DEL2-Derby der Heilbronner Falken gegen die Bietigheim Steelers

Eishockey  Das Coaching des neuen Trainers der Heilbronner Falken ist für viele Beobachter der Grund, dass die Falken das Spiel gegen Weißwasser gedreht haben. Die drei Punkte der Heilbronner Falken gehen größtenteils auf Stewarts Konto. Nun hat Bill Stewart mit seinem Team am Dienstag das DEL2-Derby gegen die Bietigheim Steelers vor der Brust.

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Der Kopf hinter dem Team: Der neue Trainer Bill Stewart hat bisher ein gutes Händchen im Umgang mit den Heilbronner Falken gezeigt.

Foto: Andreas Veigel

Na klar, die Torwartleistung. Das Powerplay: auch, ganz sicher. Und eine deutliche Leistungssteigerung im letzten Drittel. Typen wie Stefan Della Rovere. Und die beiden Treffer von Josh Nicholls. Alles hat am Ende dazu beigetragen, dass die Heilbronner Falken gegen Weißwasser ein 1:4 zum 6:4-Sieg drehten. Der Ursprung des Erfolgs, da waren sich Beobachter am Sonntagabend aber sicher, lag allein: im Coaching. An Bill Stewart.

Stewart trifft die richtigen Entscheidungen

Die Entscheidungen, die der neue Falken-Trainer in der Partie getroffen hatte, und die Ruhe, die er ausstrahlte, als es auf dem Eis gar nicht lief: Das alles imponierte den Verantwortlichen. "Er hat von außen nicht noch zusätzlich Aggressivität reingebracht, damit die Spieler weiter an sich glauben", sagt Manager Stefan Rapp.

Doch in der Kabine fand der Kanadier offenbar die richtigen, jedoch auch deutlichen Worte. Nach dem Spiel danach gefragt, was er seinem Team mit auf dem Weg gegeben hatte, grinste Stewart: "Manchmal muss man halt ein paar Knöpfe drücken", sagte der 63-Jährige schelmisch.

Der Trainer nimmt die Topspieler in die Pflicht

Stewart forderte mehr Selbstvertrauen und nahm vor allem die Topspieler in die Pflicht. "Ich war nicht glücklich damit, wie unsere besten Spieler bis dahin gespielt haben", sagte Stewart, der in diesem Umstand auch den Grund für das katastrophale Powerplay sah. Die Botschaft kam an, es änderte sich: alles.

"Er gibt uns sehr viel Struktur, hat uns daran erinnert, das Spiel einfach zu halten", sagte Davis Koch, der mit dem Treffer zum 3:4 im letzten Abschnitt den Torreigen zu einem 4:0-Lauf eröffnete.

Seine erste offensichtliche Maßnahme hatte Stewart bereits in der 22. Minute vorgenommen, als er den von ihm geschätzten Torhüter Arno Tiefensee nach dem 1:3 raus nahm. Eine harte Entscheidung? "Eine notwendige", sagte Stewart, der sich um persönliche Befindlichkeiten in einer solchen Phase nicht kümmern kann. "Ich schaue nicht in den Rückspiegel, nur durch die Frontscheibe."

Der Erfolg gibt ihm recht. "Er hat es im Endeffekt richtig gemacht. Er hat gesehen, dass er was tun musste", sah auch Tiefensee ein, dessen Laune sich durch den Sieg besserte. Florian Mnich gab im Kasten einen guten Ersatzmann ab. "Er hat mitgeholfen, das Spiel zu gewinnen", sagt Stewart, dessen Team dann Charakter gezeigt habe.

Sieg gibt den Falken Selbstvertrauen

Daran waren die Gäste nicht unschuldig, wie Chris Straube beklagte. "Wir haben einen Weg gefunden zu verlieren, einen neuen Weg", monierte der Trainer, dass die Füchse einmal mehr eine Führung verspielten. Für Stewart und seine Falken stellte sich die Sache anders da: dass sie einen Weg gefunden haben, das Spiel doch noch zu gewinnen.

Das gibt Selbstvertrauen für das Derby diesen Dienstag bei den Steelers (19.30 Uhr/ SpradeTV), wobei Tiefensee sagt: "Es war nie ganz weg, aber jetzt sind auch Resultate da - das gibt uns die Gewissheit, dass wir gewinnen können." Natürlich auch beim Nachbarn.

Aber dafür, das machte Bill Stewart klar, muss noch einmal eine andere Leistung her, vor allem ein besserer Auftakt. "Wenn wir gegen Bietigheim so starten wie heute, haben wir keine Chance, da zu gewinnen." Aber genau das wollen die Falken: gewinnen. Oder wie Tiefensee sagt: "Es geht darum, die Siegesserie am Leben zu halten. Egal, gegen wen."

Bietigheim hat durchaus Respekt

Und die Entwicklungen bei den Heilbronner Falken sind auch dem Nachbarn nicht verborgen geblieben. "Man sieht, dass sich was verändert, die Mannschaft tritt anders auf", sagt Volker Schoch. Der Manager der Bietigheim Steelers erkennt darin die Handschrift des neuen Trainers Bill Stewart.

"Einer wie er weiß, welche Werkzeuge man wie einsetzen muss", meint er. Das helfe. Denn eins weiß auch Schoch: "Heilbronn hat nominell eine gute Mannschaft." Die Voraussetzung für das Derby an diesem Dienstag (19.30 Uhr) in Bietigheim sind auch daher völlig andere als vor drei Wochen.

Beim 1:4 Anfang Februar legte Heilbronn auswärts einen unterirdischen Auftritt hin, der das Schicksal von Trainer Michel Zeiter besiegelte. Danach trennten sich die Falken von dem Schweizer, zauberten mit Hilfe des Kooperationspartners Mannheim Bill Stewart hervor, der nun seine Derby-Premiere erlebt.

Seit dem letzten Derby hat sich einiges verändert

Doch auch der Gegner ist nicht mehr derselbe: Anfang Februar kamen die Steelers auf dem Zahnfleisch daher, brachten mit zwei zusätzlichen Nachwuchsspielern gerade noch zweieinhalb Reihen zusammen. "Wir sind gut durch diese von vielen Verletzungen geprägte Phase gekommen", konstatiert der Manager des Tabellendritten.

Stützen fehlen Mit C. J. Stretch, Benjamin Zientek sowie Maximilian Renner fallen zwar noch drei wichtige Stützen aus, dennoch hat sich die personelle Lage bei den Steelers deutlich entspannt - auch, weil Bietigheim nochmal nachgelegt hat. Drei Tage nach dem Derbysieg besetzte Schoch die vierte Kontingentstelle mit Evan Jasper und holte Robin Just (Ravensburg) zurück.

Neuzugänge geben Steelers mehr Optionen

Profis, die neben ihrer Qualität auch quantitativ für die notwendige Entlastung sorgen. Ihm gehe es auch darum, die Spieler in der speziellen Saison zu schützen, "um die Masse an Partien zu bewältigen", sagt Schoch. Für die Steelers stehen noch 19 Hauptrundenspiele an, dann folgen die Playoffs, an deren Erreichen kaum Zweifel bestehen.

"Sportlich sind wir im Soll", sagt Schoch. Auch wenn die Konkurrenz seinem Team im Nacken sitzt. "Fünf Mannschaften machen die Plätze zwei bis vier unter sich aus." Patzer sind angesichts der engen Abstände nicht drin - schon gar nicht im Derby. Auch wenn die Partie in der Organisation diese Saison ein Spiel wie jedes andere ist, "ist es auf dem Eis noch immer speziell".


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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