Wegen Corona: Geisterspiele sind für die Falken keine Option

Eishockey  Einer aktuellen Empfehlung der Stadt Heilbronn zufolge wären die Playoffs für die Heilbronner Falken gefährdet. Die DEL2 will aber autark entscheiden, ob und wie die Spiele stattfinden. Klar ist aber, dass nicht vor leeren Rängen gespielt werden soll. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Foto: Archiv/Veigel

Am Freitag starten die Heilbronner Falken in die Playoffs. Eigentlich. In Zeiten des sich ausbreitenden Coronavirus ist nichts sicher - die Lage hat sich noch einmal verschärft. Immer mehr Veranstaltungen auch im Sport werden abgesagt oder finden vor leeren Rängen statt. Wie sieht es aber für die Playoffs der Falken aus? Was meint die DEL 2? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

 

Wer entscheidet, ob und wie solche Spiele ausgetragen werden?

Bislang fühlt sich niemand wirklich zuständig. Aus Sicht von DEL-2-Geschäftsführer Rene Rudorisch ist in erster Linie relevant, wie die Lage in den jeweiligen Regionen vor Ort eingeschätzt wird. "Dort sind die Landratsämter und Gesundheitsbehörden gefordert, Regelungen zu treffen - oder nicht." Geht es nach ihm, startet am Freitag die Endrunde wie geplant. "Und das mit Zuschauern", sagt er.

 

Welche Vorgaben gibt es vonseiten der Behörden in Heilbronn?

Am Montagnachmittag hat die Lenkungsgruppe der Stadt beraten. Mit dem Ergebnis: "Es wird empfohlen, Veranstaltungen ab 1000 Personen abzusagen", sagt Sprecherin Claudia Küpper. Ein Verbot ist das nicht, ändert oder verschärft sich die Lage in den nächsten Tagen, "schließen wir nicht aus, dass sich das ändert".

 

Was bedeutet das für die Heilbronner Falken und die Playoffs?

"Erstmal nichts", sagt Geschäftsführer Atilla Eren. "Es ist am Ende eine Liga-Entscheidung, ob wir der Empfehlung folgen oder nicht." Wichtig ist nur, dass es eine einheitliche Regelung gibt.

 

Ist es denkbar, dass die Falken vor leeren Rängen spielen?

"Mit Sicherheit nicht", sagt der Falken-Manager. Das ist finanziell nicht darstellbar, ein Spiel kostet gut 10000 Euro - ohne dass der Puck rollt. Auch 999 Zuschauer zuzulassen, sei Blödsinn. "Entweder man spielt. Oder nicht." Aber vor Zuschauern.

 

Ist eine Verschiebung der Playoffs und Playdowns eine Option?

Unter gewissen Umständen: Ja, vielleicht. Wahrscheinlich scheint es jedoch nicht. Zumal sich dann die Frage stellt: Wie lange muss die Saison hinten raus verschoben werden? Rudorisch ist skeptisch: "Man muss sich nur den Verlauf des Virus in anderen Ländern anschauen. Dann ist klar, dass es kein Verbot für ein, zwei Wochen wäre." In dem Fall rechnet er eher mit "acht, zehn Wochen oder mehr." Und wer hat dann noch Eis? "Ich glaube nicht, dass ein kommunales Stadion das Eis für zwei Monate abtaut und im Frühsommer aufbereitet, um Playoffs zu spielen." Ganz zu schweigen von den Spielerverträgen, die dann schon nicht mehr gültig sind.

 

Könnte in dem Fall die Saison abgebrochen werden?

Durchaus möglich, sagt Eren. "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende." Im Falle einer Verschiebung der Saison müsste "die ganze Maschinerie, das ganze System aufrecht erhalten werden für etwas, das am Ende vielleicht gar nicht stattfindet". Finanziell eine Katasstrophe. Ein sofortiges Aus wäre für die Vereine tatsächlich das kleinere Übel. Aber auch jetzt haben alle Vereine durch Verstärkungen schon Kosten produziert, denen womöglich kein Erlös gegenübersteht. "Für viele Vereine ist das eine existenzielle Frage", sagt Eren.

 

Bis wann ist definitiv klar, ob Freitag gespielt wird oder nicht?

Eren sagt: "Bis spätestens Mittwoch muss eine Entscheidung her." Aktuell werden an den DEL-2-Standorten Informationen gesammelt, in einer anschließenden Telefonkonferenz wollen Liga und Vereine danach gemeinsam entscheiden.

 

Gibt es noch andere Alternativen?

Eventuell. Eren bringt einen Mittelweg ins Spiel. "Warum auf 1000 Zuschauer begrenzen? In unserem Fall wären auch 3000 denkbar." Es müssten alle Optionen diskutiert werden.

 

Sind die Vereine in der Klemme?

Definitiv. "Wir stehen zwischen Verantwortung und einem wirtschaftlichem Desaster", sagt Eren. "Die Regierung macht es sich sehr einfach und schiebt uns den schwarzen Peter zu." Rene Rudorisch hat gar das Gefühl, dass Veranstalter und Vereine mit solchen Empfehlungen wie in Heilbronn "gezwungen werden, von sich aus abzusagen". Um auf die Art möglichen Regressforderungen der Vereine vorzubeugen.

 

Stellen die Falken im Fall der Fälle Schadenersatzforderungen?

"Selbstverständlich", sagt Eren. "Ich weiß nur nicht, an wen." Das sei das Problem der Empfehlungen. Würde eine Absage angeordnet, "dann entstehen auch Ansprüche."

 

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Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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