Auf dem Weg zur Nummer eins bei den Heilbronner Falken

Eishockey  Als Not-Transfer gekommen, hat sich Florian Mnich bei den Falken etabliert und maßgeblichen Anteil an der jüngsten Erfolgsserie. Aber auch er musste in der kurzen Zeit in Heilbronn schon einige schwierige Situationen meistern.

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Eben noch in Selb, wenige Tage später in Heilbronn: Florian Mnich bei seinem Falken-Debüt am 12. Februar in Landshut.

Die Torhüter der Heilbronner Falken haben es unter Bill Stewart nicht leicht. Schon drei Mal in seinen bisher 15 DEL-2-Partien machte "Kill Bill" seinem Spitznamen alle Ehre und holte einen Goalie vorzeitig vom Eis. "Wer nicht funktioniert, muss runter", lautet die simple Devise des 63-jährigen Kanadiers. Es gilt aber auch: "Never change a winning team".

Insofern hat Florian Mnich beste Aussichten, auch am Freitag (20 Uhr) beim - frei nach Louis van Gaal - Tod-oder-Gladiolen-Spiel gegen die Eispiraten Crimmitschau zwischen den Pfosten zu stehen.

Bei den jüngsten drei Erfolgen gegen Landshut, Bayreuth und Bad Tölz durfte der 21-Jährige das Heilbronner Tor hüten. Mit einer Fangquote von 90,6 Prozent ist der gebürtige Passauer aktuell auch der statistisch beste der drei Falken-Goalies. "Ich weiß aktuell aber noch nicht, ob ich Freitag im Tor stehe", sagte Mnich im Stimme-Gespräch nach dem Donnerstagstraining.

Mnich war der mit Abstand beste Goalie der Oberliga

Erst am 12. Februar tauchte der Name des Linksfängers erstmals im Kader der Falken auf. Zuvor hatte der in Mannheim unter Vertrag stehende Youngster für Drittligist Selb gespielt. Mit 94,7 Prozent Fangquote war er der mit Abstand beste Goalie der Oberliga Süd. Noch am 11. Februar trainierte er mit den Wölfen. Mittags kam der Anruf vom Mannheimer Teamleiter Youri Ziffzer, dass Mnich fortan den verletzten Matthias Nemec in Heilbronn ersetzen solle.

Auf dem Weg zur Nummer eins

Drei Mal hat Bill Stewart während des Spiels den Goalie gewechselt. Keine einfache Situation für Arno Tiefensee (re.) und Florian Mnich. Foto: Archiv/Veigel

"Das waren stressige 24 Stunden mit Wohnung ausräumen, Sachen ins Auto packen und von den Jungs verabschieden", sagt Mnich. Groß vorstellen musste er sich bei den Falken nicht, viele Spieler kannte er vom Sommertraining und seiner ersten Zeit in Heilbronn in der Saison 18/19.

Bei der 4:7-Niederlage am 14. Februar gegen Bayreuth feierte Mnich ein unschönes Saisondebüt. Noch bitterer für ihn persönlich verlief am 2. März der 4:2-Sieg gegen Kassel, als Stewart ihn nach zwei frühen Gegentoren in der achten Minute vom Eis holte. "Du brauchst einfach ein kurzes Gedächtnis", erklärt Mnich seinen Umgang mit solchen Situationen. "Natürlich ist das ärgerlich, aber es bringt nichts, drei Spiele später immer noch darüber zu jammern." Stewart sprach nach der Partie kurz über seine Gründe für die Auswechslung, damit war das Thema erledigt.

Über die Saison hinaus macht er sich noch keine Gedanken

Der Übergang von Liga drei in Liga zwei bekam Mnich dennoch schnell hin. "Es ist natürlich dasselbe Spiel, aber in der DEL 2 geht es viel schneller zu, es gibt mehr Taktik und Struktur. In der Oberliga ist vieles Freestyle", sagt Mnich. Seit seiner Einwechslung am 6. März in Bad Nauheim hat er sechs der jüngsten sieben Partien von Anfang bis Ende bestritten. Als Nummer eins im Tor fühlt er sich aber nicht. "Ich freue mich, wenn der Coach mir das Vertrauen schenkt. Wie es weitergeht, wird man sehen."

Ob es für ihn nächste Saison in Heilbronn weitergeht, darüber macht er sich aktuell noch keine Gedanken. "Es gibt gerade Wichtigeres", sagt Mnich mit Blick auf das große Ziel Playoffteilnahme. Sein Ex-Team Selb bestreitet am Freitagabend bereits das zweite Playoff-Spiel. Ob er lieber dort wäre? "Nein. Natürlich beobachte ich, wie es in Selb läuft, aber ich bin voll und ganz in Heilbronn." Und wenn ihm schon die Oberliga-Playoffs genommen wurden, will er nun unbedingt die DEL-2-Playoffs erreichen.

Phantom-Tor abgehakt

Das Tor zum 2:0 von Travis Ewanyk beim Crimmitschauer 3:0-Sieg am Sonntag gegen Bayreuth war keins. Statt ins Netz, flog die Scheibe weiter über das Gehäuse. Da es keinerlei Proteste gab, wurde auch kein Videobeweis durchgeführt. Das Unparteiischen-Gespann entschuldigte sich am Dienstag für die Fehleinschätzung. "Es tut uns leid und ärgert uns selbst", sagte Hauptschiedsrichter Jens Steinecke. Bayreuth hat auf einen Protest gegen die Spielwertung verzichtet. 

 

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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