Bisher hatten die Bietigheim Steelers immer das letzte Wort

Eishockey  Es war ein Auf und Ab mit Happy End: Die Saison begann für die Steelers mit der Lizenzverweigerung. Jetzt spielt der Nachbar der Falken um den DEL-Aufstieg.

Email

Steelers-Manager Volker Schoch ist begeistert.

Foto: imago images/Baumann

Die Ironie der Geschichte lässt sich nicht von der Hand weisen. Es ist noch kein Jahr her, da verkündete die DEL2, dass die Bietigheim Steelers als einziger Verein für die neue Saison keine Lizenz erhalten würde. Ein mittleres Erdbeben, natürlich. Gehört doch der Nachbar der Heilbronner Falken seit mehreren Jahren mit zum Besten, was diese Liga zu bieten hat.

Doch es kam anders, die Steelers bekamen die Lizenz im Nachsitzen, legten noch eine Bürgschaft für die DEL obendrauf - und spielen diesen Samstag (17 Uhr/SpradeTV) im alles entscheidenden fünften Spiel der Serie gegen die Kassel Huskies um den Erstliga-Aufstieg. "Das ist schon ein wenig aberwitzig", meint Volker Schoch. Der Steelers-Geschäftsführer erlebte am Donnerstagabend auf der Tribüne im eigenen Stadion mit leicht erhöhtem Puls mit, wie sein Team die Finalserie gegen die favorisierten Hessen - die bereits mit 2:0 Spielen vorne lagen - ausglich.

Ein Auf und Ab mit Happy End

In der allerletzten Sekunde der Partie avancierte Tim Schüle zum Matchwinner, die Uhr im Stadion zeigte 59 Minuten und 59 Sekunden an, als der Schuss des Verteidigers im Kasten der Gäste einschlug und den abermaligen Krimi beendete. Bietigheim hatte in diesem vierten Aufeinandertreffen mit 2:0 geführt, ehe Kassel die Partie drehte, 3:2 in Führung lag. Bietigheim ließ indes nicht locker. Kam zurück. Gewann. 5:4. "Schade, dass so ein Spiel ohne Zuschauer stattfindet", meinte Schoch hinterher.

 

Dieses Auf und Ab, wie es auch in Spiel vier zu sehen war: Die Steelers haben es zwar nicht erfunden. Aber sie haben es in dieser Saison gefühlt perfektioniert. Jedes Mal sind sie als Sieger hervorgegangen. Das Ringen um die Lizenz? Nach einem Rückschlag gewonnen. Schoch erinnert sich trotzdem ungern. "Wir hatten ja nie wirtschaftliche Probleme, es ging allein um die Einhaltung der Fristen", sagt er. Eine intensive, nervenaufreibende Zeit. "Andere Clubs haben unsere Spieler angerufen und gesagt, sie sollen doch lieber zu ihnen wechseln, weil wir ohnehin bald insolvent sind."

"Wir haben ein Team, das einen unglaublichen Charakter hat"

Der Manager entkräftete die Gerüchte, sagte den Spielern aber, dass er verstehen könne, wenn sie entsprechende Angebote annehmen würden. "Da stehen ja Familien dahinter." Seine Spieler sind geblieben. Alle. "Wir haben ein Team, das einen unglaublichen Charakter hat", sagt Schoch stolz.

Mit diesem Pfund haben die Steelers auch die anderen Playoff-Runden überstanden: nach 2:0-Führung gegen Frankfurt und Freiburg, den jeweiligen Ausgleich zum 2:2, noch mit 3:2. Immer ein Auf und Ab. Und immer hieß der Sieger am Ende Bietigheim. Und im Finale diesen Samstag? "Egal, was kommt: Wir können schon jetzt unheimlich stolz sein", findet der Manager.

 

Steelers wollen aufsteigen

Das Wort Aufstieg habe er bisher nicht in den Mund genommen. Kassel hat die DEL dagegen von Anfang an zum Ziel erklärt, entsprechend investiert. "Wir mussten nicht groß investieren", sagt Volker Schoch, der seine vierte Kontingentstelle sogar erst im Februar besetzte. Die Mannschaft jetzt sei vielmehr das Ergebnis eines schon länger anhaltenden und so gewollten Entwicklungsprozesses. "Vor drei Jahren waren wir für die DEL noch nicht so weit", sagt Schoch. Jetzt schon.

Jetzt spricht der Geschäftsführer vom Steelers-Aufstieg. "Wir fahren ja nicht nach Kassel, um Meister zu werden. Wir fahren nach Kassel, um aufzusteigen", sagt Schoch. Sollte es sportlich gelingen und der Club die Lizenz erhalten, will man hoch. "Alles andere wäre doch schwer zu erklären." Eine Bank-Bürgschaft über 815.000 Euro zum Erwerb der DEL-Gesellschafteranteile hat ein Gönner hinterlegt. Am Dienstag müssen die Lizenzunterlagen vorliegen. Der Club arbeitet mit Hochdruck daran.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

Kommentar hinzufügen