DEL 2 und Falken kontern wilde Vorwürfe des Bietigheimer OB

Eishockey  Jürgen Kessing hat wegen der Lizenzverweigerung für die Steelers zum verbalen Rundumschlag ausgeholt, der DEL2 ein "komisches Geschäftsgebaren" vorgeworfen und allen anderen Clubs unterstellt, bei der Lizenzierung falsche Zahlen vorgelegt zu haben. Die Aussagen erzeugen Widerspruch.

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Übte harsche Kritik an der DEL2: Bietigheims OB Jürgen Kessing.

Foto: Archiv/Veigel

Das Schwarze-Peter-Spiel um die Gründe für die Lizenzverweigerung der Bietigheim Steelers ist in vollem Gange. Während die Fans in den sozialen Medien gegen Geschäftsführer Volker Schoch keilen und seine sofortige Ablösung fordern, teilt Bietigheims Oberbürgermeister Jürgen Kessing in Richtung der DEL2 aus.

"Es konnte einem schon so vorkommen, als würde die Liga immer neue Auflagen finden, die die Steelers erfüllen müssen", sagte das Stadtoberhaupt der "Bietigheimer Zeitung" (Mittwochsausgabe).

DEL-2-Geschäftsführer kontert Bietigheims OB

Diesem Vorwurf widerspricht DEL-2-Geschäftsführer René Rudorisch gegenüber der Stimme vehement: "Gerade das ist eben nicht der Fall und wird aus meiner Sicht versucht falsch darzustellen." Die gestellten Anforderungen seien die gleichen gewesen, die Bietigheim auch in den vergangenen Jahren hätte nachweisen müssen. "Insofern war bereits mit Einreichung der Lizenzunterlagen klar, was für eine positive Lizenzierung zu erbringen ist. Dass man dies im Rahmen des Prüfungszeitraumes von mehr als fünf Wochen nicht erfüllen kann, wäre falsch der Liga oder den Prüfern in die Schuhe zu schieben", so Rudorisch.

Kessing legte jedoch noch nach. Der 63-Jährige warf der DEL2 ein "komisches Geschäftsgebaren" vor und verstieg sich mit Blick auf die übrigen 13 Clubs sogar zu der Aussage: "Vielleicht waren die Bietigheimer die einzigen, die ehrliche Zahlen präsentierten."

Falken-Boss Rapp verbittet sich Pauschalurteile

Diese Unterstellung möchte Falken-Geschäftsführer Stefan Rapp nicht unkommentiert lassen: "Ich verbitte mir solche Pauschalaussagen." Immerhin würden die vorgelegten Zahlen ja auch noch von einem externen Wirtschaftsprüfer begutachtet, dem Ungereimtheiten sicher nicht entgangen wären.

Dies bestätigte gegenüber der Stimme auch der DEL-2-Aufsichtsratsvorsitzende Peter Merten. Der einstimmige Beschluss des Gremiums für die Lizenzverweigerung der Steelers sei auf Empfehlung dieses schon seit vielen Jahren für die DEL2 tätigen Experten erfolgt. "Die Fakten waren glasklar, wir hätten keinen anderen Beschluss treffen können", sagt Merten, der noch einmal betont, dass es sicher nicht am guten Willen gegenüber des Clubs gefehlt habe.

Vergleich als mögliche Lösung vor Gericht

Mit Blick auf das von den Steelers angestrebte Verfahren vor dem DEL-Schiedsgericht dürften die Vorwürfe in Richtung der Liga eher kontraproduktiv sein. "Natürlich kann ich verstehen, dass man ein Stück weit verärgert ist darüber, dass die Lizenzerteilung über den Aufsichtsrat nicht erfolgen konnte. Allerdings sollte man, bevor man am grundsätzlichen System Kritik äußert, dieses kennen und sich mit den tatsächlichen Ablehnungsgründen beschäftigen", erklärte Rudorisch.

Ganz bewusst hatte der DEL-2-Aufsichtsrat dem Club schließlich den Rechtsweg als allerletzte Option aufgezeigt. Hier könnte eine für alle Seiten gesichtswahrende Lösung in einem Vergleich bestehen. Dafür wäre es für die sportlich wie politischen Verantwortungsträger der Stadt aber sicher ratsam, weniger angriffslustig und deutlich demütiger aufzutreten.

 

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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