das Aufbauspiel des Tabellensechsten schon im Keim.

Einziges Manko nach dem ersten Drittel: Es stand nur 0:1. Das Tor indes war vom Feinsten, Dylan Wruck bediente seinen Flügelstürmer Bryce Gervais und der schob die Scheibe durch die Schoner von Keeper Jonas Langmann. "Ein super herausgespieltes Tor, super Auge von Wruck", lobte der Ravensburger Torwarttrainer und Ex-Falke Christian Rohde in der Drittel-Analyse bei Sprade TV. Heilbronn war eben in allen Belangen überlegen.

Die Gastgeber übersehen Josh Nicholls komplett - 0:2

Und die Falken blieben sich auch nach der Pause zunächst treu. Also weiter überlegen, einerseits. Betrieben andererseits jedoch auch weiter Chancenwucher. Zuvor aber erzielte Josh Nicholls das 2:0: Von den Gastgebern übersehen, mit langem Pass bedient, tanzte er frei vor dem Kasten Langmann aus (23.). Danach ließen aber nacheinander Gervais und Maschmeyer (24.) und erneut Josh Nicholls allein vor dem Tor (25.) das 3:0 liegen. Ravensburgs Coach Marc Vorderbrüggen reichte es dennoch: Er nahm eine Auszeit.

Doch erst mit dem 1:2 drei Minuten später stabilisierte sich das Spiel der Gastgeber. Der Treffer aber war glücklich: Vincenz Mayer zog auf gut Glück ab, sein satter Schuss sprang vom Innenpfosten zurück an Mnich und von da ins Tor (28.). Danach war das Spiel etwas ausgeglichener, aber auch, weil Heilbronn zwei Strafen in Folge zog - und mit zwei Mann weniger klarkommen musste. Das Unterzahlspiel der Falken aber klappt derzeit sehr gut: Wie schon gegen Kassel ließ das Stewart-Team nichts anbrennen. So ging es auch in die zweite Pause mit knappem Vorsprung.

Dylan Wruck macht den Sieg acht Sekunden vor Schluss perfekt

Das weckte den Lebenssgeist der Gastgeber: Ravensburg machte viel Druck, wollte den Unterländern den Schneid abkaufen. Aber so leicht ließen sich die Falken auch nicht knacken. Es ging hin und her - und beide Teams ließen beste Chancen aus. Wruck vergab einen Penalty (52.). Als die Gastgeber alles riskierten und Langmann vom Eis holten, traf Wruck zum 3:1 ins leere Tor. Mit dem Sieg gaben die Falken auch die Rote Laterne an Bad Nauheim ab.

Tor: Mnich, Tiefensee. Abwehr: Götz - Philipp Preto, Maginot - Mapes, Maschmeyer - Dziambor, Länger. Angriff: Gervais - Wruck - Valenti, Nicholls - Koch - Della Rovere, Kirsch - Neal - Thiel, Calce - Reisz - Ribarik. Tore: 0:1 (7.) Gervais, 0:2 (23.) Nicholls, 1:2 (28.) Mayer, 1:3 (60.) Wruck. Strafminuten: 6/6. Schiedsrichter: Marcus Brill, Robert Paule. Zuschauer: 0.

 

Stewart hat keine Zweifel, dass die großen Schritte noch kommen

Natürlich wären Bill Stewart ein oder besser gleich zwei Punkte mehr gegen Kassel am Freitag lieber gewesen. Der Trainer der Heilbronner Falken jedoch konnte das verschmerzen. "Wichtiger war mir zu sehen, dass das Team eine gute, konstante Leistung gezeigt hat", sagte der Kanadier. Seine Mannschaft habe erstmal die "babysteps", also die kleinen Schritte, zu machen, bevor die großen Folgen können. Und dass Heilbronn die machen wird, daran hat Bill Stewart offenbar keine Zweifel. "Wir haben noch 19 Spiele zu spielen", sagte er am Freitag nach dem 3:4 nach Penaltyschießen. "Und es wäre großartig, dann in der ersten Playoff-Runde auf Kassel zu treffen." 


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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