Zum Saisonstart lobt Falken-Trainer Mellitzer die Arbeitsmoral des Teams

Eishockey  Falken-Trainer Alexander Mellitzer geht am Freitag in seine zweite DEL2-Saison. Im Interview spricht er über die Arbeitseinstellung seines Teams, die Kultur des Verdienens - und er räumt mit einem Gerücht auf

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Er ist angekommen: Seit einem Jahr lebt Alexander Mellitzer mit seiner Familie in der Region, fühlt sich wohl. Mit den Falken geht der Trainer am Freitag in seine zweite DEL2-Saison. Der 39-Jährige strotzt nur so vor Tatendrang.

"Ab 13. September heißt die Devise Vollgas"

DIE HEILBRONNER FALKEN Vorne von links: Fabian Krull (Betreuer), Florian Mnich, Alex Nikiforuk, Derek Damon, Alexander Mellitzer (Cheftrainer), Matthias Nemec, Ilkka Pakarinen (Assistenztrainer), Dylan Wruck, Brock Maschmeyer, Mirko Pantkowski, Sibylle Nies (Sporttherapeutin). Zweite Reihe: Friedrich Büttner (Medizinisches Team), Pierre Preto, Corey Mapes, Sebastian Hon, Michael Knaub, Kevin Maginot, Jan Pavlu, Tim Miller, Samuel Somaries, Thomas Motsch (Physiotherapeut). Hintere Reihe: Marco Schütz (Team-Manager), Stefan Della Rovere, Louis Brune, Tobias Möller, Ian Brady, Marcus Götz, Valentino Klos, Yannik Valenti, Olaf Zetzsche (Teamarzt), Dr. Oliver Eckardt (Teamarzt).

 

Herr Mellitzer, als Kärntner in Deutschland − wie war das erste Jahr für Sie persönlich?

Alexander Mellitzer: Meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl, die Leute sind traumhaft zu uns, sehr hilfsbereit. Ich kann gar nicht genug gute Dinge über das Leben und die Menschen hier in Heilbronn sagen.

 

Sie sind viel unterwegs, viel in der Eishalle. Gelingt es da eigentlich, persönliche Kontakte außerhalb des Eishockey-Kosmos zu knüpfen?

Mellitzer: Ich bin kein Typ, der Schwierigkeiten hat, Anschluss zu finden. Natürlich ist mein persönliches Umfeld zum größten Teil von Menschen mit Bezug zum Eishockey geprägt. Wir haben aber auch in unserem Wohnort Erlenbach Bekanntschaften geschlossen und unsere Stammlokale gefunden. Es passt alles, ich kann mich voll und ganz auf den Job konzentrieren.

 

Der Job ist ein gutes Stichwort. Die sechswöchige Saisonvorbereitung ist zu Ende. Was war gut?

Mellitzer: Die Arbeitseinstellung auf und abseits des Eises, wie die Jungs das neue Spielsystem angenommen haben, die Laufbereitschaft in jedem Training − das war wirklich alles sehr gut.

 

Was war weniger gut?

Mellitzer: Nicht so gut war die Personalsituation. Alex Nikiforuk hat sich gleich im ersten Training verletzt, hinzu kam die Absage von Greg Gibson. Dadurch haben wir bestimmte Powerplay-Situationen nicht trainieren können. Mit seinen 35 Jahren ist Alex aber erfahren genug, um sich schnell einzufinden und Bryce Gervais wird als Gibson-Ersatz eine dominante Rolle in unserem Team einnehmen.

 

Angesichts der Tatsache, dass zwei der drei Kontingent-Stürmer nicht einsetzbar waren, bekommen die ersten DEL-2-Spiele dadurch den Charakter von weiteren Vorbereitungsspielen?

Mellitzer: Auf keinen Fall. Wir wollen einen starken Start hinlegen, ab 13. September heißt die Devise Vollgas. Natürlich kann es ein bisschen dauern, bis alle Rädchen ineinander greifen. Die Saison ist ein Marathonlauf, bei dem es auf eine gute Balance ankommt. Nach einem Sieg gilt es, auf dem Teppich zu bleiben und nach einer Niederlage, nicht in ein Loch zu fallen.

 

Durch die Abgänge von Justin Kirsch, Kevin Lavallée, Roope Ranta und Greg Gibson gehen den Falken 250 Scorerpunkte verloren. Wer soll das Quartett in dieser Saison ersetzen?

