Wieder jubeln nicht die Falken

Eishockey  Gegen mitunter sehr starke Löwen wachen die Heilbronner Falken zu spät auf. Ein gutes letztes Drittel reicht nicht aus, um Frankfurt zu schlagen. Am Ende verliert Heilbronn 3:6 und geht am Wochenende komplett leer aus.

Von Martin Peter

Wieder jubeln nur die anderen
Das ging zu schnell für die Heilbronner Falken: Einen schnell vorgetragenen Angriff vollendete Matthew Pistilli mit seinem zweiten Treffer des Abends zum 5:1 für Frankfurt. Florian Mnich im Tor hatte keine Chance. Foto: Andreas Veigel

Wenn die Heilbronner Falken derzeit spielen, dann jubeln hinterher meist die anderen Clubs: Mit dem 3:6 (0:2, 2:3, 1:1) gegen starke Löwen aus Frankfurt hat die Mannschaft von Alexander Mellitzer das Wochenende komplett vergeigt und gerät im Kampf um einen guten Pre-Playoff-Platz zunehmend unter Druck. Die Frankfurter Klasse in Ehren: Die Falken zeigten zu spät, wozu sie imstande sind. "Wir sind erst in den zweiten 30 Minuten mehr Eis gelaufen, haben den Gegner gezwungen, mehr Strafen zu nehmen", sagte Alexander Mellitzer. Zu spät.

Sicher am Puck, ein extrem hohes Tempo und hinten kaum Fehler: Die Rede ist mitnichten von den Falken, sondern von Frankfurt. Was die Löwen gestern in der Kolbenschmidt-Arena aufs Eis brachten, gehört ohne Frage zum Besten, was die DEL2 in der Saison zu bieten hat.

Der erste Gegentreffer fällt in Unterzahl

Die Gastgeber stellten sich vor einer stimmungsvollen Kulisse nicht einmal schlecht an, lagen trotzdem nach 20 Minuten mit 0:2 zurück. Der erste Gegentreffer, wie könnte es gegen das bester Powerplay-Team der Liga anders sein, kassierten die Falken in Unterzahl. Allerdings halfen sie in der neunten Minute gut mit: Denn Frankfurt traf ausgerechnet per Konter, einen auf das lange Eck gezirkelten Schuss klärte Florian Mnich im Tor im Spagat noch bravourös. Als er aber gerade aufstehen wollte, stocherte Maximilian Faber die Scheibe zum 0:1 ins Tor.

Blöd, aber auch gut gemacht. Ärgerlicher war vielmehr die dumme Strafe von Marcus Götz, die erst zur Unterzahl geführt hatte. Dabei gilt doch gegen Frankfurt, von der Strafbank wegzubleiben. Immerhin das gelang für den Rest des Drittels, so dass Heilbronn mitspielte. Aber irgendwie fehlte vorne die Entschlossenheit, ein wenig mehr Mut hätte gut getan. Die Falken standen in der Schuss-Statistik nicht so viel schlechter da - aber die Zahlen sagen auch nichts über die Qualität aus. In der Hinsicht hatte Frankfurt eben mehr zu bieten.

Pistilli nutzt seinen Freiraum sauber aus

Das 2:0 für die Gäste durch Matthew Pistilli war fast ein wenig billig, allerdings profitierte der Schütze in der 19. Minute von einem Ausrutscher eines Falken-Verteidigers und nutzte den gewonnen Freiraum sauber aus. Ein wenig mutiger wurden die Falken nach der Pause. Wenn es bei den Heilbronnern mal schnell ging, häuften sich jedoch die Fehler.

Nicht so bei Frankfurt. Bei einer angezeigten Strafe und mitten in einen Wechsel der Falken hinein, erzielte Lukas Koziol das 3:0. Immerhin: Die Strafbank blieb den Falken erspart. Stattdessen durften sie danach in Überzahl ran - und trafen. Roope Rante hämmerte den Puck mit Wut zum 1:3 ins kurze Eck (29.). Die Antwort der Löwen folgte im Gegenzug: David Skokan traf in einen Wechsel hinein zum 4:1. "Das darf uns nicht passieren", sagte Mellitzer.

Statt neuen Mut zu schöpfen, gingen die Köpfe wieder nach unten. Das lustige Spielchen wiederholte sich in der 34. Minute, nur umgekehrt. Erst traf Pistilli zum 1:5, danach verkürzte Patrick Kurz auf 2:5. Was nicht lustig war: das lasche Abwehrverhalten der Falken. Es war aber auch beeindruckend, mit welcher Ruhe die Frankfurter am Puck agierten.

Die Offensivkraft ist wieder da

Dass die Gäste in den letzten 20 Minuten noch einmal etwas anbrennen lassen würden: unwahrscheinlich. Und doch wurde es noch knapp. Weil auch die Falken nun mitspielten. Beflügelt durch das 3:5 in Überzahl von Justin Kirsch (46.) hatten sie ihren Mut wiedergefunden. Die Offensivkraft war wieder da.

Warum erst jetzt? Zu spät: Der Zwei-Tore-Rückstand war zu viel gegen die Löwen, die in der 58. Minute, als die Falken alles auf eine Karte setzten, zum 6:3 ins leere Tor trafen. Zur Freude der im Sonderzug angereisten Löwen-Fans. So jubelten wieder die anderen.


Tor: Mnich, Frensel. Abwehr: Sharrow - Kurz; Götz - Maschmeyer; Mapes - Pavlu; Eberhardt. Angriff: Ranta - Damon - Kirsch; Lavallée - Soramies - Gibson; Helms - Lambacher - Bernhardt; Gelke.

Tore: 0:1 (9.) Faber; 0:2 (19.) Pistilli, 0:3 (28.) Koziol, 1:3 (29.) Ranta, 1:4 (30.) Skokan, 1:5 (34.) Pistilli, 2:5 (34.) Kurz, 3:5 (46.) Kirsch, 3:6 (58.) Mitchell. Strafen: 10/18. Schiedsrichter: Stefan Vogl. Sascha Westrich. Zuschauer: 2340.


Der Nächste, bitte

Die Ravensburg Towerstars haben lange Zeit die DEL-2-Saison dominiert, standen teilweise mit deutlichem Abstand an der Tabellenspitze. Zuletzt schlitterte Ravensburg jedoch in eine Krise, verlor auch die Tabellenführung. Nach der Niederlage am Freitagabend zu Hause gegen die Eispiraten Crimmitschau haben die Verantwortlichen die Reißleine gezogen und Trainer Jiri Ehrenberger entlassen. Das ist überraschend, weil die Towerstars weiter oben dran sind. Vergangene Woche musste schon Kim Collins in Crimmitschau gehen. 

 


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