DEL2-Boss Rudorisch legt Prioritäten fest

Eishockey  Als am Donnerstag das vorzeitige Ende der DEL2-Hauptrunde verkündet wurde, war der Unmut in Crimmitschau groß. Doch ein positiver Corona-Fall bei den Eispiraten lässt die Kritik verstummen. Unterdessen hat sich DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch in einem Interview zu der Entscheidung geäußert.

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Die 2018 vertraglich vereinbarte Auf- und Abstiegsregelung will DEL2-Boss René Rudorisch (Mitte) keinesfalls gefährden.

Foto: imago-images/Pressefoto Baumann

"Crimmitschau spielt die ganze Saison ohne Coronafall und wird dann von dieser Liga komplett verarscht", lautete ein Facebook-Beitrag, der viel Unterstützung fand. Am Freitag wurde dann bekannt, was die Anhängerschaft der Eispiraten tags zuvor noch nicht wusste: ein positiver Corona-Verdachtsfall bestätigte sich, auch die Crimmitschauer wurden in häusliche Quarantäne geschickt.

DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch nahm am Freitagmorgen in einem in den sozialen Medien veröffentlichten Interview Stellung zur Entscheidung der Gesellschafter. Als langjähriger Geschäftsführer der Eispiraten äußerte der 42-Jährige Verständnis für den Unmut: "Die Hauptrunde mit einer nach der Quotientenregelung errechneten Tabelle zu beenden, stellte eine harte Entscheidung für die Clubs an der Schwelle dar."

 

Ausreichend Chancen, Punkte zu sammeln

Er betonte aber auch, dass alle Mannschaften "ausreichend Chancen hatten, Punkte zu sammeln" und rechnete vor, dass die Chancen der Crimmitschauer auf sportlichem Wege an den Heilbronner Falken vorbeizuziehen, minimal gewesen wären. "Es zeugt von Größe, dass die Verantwortlichen der Eispiraten die Entscheidung mitgetragen haben", lobte Rudorisch insbesondere deren Geschäftsführer Jörg Buschmann, der am Donnerstag natürlich bereits über den Verdachtsfall in den eigenen Reihen informiert war.

Rudorisch machte darüber hinaus klar, wo die Prioritäten für die Liga liegen. Über allem stehe "der Schutz der Spieler". Angesichts der vielen positiven Fälle über Ostern wäre es aus seiner Sicht unverantwortlich gewesen, den Spielbetrieb an diesem Wochenende fortzusetzen und weitere Ansteckungen zu riskieren. Denn dann wäre zwangsläufig die Austragung der Playoffs in Gefahr geraten. "Die wollen wir möglichst komplett abbilden", erklärte Rudorisch.

 

Potenziellem Aufsteiger den Weg in DEL ermöglichen

Dabei geht es weniger darum, einen Meister zu küren, sondern einem potenziellen Aufsteiger den Weg in die DEL zu ermöglichen. Jahrelang hat die DEL 2 mit Rudorisch an der Spitze für die Aufstiegsregelung gekämpft. In dieser Saison greift sie erstmals, diese Gelegenheit soll nicht verstreichen. Mit Kassel, Frankfurt und Bietigheim haben drei der in den Playoffs vertretenen Clubs einen Antrag auf eine DEL-Lizenz gestellt.

Nur als DEL2-Meister mit mindestens sechs Siegen in den Playoffs darf einer der Kandidaten aber tatsächlich hinauf in den Olymp des deutschen Eishockeys. Daher wird jetzt bereits fieberhaft daran gearbeitet, Konzepte zu entwickeln, die weitere Corona-Fälle in den Playoffs verhindern.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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