Mellitzer: Wir haben mit Tim Miller, Dylan Wruck und Stefan Della Rovere erfahrene Spieler mit deutschem Pass verpflichtet, die die verlorenen Scorerpunkte zusammen mit den Kontingentstürmern ersetzen können. Es geht aber nicht darum, dass wir drei Spieler unter die Top zehn in der Scorerliste bringen, sondern dass wir als Mannschaft erfolgreich spielen. Das genannte Trio wird zusätzlich auch unsere Defensive festigen.

 

Gibt es einen Spieler, dem Sie nachtrauern?

Mellitzer: Naja, Justin Kirsch hat schon einen überragenden Schuss, gerade im Powerplay war das immer eine Waffe. Es hat sich aber in der Vorbereitung gezeigt, dass Yannik Valenti über eine ähnliche "Bombe" verfügt.

 

Ist Youngster Valenti der Gewinner der Vorbereitung?

Mellitzer: Er hat natürlich in unserer Top-Powerplay-Formation gespielt und viel Eiszeit bekommen. Die Idee war, dass ihn kreative Spieler wie Derek Damon und Dylan Wruck in Szene setzen. Die Beiden haben ein unglaubliches Auge und Yannik vollstreckt dann mit seinem sensationellen Schuss. Das hat in der Vorbereitung gepasst und ich hoffe, dass es auch in der Saison passt.

 

Mit Matthias Nemec wurde ein erfahrener DEL-2-Goalie verpflichtet. Wird er sich mit Stammgoalie Mirko Pantkowski abwechseln, oder gibt es eine klare Nummer eins?

Mellitzer: Wir pflegen eine Kultur des Verdienens, der beste Torhüter spielt. Beide müssen jedes Wochenende bereit sein, müssen sich weiterentwickeln. Über die Saison gesehen wollen wir die Spiele so aufteilen, dass beide Torhüter frisch sind, ihre bestmögliche Leistung abrufen und wir basierend auf guten Torhüterleistungen so viele Spiele wie möglich gewinnen.

 

Welchen Einfluss hatte Derek Damon auf die Kaderplanung? In Fankreisen wird kolportiert, der Kapitän treffe viele Entscheidungen.

Mellitzer: Keine Ahnung, wie solche Gerüchte entstehen. Fakt ist, wir kommen gut miteinander aus, haben uns auch über die Sommerpause regelmäßig ausgetauscht. Wenn ich Informationen zu einem möglichen Neuzugang brauche, kommt es vor, dass ich einen meiner Spieler gezielt frage, falls er denjenigen kennt und schon mit ihm zusammengespielt hat. Die endgültigen Entscheidungen treffen aber immer Atilla Eren und ich.

 

Defensiv stärker, körperbetonter − so wollen die Falken der Saison 2019/2020 auftreten. Wird Heilbronn das Team der Strafbankkönige?

Mellitzer: Die meisten Strafen gibt es wegen Faulheit. Haken, Halten, Beinstellen sind Ergebnis mangelnden Eislaufens. Wenn vor dem Tor mal aufgeräumt wird, dann habe ich kein Problem damit, wenn es mal eine Strafe gibt. Spielertypen wie Della Rovere, Miller oder Michael Knaub sind keine Kinder von Traurigkeit, aber wir haben sie geholt, weil sie Eishockey spielen können und nicht weil sie gut boxen.

 

Wer wird das Rennen um den DEL-2-Titel machen?

Mellitzer: Die üblichen Verdächtigen. Ravensburg als Titelverteidiger hat mir vergangene Saison als Mannschaft sehr gut gefallen. Bietigheim wird stark sein, Weißwasser war keine Eintagsfliege. Tölz hat mit Kevin Gaudet einen erfahrenen Trainer verpflichtet, der mit seinen Methoden schon sehr erfolgreich war in der Liga.

 

Die Tölzer haben kürzlich die Vision Deutscher Meister 2026 ausgegeben. Sollten die Falken nicht auch eine langfristige Perspektive entwickeln?

Mellitzer: Ziele sind natürlich wichtig, sofern sie realistisch erreichbar sind. Aus einer Vision kann schnell eine Illusion werden. Es muss also schon ein konkreter Plan dahinter stehen. Ich finde es gut, wenn ein Club langfristige Pläne entwickelt. Die müssen aber unabhängig von der Person des Trainers gestaltet sein, insofern bin ich der falsche Ansprechpartner. Weder Kevin Gaudet noch ich können heute sagen, wo es uns bis 2026 hinverschlägt.

 


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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